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News • Digitales Behandlungskonzept PRO-B
Metastasierter Brustkrebs: Enge Betreuung trotz Distanz
Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs regelmäßig per App nach ihrem Befinden zu fragen – und darauf umgehend zu reagieren –, kann deren belastende Erschöpfung lindern und ihren Alltag erleichtern.
Das belegen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Deutschen Krebsgesellschaft in einer Studie, die im Fachmagazin JAMA Oncology erschienen ist. Sie ist das Ergebnis des Innovationsfonds-Projekts PRO B, das zusammen mit den Krankenkassen Barmer, DAK-Gesundheit und MKK – Meine Krankenkasse umgesetzt wurde. Aufgrund der positiven Ergebnisse empfiehlt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das neue Behandlungskonzept in die Regelversorgung zu überführen.
Das sind Effekte, die sich merklich auf den Alltag der Patientinnen auswirken, die Frauen sind leistungsfähiger und können ihr Leben besser bewältigen
Maria Karsten
Rund 68.000 Frauen in Deutschland leben mit Brustkrebs, der Metastasen gebildet hat – der Tumor hat also in andere Organe gestreut. In diesem Stadium ist der Krebs nicht mehr heilbar, mithilfe moderner Therapien lässt sich die Erkrankung aber vorübergehend kontrollieren und die Lebenserwartung um mehrere Jahre verlängern. Manche Frauen sind sogar in der Lage, weiterhin berufstätig zu sein. Die heutigen therapeutischen Möglichkeiten bringen allerdings auch Herausforderungen mit sich.
„Die neuen Medikamente müssen oft nicht mehr in der Klinik verabreicht, sondern können zu Hause eingenommen werden“, sagt Prof. Maria Karsten, leitende Oberärztin am Brustzentrum der Charité und Initiatorin des Projekts PRO B. „Deshalb sehen wir die Patientinnen seltener in der Klinik, unser medizinischer Blick ist zum Teil lückenhaft geworden. Um diese Lücke zu schließen und die Patientinnen trotz der Distanz engmaschig begleiten zu können, haben wir das digitale Behandlungskonzept PRO B entwickelt.“

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Kern des PRO-B-Ansatzes ist eine App, die den Frauen einmal pro Woche strukturiert bis zu 52 Fragen zu ihren Symptomen, ihrem Alltag und ihrer emotionalen Verfassung stellt. Dazu zählen zum Beispiel „Hatten Sie Schmerzen?“, „Waren Sie selbst für Ihre gewohnten Tätigkeiten zu müde?“ oder „Waren Sie kurzatmig?“. Die Antworten werden anschließend von einem Algorithmus ausgewertet, der relevante Veränderungen umgehend an das Behandlungsteam meldet. Das benachrichtigte Team ruft die Patientinnen innerhalb von 48 Stunden an und klärt, ob und, falls ja, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.
„Wir besprechen in diesen Telefonaten beispielsweise, ob die Medikamente gegen Übelkeit in ihrer Dosis angepasst werden sollten oder geben praktische Tipps zum Umgang mit den verschiedenen Symptomen“, erklärt Maria Karsten. „Wir erkennen aber auch ernsthafte Nebenwirkungen schneller, die sich durch ein vermeintlich harmloses Symptom wie Müdigkeit andeuten, und können die Patientin sofort in die Klinik bestellen.“

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Dass diese Kombination aus enger digitaler und anlassbezogener persönlicher Betreuung den Alltag der Betroffenen verbessert, konnte das Forschungsteam jetzt anhand einer deutschlandweiten Studie belegen. Beteiligt waren 52 Brustkrebszentren, die Behandlungsteams begleiteten 909 Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs im Alter von 19 bis 81 Jahren über ein Jahr hinweg. Rund die Hälfte der Frauen wurde neben der medikamentösen Tumortherapie mit dem PRO-B-Konzept betreut. Die andere Hälfte bekam statt der vollen PRO-B-Betreuung nur einmal alle drei Monate Fragen zu ihrem Befinden gestellt und wurde nicht vom Behandlungsteam kontaktiert.
Das Ergebnis: Die Patientinnen in der PRO-B-Gruppe berichteten über signifikant weniger Fatigue. Damit bezeichnet wird ein physischer, emotionaler oder mentaler Erschöpfungszustand, der den Alltag stark einschränken kann. Außerdem schätzten sie ihre körperliche Funktionsfähigkeit besser ein und mussten seltener im Krankenhaus behandelt werden.
„Das sind Effekte, die sich merklich auf den Alltag der Patientinnen auswirken, die Frauen sind leistungsfähiger und können ihr Leben besser bewältigen“, betont Maria Karsten, die die Studie geleitet hat. „Wir haben sogar Hinweise, dass das PRO-B-Konzept bei manchen Patientinnen die noch verbleibende Lebenszeit verlängert. All das erreichen wir nicht durch ein neues Medikament, sondern allein dadurch, dass wir das Befinden der Frauen regelmäßig und strukturiert abfragen und darauf eingehen.“ Das Fazit der Patientinnen in der PRO-B-Studiengruppe ist eindeutig: In einer Befragung nach Abschluss der Studie äußerten mehr als 90% von ihnen den Wunsch, dass das neue Behandlungskonzept Teil der Routineversorgung wird.
Auf Basis der medizinischen Ergebnisse sowie einer gesundheitsökonomischen Analyse hat der G-BA das PRO-B-Behandlungskonzept im Juni zur Überführung in die Regelversorgung empfohlen. Die neue Versorgungsform soll also künftig bei entsprechender Diagnose von allen gesetzlich Versicherten in Anspruch genommen werden können. „Diese Empfehlung muss nun schnellstmöglich umgesetzt werden“, betont PD Dr. Christoph Kowalski, Abteilungsleiter bei der Deutschen Krebsgesellschaft und Co-Autor der Studie. „Wenn ein neues Versorgungskonzept medizinisch und ökonomisch Vorteile bringt, sollten wir es den schwerstkranken Frauen nicht vorenthalten.“
Um die PRO-B-Versorgung ihren Versicherten bereits vor Aufnahme in die Regelversorgung anbieten zu können, planen am Projekt beteiligte Krankenkassen eine Weiterentwicklung, die betroffenen Frauen den routinemäßigen Einsatz des PRO-B-Konzepts voraussichtlich ab Herbst ermöglicht. Die neue Versorgungsform wird künftig unter dem Namen „ida“ von Maria Karsten und ihrem Team fortgeführt.
Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin
07.08.2026



