Radiologische Intervention

Alle Hände voll zu tun - MTRAs in der neuroradiologischen Intervention

In der Radiologie gibt es die unterschiedlichsten bildgebenden Verfahren, die der Diagnostik zur Verfügung stehen, doch nur mittels CT, MRT und DSA ist die Möglichkeit zur Therapie und Histologie gegeben. Christin Flohr, MTRA am Universitätsklinikum Essen, berichtet von den praktischen Anforderungen, denen sie und ihre Kollegen tagtäglich gerecht werden müssen.

Christin Flohr
Christin Flohr

Die DSA ist eine komplexe Methode, die sowohl in der Allgemeinradiologie als auch in der Neuroradiologie Anwendung findet. Typische neuroradiologische Interventionen sind zum Beispiel Stenting von Gefäßstenosen, Thrombektomien/Schlaganfalltherapie, Embolisationen einer AVM oder eines Meningeoms, Vertebroplastie und das Coiling von inzidentellen Aneurysmen und rupturierten Aneurysmen.

Umfassende Abläufe

Die Durchführung einer Intervention ist Aufgabe des Radiologen, meist unterstützt durch einen Assistenzarzt. Steht dieser aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung, begleiten auch die MTRAs die Vorgänge am Untersuchungstisch.

Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten sind sehr vielschichtig. Christin Flohr: „Angefangen von der Einbestellung des Patienten und seiner Lagerung auf dem Untersuchungstisch über die Vorbereitung der Untersuchung und dem Richten aller notwendigen Materialien bis zur Dokumentation und Nachbereitung der Bilder – wir haben alle Hände voll zu tun.“ Erst wenn der Patient wieder auf der Station ist, der Untersuchungsraum wieder neu hergerichtet und alles für die nächste Untersuchung bereit ist, ist der Vorgang für den MTRA tatsächlich abgeschlossen.

Materialkunde

Was wird für die DSA-Intervention benötigt? Sind die Utensilien griff- und einsatzbereit? Ist an alles gedacht? Diese und weitere Fragen müssen sich MTRAs bei jedem geplanten Eingriff aufs Neue stellen. Neben der Materialkunde sind Kenntnisse über die Notfallmedizin unabdingbare Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf. Es kann durchaus passieren, dass ein Patient während der Untersuchung plötzlich über Übelkeit klagt, sein Blutdruck absackt oder die Sauerstoffsättigung abfällt. In diesen Fällen muss eine schnelle Entscheidung über den weiteren Ablauf seitens des Radiologen getroffen werden. Wissen über die jeweiligen Medikamente muss vorhanden sein, die in der Regel durch den zuständigen MTRA verabreicht werden. Normalisieren sich die Vitalwerte des Patienten, kann die Untersuchung durchaus fortgesetzt werden.

Rupturiertes Aneurysma

Bei der Behandlung einer Subarachnoidalblutung (SAB) wird grundsätzlich zwischen dem Coiling, einer bewährten Methode der Neuroradiologie, die den operativen Eingriff in vielen Fällen überflüssig macht, und dem Setzen eines Clips unterschieden, das im Rahmen einer neurochirurgischen Operation durchgeführt wird. Die Entscheidung wird je nach Lage, Konfiguration und Form des Aneurysmas getroffen.

Wird ein Patient mit Verdacht auf SAB in die Klinik geliefert, liegt oftmals eine native Schädel-CT aus einem auswärtigen Krankenhaus vor, zur Vervollständigung kann zusätzlich eine Gefäßdarstellung mittels CT durchgeführt werden. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Aneurysma, geht der Patient direkt in die Angiographie. Nicht jeder Patient, der mit einer SAB kommt, befindet sich in einem kritischen Zustand. Trifft das allerdings zu, sind die Kollegen der Anästhesie von Beginn an bei der Untersuchung anwesend. Ansonsten erfolgt die reine diagnostische Angiographie bei einem wachen Patienten. Bestätigt sich das Aneurysma in den angefertigten Serien, werden die Kollegen der Neurochirurgie dazugezogen und das weitere Prozedere wird besprochen. Wird die Entscheidung für das Coiling getroffen, wird der Anästhesist informiert und der Patient wird auf dem Untersuchungstisch intubiert und für den interventionellen Eingriff vorbereitet.

Ist die Entscheidung für die endovaskuläre Versorgung getroffen, liegt es in der Verantwortung der MTRA, die verfügbare Materialbandbreite zur Verfügung zu stellen, sodass für diverse Eventualitäten vorgesorgt ist. Das Verfahren des Coilings, also die Sondierung mittels Mikrokatheter und Auffüllen des Aneurysmas mit Coils (kleine Platinspiralen), kann innerhalb von 20 Minuten sehr schnell abgeschlossen sein, aber auch zwei bis drei Stunden dauern. Gelingt das Coiling nicht, bleibt nur noch die neurochirurgische OP.

Saubere Dokumentation

Die fachkundige Bedienung der biplanaren Angiographieanlage ist eine weitere wichtige Aufgabe der MTRA. Sie dient vor allem der detaillierten Dokumentation des Eingriffs: Bildbearbeitung beziehungsweise Bildnachverarbeitung, Archivierung der angefertigten Serien, Dokumentation des verbrauchten Materials, der verwendeten Kontrastmittelmenge und der Dosis, vollständiges Patientenprotokoll etc. Alles, was im Zuge der Abrechnung der Untersuchung von Belang ist, wird hier gespeichert und aufbereitet. „Alles in allem ein sehr aufwendiges Verfahren, das uns MTRAs viel Wissen und Verantwortung abverlangt. Aber das macht es auch so abwechslungsreich – vor allem für die neuroradiologischen Untersuchungen kann ich mich immer wieder aufs Neue begeistern“, schließt Christin Flohr.

 

PROFIL:

Christin Flohr schloss 1999 die Ausbildung zur MTRA an der Schule für technische Assistenten in der Medizin am Universitätsklinikum Essen (UKE) ab. Zunächst war sie vier Jahre in der Orthopädie als MTRA tätig, bis sie 2006 schließlich an das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des UKE wechselte. Seit 2013 hat sie dort gemeinsam mit einer Kollegin die Teamleitung in der DSA inne. Die 33-Jährige ist bereits als Rednerin auf mehreren Kongressen aufgetreten, wie auf dem Deutschen Röntgenkongress, dem Rheinisch-Westfälischen MTRA-Symposium oder dem MTRA-Kongress in Essen.

25.11.2014

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