Prof. Tjalf Ziemssen sitzt an einem Schreibtisch und bedient einen PC, auf dem...
Prof. Tjalf Ziemssen in Vorbereitung eines telemedizinischen Beratungstermins

Bildquelle: Universitätsklinikum Dresden 

News • Digitale Angebote

Multiple Sklerose: Versorgung für Patienten auf dem Land stärken

Mit dem Projekt „Expertenwissen für Menschen mit MS im ländlichen Raum“ startet ein Pilotprojekt zur telemedizinischen Versorgung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Ziel ist es, Patientinnen und Patienten in ländlichen und medizinisch unterversorgten Regionen einen besseren Zugang zu spezialisiertem medizinischen Fachwissen zu ermöglichen.

Menschen mit Multipler Sklerose stehen insbesondere außerhalb größerer Städte häufig vor großen Herausforderungen: Lange Wege zu spezialisierten Zentren, begrenzte neurologische Versorgungsangebote und ein hoher organisatorischer Aufwand erschweren eine kontinuierliche Betreuung. Das neue Projekt am Universitätsklinikum Dresden setzt genau hier an und bringt neurologisches Expertenwissen auf kurzen Wegen direkt zu den Betroffenen. Im Mittelpunkt steht die telemedizinische Betreuung durch Ärzte des Multiple-Sklerose-Zentrums Dresden. Bereits zum Projektstart konnten erste Patientinnen und Patienten erfolgreich in das Angebot aufgenommen und digital beraten werden. 

Neue technologische Möglichkeiten im Bereich der Telemedizin [...] sind keine Barriere, sondern ein weiterer Schritt dahin, Patientinnen und Patienten intelligent zu versorgen und die aktive Einbindung auch im ländlichen Raum zu stärken

Tjalf Ziemssen

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung hybrider Versorgungskonzepte. Auf dieser Grundlage entsteht ein modernes Betreuungsmodell, das eine kontinuierlichere, individuellere und frühzeitigere Versorgung von Menschen mit MS ermöglicht. „Vorgesehen sind drei Online-Beratungen innerhalb eines Jahres, verbunden mit einer strukturierten Begleitung und einer abschließenden Evaluation. Ziel ist es, digitale Versorgung auch in der Fläche praktisch erlebbar zu machen und zu zeigen, dass Spezialzentren gerade auch Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum erreichen und unterstützen können, die aktuell oft nicht ausreichend versorgt werden“, sagt Prof. Tjalf Ziemssen, Leiter Zentrum für klinische Neurowissenschaften & Multiple Sklerose Zentrum Dresden. Die Beratung im Hinblick auf Krankheitsverlauf, Behandlungsoptionen und zum Umgang mit Symptomen ersetzt keine fachärztliche Untersuchung, hilft aber den Betroffenen, die eigene Situation einzuordnen und mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung zu gewinnen. 

Für den Erfolg solcher Projekte sind starke Partnerschaften entscheidend. Beim Aufbau wichtiger Strukturen mit Hausärztinnen und Hausärzten wurde die Carus Consilium Sachsen GmbH eingebunden. Darüber hinaus unterstützen das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf sowie die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Sachsen e. V. das Vorhaben. Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung spielt die Gemeinnützige Hertie-Stiftung. Diese unterstützt das auf zwei Jahre angelegte Projekt finanziell im Rahmen der Initiative „mitMiSsion“. Bei einem gemeinsamen Projektgespräch betont Dr. Eva Koch, Leiterin des Bereichs Multiple-Sklerose-Projekte der Stiftung: „Wir möchten, dass unsere finanzielle Unterstützung am Ende einen echten Mehrwert schafft und direkt bei den Patientinnen und Patienten ankommt. Hier werden wissenschaftliches und digitales Know-how sinnvoll miteinander verbunden – mit dem Potenzial, dieses Modell künftig auch auf andere Krankheitsbilder zu übertragen.“ 

Gerade für chronisch erkrankte Menschen ist es entscheidend, medizinische Expertise frühzeitig und kontinuierlich verfügbar zu machen. Moderne telemedizinische Ansätze eröffnen neue Möglichkeiten, die Versorgung patientenzentriert und wohnortnah zu gestalten. „Digital, aber mit Herz: Neue technologische Möglichkeiten im Bereich der Telemedizin bedeuten nicht automatisch weniger Patientenbindung. Sie sind keine Barriere, sondern ein weiterer Schritt dahin, Patientinnen und Patienten intelligent zu versorgen und die aktive Einbindung auch im ländlichen Raum zu stärken“, ergänzt Prof. Tjalf Ziemssen. Kontinuierliche digitale Kommunikation und eine strukturierte Betreuung fördern zudem das Krankheitsverständnis, die Therapietreue und die Teilhabe am Alltag. 


Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden 

02.06.2026

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