Radiologie ist Vielfalt

Vom 1. bis 4. Juni findet in Hamburg der 92. Deutsche Röntgenkongress statt, der gleichzeitig der 6. gemeinsame Kongress mit der Österreichischen Röntgengesellschaft ist. Zusammen mit ihrem österreichischen Partner erwartet die Deutsche Röntgengesellschaft als Ausrichterin des traditionsreichen Kongresses rund 7.000 Teilnehmer an Elbe und Alster.

Photo: Radiologie ist Vielfalt

Schlaganfall, Brustkrebserkennung und Sportmedizin – das Wissenschaftliche Programm trägt dem Kongressmotto „Radiologie ist Vielfalt“ eindrucksvoll Rechnung. Die beiden Kongresspräsidenten Univ.-Prof. Dr. Bernd Hamm (Berlin) und sein österreichischer Kollege Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Hruby (Wien) geben einen ersten Einblick in die Themen des größten deutschsprachigen Kongresses der bildgebenden Medizin.


Sie haben für den diesjährigen Röntgenkongress das Motto „Radiologie ist Vielfalt“ ausgewählt. Worin zeigt sich diese Vielfalt?

Hamm: Die Vielfalt zeigt sich in sehr unterschiedlicher Weise. Einmal die Vielfalt des medizinischen Spektrums – von der Diagnostik bis zur Therapie -, aber auch die Vielfalt der radiologischen Tätigkeit, sowohl in der Praxis als auch im Krankenhaus. Dann die Vielfalt der beruflichen Chancen: Die Radiologie ist ein Fach, das sich auch gut in Teilzeit ausüben lässt und ausgesprochen familienfreundlich ist.

Hruby: Unser Fach ist eines der wenigen, das man als Ganzkörperfach bezeichnen kann, eine Disziplin, die sich ganzheitlich mit allen Erkrankungen des Menschen beschäftigt und – bis auf wenige Ausnahmen – bei jedem Patienten sowohl den Beweis als auch den Ausschluss einer Verdachtsdiagnose erbringt. Und damit die Therapieentscheidung und den Therapieverlauf beeinflusst.

Welche medizinischen Neuerungen möchten Sie innerhalb der Themenschwerpunkte hervorheben?

Hruby: Der Kongress ist wie die gesamte medizinische Entwicklung einem permanenten dynamischen Verlauf unterworfen - von der Neuroradiologie bis hin zur Interventionellen Radiologie, die dem Patienten große, invasive Eingriffe erspart und den chirurgischen Verfahren gleichwertig gegenüber steht oder sogar besser ist.
Hamm: Innerhalb der Neuroradiologie diskutieren wir die neuen Diagnosemöglichkeiten durch hohe Magnetfeldstärken, die u. a. zu einer Verbesserung der Diagnostik des Schlaganfalls führen: Wir wissen damit genauer, welche Hirnregionen bei einem Schlaganfall verloren sind und um welche Anteile des Hirngewebes es sich zu kämpfen lohnt, um diese Teile aufrechtzuerhalten.

Dann das Thema Brustkrebserkennung: Wir werden uns über die Qualitätssicherung in der mammografischen Diagnostik unterhalten. Es geht aber auch um die Frage, welche Methode die Röntgenmammografie im Screening in Zukunft ablösen kann. Mittelfristig besonders spannend ist dabei die MR-Mammografie ohne den Einsatz von Kontrastmitteln.

Ein weiteres Thema wird der Strahlenschutz sein: 40 Prozent der radiologischen Strahlenexposition resultiert aus der Computertomografie. Das ist uns bewusst, und wir arbeiten intensiv daran diese Exposition weiter zu senken. Ziel ist es, zum Beispiel eine CT des Herzens auf das Dosisniveau einer normalen Röntgen-Thorax-Aufnahme zu bringen.

Schließlich haben wir das Thema Sportmedizin ausgewählt. Das sind nicht nur die Gelenke, sondern ich würde das Thema überschreiben mit dem Titel „fit for fun“. Zum Beispiel gibt es Studien, die festgestellt haben, dass Marathonläufer häufig schon verdeckte Herzinfarkte hatten, die man heute durch die MRT nachweisen kann. Diese Personen bedürfen einer besonderen Betreuung, um ihren Sport weiterhin erfolgreich ausführen zu können.
Hruby: Die Radiologie hilft dem Sportler, die Möglichkeiten der Belastbarkeit an seine physiologischen Gegebenheiten anzupassen. Jemand möchte mehr Sport treiben, hat aber irgendwann ein Knieproblem gehabt. Mit der MRT können wir sehr genau kleinste Knorpelläsionen nachweisen und sagen: Diese Belastung ist zumutbar, jene nicht. Gleiches gilt natürlich auch wie Herr Kollege Hamm sagte für die Belastung des kardiovaskulären Systems.

Hamm: Ich möchte auch unseren letzten Themenschwerpunkt hervorheben, die Tumorablation: Bei dieser minimalinvasiven, bildgesteuerten Therapie werden Tumoren durch den Einsatz von Hitze, Kälte und Radiowellen verödet. Die Tumorablation stellt mehr und mehr eine Therapie-Option für Tumoren dar, die dem Chirurgen nicht zugänglich sind, oder in Fällen, in denen sich eine Chemotherapie nicht anbietet.

Nach sechs Jahren Berlin kommt der Kongress nach Hamburg – was erwarten Sie sich vom Standort Hamburg?

Hamm: Es ist das Interesse am Neuen – zunächst einmal an den Neuerungen unseres Fachs, aber natürlich auch an einer neuen Umgebung. Hamburg als Großstadt mit hanseatischem Flair verspricht eine interessante Umgebung zu sein und gerade mit dem Termin Anfang Juni erwarten wir sogar in Hamburg gutes Wetter!

Hruby: Die Attraktivität der Stadt, die freundliche Aufnahme, die Möglichkeit eines Kongresses der kurzen Wege vermitteln eine Stimmung, auf die sich jeder Kongressteilnehmer freuen kann.

Seit Jahren verzeichnet der Röntgenkongress steigende Zahlen bei den MTRAs. Was hält das Kongressprogramm in diesem Jahr für MTRAs bereit?

Hamm: Das Programm für die MTRAs auf dem RöKo ist seit vielen Jahren ein erfolgreiches Projekt. In der täglichen Praxis gibt es ja eine Arbeitsteilung zwischen dem Radiologen und der MTRA, die ganz entscheidend ist für die erfolgreiche Durchführung einer Untersuchung, aber auch ganz entscheidend ist für den Strahlenschutz. Das spiegelt sich im Programm wider. Wir unterteilen in diesem Jahr auch das Kursangebot für Einsteiger und Fortgeschrittene. Es finden sich natürlich auch klinische Themen im MTRA-Programm, wie z. B. „Tinnitus in Diagnostik und Therapie“. Die MTRA hat nämlich nicht nur ein Technikverständnis, sondern verfügt auch über medizinische Grundlagen.

Hruby: Es ist notwendig, auch Basiskenntnisse über die Entstehung und die Physiologie von Krankheiten zu besitzen. Die MTRA-Fortbildung auf dem Kongress verbindet beides: die Vermittlung technischer Kenntnisse – auch Kenntnisse der Dokumentation – mit medizinischem Wissen. Aus dieser Kombination resultiert der Erfolg des MTRA-Programms.

 

Mehr Informationen unter www.drg.de
 

06.05.2011

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