Spinalkanal II: Systematik schafft Präzision

Zur Differenzialdiagnostik der spinalen Raumforderung

Bandscheibenvorfälle und Verschleißerscheinungen an den Wirbeln sind häufige Ursachen für Rückenschmerzen – seltener treten auch andere Erkrankungen auf, zum Beispiel Tumoren.

Prof. Dr. Heinrich Lanfermann
Prof. Dr. Heinrich Lanfermann

Welche Arten von Tumoren sind das, wie lassen sie sich diagnostisch von Entzündungen abgrenzen?

Die Differenzialdiagnose auf Grundlage der MRT-Bildgebung ist Grundlage für die angemessene Therapieentscheidung. Die MRT erlaubt in diesem Zusammenhang die Detektion auch kleinerer Veränderungen in den Weichteilen – in den Liquorräumen, auch im Rückenmark. Mittels CT gelingt das nicht zuverlässig. MRT-Untersuchungen bei Patienten mit Verdacht auf eine tumoröse spinale Raumforderung werden generell mit Kontrastmitteln durchgeführt. Das gilt in der Regel auch für die Verlaufsbeobachtung.

Systematik unterstützt Diagnose

„Insbesondere für jüngere Kollegen ist es zielführend, bei der Bildinterpretation systematisch vorzugehen“, erklärt Prof. Dr. Heinrich Lanfermann. Besonders relevant ist die Lokalisation der Raumforderung: „Es gibt drei Kompartimente, in denen sich solche Pathologien befinden können“, so der Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Eine dieser Regionen ist die knöcherne Wirbelsäule selbst mit der angrenzenden Muskulatur und den extraduralen Weichteilen, die zweite ist der Wirbelkanal intradural außerhalb des Rückenmarks, die dritte das Rückenmark selbst.

Lokalisierung gibt Hinweise auf den Typ der Pathologie

Innerhalb dieser Kompartimente treten Pathologien jeweils mit einer gewissen Häufigkeit auf; somit, so der Neuroradiologe weiter, erlaubt die genaue Lokalisierung im Rahmen der Bildanalyse eine erste Eingrenzung. Kennt der Radiologe dann auch noch das typische Muster für Entzündungen und Tumoren, ist die Trefferquote für die Diagnose sehr hoch. Gendefekte können die Entstehung der Tumoren im Wirbelkanal fördern – bei der Neurofibromatose Typ 1 ist bekannt, dass die Erkrankung ursächlich genetisch bedingt ist.

Operation oder Bestrahlung

Seine präzise Zuordnung der Pathologie bringt der Radiologe in das Tumorboard ein, das über das weitere Vorgehen in dieser extrem empfindlichen Körperregion entscheidet. So wird bei gutartigen Veränderungen deutlich zurückhaltender agiert als bei aggressiven Neubildungen, bei denen beispielsweise rasch progrediente Lähmungen und gegebenenfalls dauerhafte Schädigungen drohen. Bei Tumoren stehen chirurgische Eingriffe beziehungsweise Chemo- und Strahlentherapie zur Wahl, interventionell beziehungsweise minimal-invasiv geht man bei Tumoren in dieser Region nicht vor, erläutert Prof. Dr. Lanfermann. Eine Ausnahme bilden sehr gefäßreiche Wirbelmetastasen von Nierenzellkarzinomen, die zur Vermeidung von intraoperativen Blutverlusten präoperativ endovaskulär von Neuroradiologen embolisiert werden. Bei der Verlaufskontrolle ist der Radiologe dann wieder beteiligt.

Mehr Tesla – höhere Präzision?

Höhere MRT-Feldstärken sind in dieser Körperregion nicht von Vorteil, betont der Experte: Die unterschiedlichen Gewebe um den Wirbelkanal (unter anderem Lunge und Aorta) verursachen bei höheren Feldstärken Feldinhomogenitäten und Artefakte: „So produzieren 3 Tesla nicht bessere Ergebnisse als 1,5 Tesla“, so der Experte. An technologischen und methodischen Neuerungen wird geforscht, etwa bei der Diffusionsbildgebung des Rückenmarks. Klinisch relevante Ergebnisse, so der Neuroradiologe, werden jedoch noch einige Entwicklungsarbeit erfordern.

IM PROFIL

Prof. Dr. Heinrich Lanfermann ist seit 2007 Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach Abschluss des Medizinstudiums an der RWTH Aachen 1984 absolvierte er eine Ausbildung in der Abteilung für Radiologie des Bundeswehrkrankenhauses in Hamburg, im Institut für Diagnostische Radiologie und in der Klinik für Neurologie der Universitätsklinik Köln. Spezialausbildungen folgten an der New York University und der University of California in Los Angeles. Von 1996 bis 2007 war er Leitender Oberarzt am Institut für Neuroradiologie in Frankfurt am Main. 1998 habilitierte er über die 1H-NMR-spektroskopische Bildgebung akuter und subakuter Hirninfarkte. Bis 2003 verantwortete er die Planung und den Aufbau des Brain Imaging Centers in Frankfurt. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf metabolischen, mikrostrukturellen und funktionellen Bildgebungstechniken.

 

 

05.11.2013

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