Radiologie im Zweiklang

Wiener Charme trifft norddeutsche Bodenständigkeit. Diagnosen, radiologische Therapiemöglichkeiten und das konventionelle Röntgenbild treffen auf moderne Schnittbildverfahren. Der diesjährige Röntgenkongress in Hamburg ist voller Zweiklänge und Begegnungen.

Prof. Dr. Stefan Diederich
Prof. Dr. Stefan Diederich

Heute startende 95. Deutsche Röntgenkongress ist zugleich auch der 7. Gemeinsame Deutsch-Österreichische Röntgenkongress seit 1973 in Wien. Ein besonders herzliches Willkommen deshalb allen Radiologen, MTRA und Industrievertretern, die aus Österreich an die Elbe gereist sind. Und auch „RöKo Heute“ ist dem Zweiklang erlegen und hat die beiden Kongresspräsidenten Prof. Dr. Johannes Lammer aus Wien und Prof. Dr. Stefan Diederich aus Düsseldorf zum Doppelinterview gebeten.

RöKo Heute: „Radiologie ist Diagnose und Therapie“ – das ist Ihr Motto für den 7. Gemeinsamen Kongress von DRG und ÖRG. Was steckt hinter diesem Motto?
Stefan Diederich: Die Radiologie ist ein Fach mit vielen Facetten. Dazu gehört im ersten Schritt die Diagnose der verschiedensten Erkrankungen – natürlich, aber eben nicht nur. Radiologie ist auch eine Disziplin, die behandelt und therapiert. Das gerät leicht in den Hintergrund. Oft können wir mit unseren minimal-invasiven Techniken sogar die besten Optionen für eine Behandlung bieten. Das wollen wir nicht nur in der Vortragsstruktur des Kongresses zum Ausdruck bringen, sondern das soll sich gleich im Motto finden.

Johannes Lammer: Die Radiologie gewinnt im Rahmen der zahlreichen Tumorboard-Konferenzen an Bedeutung. Ob Operation, Chemo therapie, Strahlentherapie oder interventionelle Therapie: Welche Behandlung letztendlich zur Anwendung kommt, wird zunehmend von Radiologen beeinflusst. Das spiegelt sich auch im Kongressprogramm wider, in dem wir virtuelle Tumorboards für die verschiedensten Erkrankungen veranstalten.

Stefan Diederich: Dafür haben wir insgesamt sechs Entitäten ausgewählt. Ziel ist, über einzelne Krankheitsbilder zu sprechen. Primäre Lebertumoren, Leber- und Lungenmetastasen, Nierenund Knochentumoren sowie das Lungenkarzinom werden von Teams aus Wien, Düsseldorf, Berlin, München und Hamburg besprochen. Dabei werden Fälle diskutiert, die die Kollegen aus ihren Heimatinstitutionen mitbringen und die sie dort schon mal durchgegangen sind. Damit sind sie so dicht an der Routine wie nur irgend denkbar. Also eine reale Vorstellung, live und in Farbe.

Spielen Ihre eigenen Schwerpunkte in Forschung und Klinik bei der Auswahl der Kongressthemen eine Rolle?
Stefan Diederich: Durchaus. Alle Kongresspräsidenten setzen mit ihren Schwerpunktthemen persönliche Akzente. Meine persönlichen Lieblingsthemen sind die Thorax- und die onkologische Radiologie. Und beide sind eng verwoben mit den radiologischen Vorlieben, die mein Kollege Johannes Lammer verfolgt, der Interventionellen Radiologie.

Johannes Lammer: Das konventionelle Röntgenbild als viertes Schwerpunktthema ist eher ein übergreifendes. Wir beobachten, dass dieses Brot-und-Butter-Verfahren zunehmend aus dem Fokus verschwindet. Deshalb rücken wir das konventionelle Röntgenbild dieses Mal bewusst in den Mittelpunkt, um unseren Nachwuchs auf einem hohen Niveau auszubilden und um ein Signal für andere Fächer zu setzen: Selbstverständlich sieht sich die Radiologie der Aufgabe verpflichtet, optimale Röntgenbilder anzufertigen und diese optimal zu befunden. Darin enthalten ist auch die unmissverständliche Botschaft, dass der Radiologe der Fachmann für die Befundung von Röntgenbildern ist – und nicht der Orthopäde, Chirurg oder Internist. Und weil wir gerade davon sprechen, setzen wir auch für Kardiologen ein paar deutliche radiologische Zeichen.

Was bietet der Kongress dem medizinischen Nachwuchs und den MTRA?
Stefan Diederich: Sehr viel. Das Fit-für-den- Facharzt-Format ist auf die Bedürfnisse der Weiterbildungsassistenten zugeschnitten und außerdem haben wir mit dem Programm der „hellsten Köpfe für die Radiologie“ ein spezielles Studentenprogramm, zu dem auch wieder Stipendien vergeben wurden. Neu in diesem Programm wird der Kurs „Sono4You“ sein, der von Studenten für Studenten praktische Erfahrungen im Ultraschall bietet.

Johannes Lammer: Die Vereinigung der Medizinisch- Technischen Berufe in der DRG (VMTB) und der Verband der RadiologietechnologInnen Österreich (RTaustria) haben gemeinsam das MTRA-Programm auf die Beine gestellt. Die Schwerpunkte des wissenschaftlichen Programms finden sich auch hier wieder, ergänzt durch MTRA-spezifische Themen wie beispielsweise „MTRA im Ausland“ und das große Thema „Strahlenschutz“. Zum ersten Mal wird es zudem ein Lunchsymposium extra für MTRASchüler geben.

Was sind für Sie persönlich die Kongresshighlights in diesem Jahr?
Stefan Diederich: Ich freue mich sehr auf Freitag, der ein richtiger Thoraxtag werden wird. Passend dazu hält Prof. David Hansell die Röntgenvorlesung. Er ist ein ausgezeichneter Thoraxradiologe am Royal Brompton Hospital in London und ein hervorragender Redner, der es versteht, sein Publikum zu fesseln. Er ist für uns auch deshalb der richtige Redner für die Röntgenvorlesung, weil er sich als Radiologe an der Schnittstelle

Johannes Lammer: Ich freue mich sehr auf die Tumorboards – live und in Farbe – und die Begegnungen mit den Kollegen aus den Partnergesellschaften. Für die Schwerpunktthemen „Onkologische Bildgebung“ und „Interventionen“ haben wir die International Cancer Imaging Society (ICIS) dabei. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) sowie die European Society of Cardiac Radiology (ESCR) konnten wir für die Themen „Thoraxdiagnostik“ und „Herzdiagnostik“ gewinnen. Schließlich wird es für den Bereich der Interventionellen Radiologie eine Kooperation mit der Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe (CIRSE) geben.

 

28.05.2014

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