DGNC-Jahrestagung

Neurochirurgen werfen Blick auf die Zukunft des Fachs

Die 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie bot neben einem dichten und umfassenden wissenschaftlichen Programm mit über 750 Abstracts und aktuellen Präsentationen auch politisch brisante Diskussionen.

xray of human skull and spine

Bildquelle: Unsplash/Xiao Cui

Mehr als 1.000 Teilnehmer nutzten das virtuelle Kongresszentrum der überwiegend online durchgeführten Fachtagung für die Kommunikation neuer Erkenntnisse und spannende Diskussionen. Viele Entwicklungen, welche die Fachdisziplin aktuell besonders beschäftigen, wurden von Experten vorgestellt und diskutiert, um sie in der täglichen Arbeit der Kliniken zu übernehmen. „Der schmale Grat des operativ maximal Möglichen und der funktionellen Unversehrtheit der Patienten muss für jede Erkrankung definiert und in wissenschaftlichen Analysen objektiviert werden“, betonte Prof. Dr. Rüdiger Gerlach, der zusammen mit Prof. Dr. Steffen Rosahl die Tagungspräsidentschaft innehatte.

Eindrucksvolle Präsentationen veranschaulichten Innovationen und technische Verbesserungen, um die Effizienz chirurgischer Behandlungen von Patienten mit Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven zu erhöhen und zugleich Behandlungsrisiken zu minimieren. In verschiedenen Beiträgen wurden neue molekulare Zielstrukturen für die Behandlung von Patienten mit Tumorerkrankungen diskutiert, die z.T. auch in der erwarteten Revision der Klassifikation der Hirntumoren berücksichtigt sind.

Das große Thema Digitalisierung, insbesondere die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik zeigten, wie maßgeblich diese rasante Entwicklung die Zukunft der Neurochirurgie beeinflussen wird. Viele Präsentationen belegten eindrucksvoll unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten mit verbesserter präoperativer Diagnostik und optimierten Aussagen zu Operationsrisiko und Prognose. Es wurde deutlich, wie durch innovative technische Verbesserungen die operativen Therapien bei Patienten mit Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven bei minimierten Behandlungsrisiken noch effizienter werden.

elon musk at neuralink presentation
Das "NeuraLink"-Projekt von Elon Musk sorgte bei der Jahrestagung der Neurochirurgen für eine Diskussion um ethische Grenzen. Der millardenschwere Unternehmer (hier bei einer Präsentation des Start-Ups im Jahr 2020) bezeichnet NeuraLink als "FitBit für den Schädel".

Bildquelle: Steve Jurvetson, Elon Musk and the Neuralink Future, CC BY 2.0

Die Session „Elektroden im Gehirn“ stellte den aktuellen Stand und Fortschritte beim erfolgreichen medizinischen Einsatz der tiefen Hirnstimulation zur Behandlung von Bewegungsstörungen etwa bei Morbus Parkinson vor. In der Diskussion ging es aber auch um ethische Grenzen der weiterentwickelten Implantate mit verfeinerten Elektroden durch Elon Musks Start-up „NeuraLink“. Die Grenzgebiete zwischen medizinischen und nicht-medizinischen Anwendungsmöglichkeiten haben hier bereits heute zu Recht zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion geführt.

Das Forum „Starke Frauen, starke Männer – Schaffen wir die Gleichstellung?“, wesentlich vorbereitet von Frau Dr. Lawson McLean, einer der Sprecherinnen der Assistenzärzte der DGNC, warf einen kritischen Blick auf die Chancengleichheit in dem vor allem in den Chefetagen noch immer männlich dominierten Fachgebiet. Obwohl seit über 20 Jahren mehr als die Hälfte der Medizinstudierenden weiblich sind, ist bis heute nur jede fünfte Facharztstelle für Neurochirurgie weiblich besetzt. Vor allem Führungspositionen werden in der Neurochirurgie selten von Frauen besetzt. Die Gründe dafür seien vielschichtig, die geladenen Experten identifizierten unter anderem ein archaisches Arbeitsumfeld, welches oft wenig Raum für eine moderne Lebens- und Karriereplanung biete. Neue Arbeitszeitmodelle, innovative Lösungen für Weiterbildung und eine Überarbeitung des zur Facharztqualifikation geforderten OP-Katalogs wurden diskutiert. Zunehmend gehen zwar auch männliche Kollegen in Elternzeit, aber noch immer sind es weit überwiegend Neurochirurginnen, die Familie und Karriere vereinbaren müssen. Die Fokus-Session auf der diesjährigen DGNC-Tagung zeigt aber, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist und jetzt gemeinsam zukunftsweisende Lösungen zur Chancengleichheit gesucht werden.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie

23.07.2021

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