Neue OP-Systeme: Der Anwender bleibt unbekanntes Wesen

Immer schneller, immer exakter, immer weniger Materialverbrauch und immer bessere Dokumentation: Die Anforderungen an das Klinikpersonal im Operationssaal (OP) – Ärzte wie OP-Kräfte – steigen stetig. Der Kostendruck zwingt die Kliniken zunehmend dazu, immer weiter an der Effizienzschraube zu drehen.

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Helfen können dabei die Innovationen der Medizintechnikindustrie, wie diese einmal mehr wieder Mitte November im Rahmen der mit 4.300 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf (17. bis 20. November 2010) präsentiert werden. Die technischen Errungenschaften der „Medtech“-Industrie unterstützen nicht nur treffsicher die Operateure bei den einzelnen Prozessschritten, sie veranschaulichen die OP-Situation auch mehr und mehr.

Visualisierung und Flexibilität sind nur zwei der Trends in der modernen Medizintechnik, von denen sich Ärzte sowie klinisches Fachpersonal bei einem Besuch der MEDICA 2010, Weltforum der Medizin, überzeugen können. Ein Beispiel für die mögliche Visualisierung von Prozessen ist die Anästhesie. Hintergrund ist, dass viele medizinische Eingriffe, insbesondere invasive chirurgische Interventionen, nur unter Vollnarkose durchgeführt werden können. Dabei ist die exakte Dosierung des Narkosemittels wichtig für die Sicherheit des Patienten und den OP-Erfolg. Den Patienten bestmöglich durch die Narkose zu führen, ist dabei für Anästhesisten immer wieder eine echte Herausforderung. Ähnlich wie Piloten haben sie die Aufgabe, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen auszuweichen. 

Um Anästhesisten die Arbeit zu erleichtern präsentiert zum Beispiel der Medizintechnik-Anbieter Dräger (Halle 11, Stand J39) mit seiner Anwendung „SmartPilot View“ eine neuartige Hilfe, die den Narkose-Verlauf in zweidimensionaler Darstellung abbildet. Die Software kann Anästhesisten nach Angaben von Dräger darin unterstützen, die Narkose vorausschauend zu gestalten sowie Unter- oder Überdosierungen von Medikamenten im Vorfeld zu erkennen und zu vermeiden. Die Anwendung bietet demnach erstmalig eine zweidimensionale Darstellung eines kalkulierten aktuellen Narkoselevels und des prognostizierten Verlaufs einer Narkose. Die Software berechnet dafür selbstständig den kombinierten Effekt der gegebenen Anästhesiemittel (Hypnotika und Opioide) auf Basis pharmakokinetischer und pharmakodynamischer Patientenmodelle und stellt deren Zusammenwirken während der Narkose anschaulich dar. Bisher war es, so Dräger, nicht möglich, dem Anästhesisten die Wechselwirkung der Wirkstoffgruppen und die daraus resultierende aktuelle und prognostizierte Narkosetiefe eines Patienten gleichzeitig anzuzeigen.

Hybrid-OP-Säle liegen im Trend
Vor allem die Flexibilität im OP-Saal hat das Medizintechnik-Unternehmen Trumpf Medizin Systeme (Halle 13, Stand A 42) im Blick. Dem Unternehmen geht es vor allem um die Arbeitsplatzgestaltung im OP. Trumpf feiert im Rahmen der MEDICA 2010 die Weltpremiere seiner „TruPort“ genannten, neuartigen Deckenversorgungseinheiten. Sie erlauben laut Hersteller eine schnelle, bequeme und teilweise sogar werkzeuglose Anpassung des Arbeitsplatzes nach sicherheitstechnischen, ergonomischen und ökonomischen Gesichtspunkten. Neue Module sollen schnell an die Versorgungseinheit angedockt werden. Selbst Gas-, Strom- und Datenversorgungsmodule könnten mit Hilfe eines einfachen Steckwerkzeugs überall flexibel integriert, entfernt oder in der Anordnung variiert werden. Das Herzstück von „TruPort“ ist eine neuartige, am Stativkopf integrierte Multifunktionsschiene. Das sogenannte „FPC Rail“ ist dabei laut Trumpf die kommunikative Schaltzentrale: Komponenten werden daran befestigt, sofort erkannt und mit Strom versorgt. Das FPC Rail leitet Funktionsbefehle weiter und sorgt so für eine schnelle, unkomplizierte und korrekte Ausführung.

Unter das Stichwort Effizienz fällt der zunehmende Einsatz von Hybrid-OP-Sälen in Kliniken. In Hybrid-OP können gleichzeitig Chirurgen operieren und bildgebende Verfahren genutzt werden. Ein weiteres Beispiel für ein neues Verfahren in einem Hybrid-OP ist ein Projekt von Philips (Halle 10, Stand A 21) in Zusammenarbeit mit Maquet. Die Unternehmen zeigen, wie sich zwei Techniken, die von zwei verschiedenen medizinischen Disziplinen – von Kardiologen und von Herzchirurgen – angewendet werden, in einem OP gemeinsam nutzen lassen. Konkret geht es um eine neue Behandlungsmethode: um die Implantation einer biologischen Aortenklappenprothese auf kathetergestützem Wege. Mit speziellen Kathetern werde die Herzklappe in das Herz eingebracht und dort verankert. Das heißt, eine große Eröffnung des Brustkorbes über eine Durchtrennung des Brustbeines ist laut Philips nicht mehr erforderlich. Der Zugang zum Herzen erfolge direkt über die Herzspitze – über einen kleinen Schnitt an der linken Brustkorbseite. Diese OP-Methode erfordert den gleichzeitigen Einsatz des Kardiologen, der den Katheter setzt, und des Herzchirurgen. Der neue Hybrid-OP bietet als geräumiger, hochmoderner Operationssaal in Verbindung mit einer Hochleistungs-Röntgenanlage alle Voraussetzungen, um diese Eingriffe erfolgreich durchführen zu können. 

Von dem neuen Verfahren profitieren insbesondere ältere, multimorbide Hochrisikopatienten. Diese Patienten seien bislang in aller Regel wegen des hohen Risikos von einer OP ausgeschlossen worden. Die neue, minimalinvasive Behandlungsform sei für Patienten deutlich schonender. Für Kliniken und Kassen entstehen nach Ansicht von Philips nicht zuletzt durch die Verkürzung der Liegezeiten der Patienten im Krankenhaus und Verkürzung der Rehabilitationsphase weitere Vorteile.

20.11.2010

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