Molekular

Mehr als die Summe ihrer Teile: Gegenwart und Zukunft der PET/MR

Wenn es um die Zukunft der Bildgebung geht, dann stellt die Fusion verschiedener Modalitäten aktuell den größten Trend dar. Denn eines ist klar: Die Kombination aus morphologischer, funktioneller und molekularer Bildgebung ergibt mehr als die Summe ihrer Einzelteile und hat somit enormes diagnostisches Potenzial. Während die PET/CT bereits weite klinische Verbreitung findet, insbesondere in der Diagnostik onkologischer, entzündlicher und neurodegenerativer Erkrankungen, steht die PET/MR noch an der Schwelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Prof. Dr. Ambros Beer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Ulm, gibt eine Übersicht, wo die PET/MR gerade steht und wo sie sich hinentwickeln könnte.

Darstellung des Gehirns nach
erfolgreicher Tumorbehandlung.
Darstellung des Gehirns nach erfolgreicher Tumorbehandlung.
Quelle: www.siemens.com/presse

„Eine kombinierte PET/MR-Technologie bietet nicht nur aus logistischer Hinsicht Vorteile, weil man dadurch zwei verschiedene Bildgebungen in einem Untersuchungsgang durchführen kann, sondern ermöglicht eine sehr viel bessere Überlagerung der Bilder in atemverschieblichen Organen im Brust- und Bauchbereich im Vergleich zu Bildern, die an getrennten Geräten generiert und später fusioniert werden“, sagt der Nuklearmediziner, „dadurch können zum Beispiel die Läsionen anatomisch besser zugeordnet und gegebenenfalls differentialdiagnostisch besser eingeordnet werden. Dabei ist die MRT durch ihren hohen Weichteilkontrast in Körperregionen wie zum Beispiel dem Becken oder dem Gehirn der CT überlegen.“

Hauptindikationen, bei denen die PET/MR bereits heute auf dem Gebiet der klinischen Onkologie Einzug gehalten hat, umfassen die Diagnostik von Prostatakarzinomen, HNO- und Hirntumoren sowie in der Kinderradiologie. „Gerade bei jungen Patienten versucht man, wann immer es möglich ist, auf die Strahlenexposition der Computertomographie zu verzichten“, betont Dr. Beer, „in der Kinderonkologie ist es häufig so, dass Kinder eine Ganzkörper-MRT und eine PET-Untersuchung bekommen. Insofern ist es gerade im pädiatrischen Bereich erfreulich, dass die Verfahren jetzt in einem Gerät zur Verfügung stehen. Auch in Bezug auf die ganz Kleinen, bei denen man dadurch gegebenenfalls nur noch eine statt zwei Narkosesitzungen benötigt.“

Für die Zukunft erhofft man sich mit der simultanen Bildgebung aus PET und MRT jedoch noch viel weiter zu gehen. Denn die MRT ist zu sehr viel mehr in der Lage als zur rein anatomischen Bildakquise. Mithilfe von erweiterten MR-Techniken wie Perfusionsbildgebung, DWI oder Spektroskopie können funktionelle Messungen vorgenommen werden, die Aufschluss über physiologische Abläufe im Gewebe geben. Zurzeit wird deshalb auf Forschungsebene daran gearbeitet, die Signale aus PET und MRT miteinander zu kombinieren, um noch tiefere Einblicke in die Tumorbiologie zu erhalten. „Das wäre dann wirklich Bildgebung als neuer Biomarker“, erklärt Dr. Beer, „das heißt, man könnte unter Umständen besser abschätzen, wie aggressiv ein Tumor ist oder die Information zur Biopsieplanung verwenden. Für die histologische Erstabklärung stellt es häufig ein Problem dar, wenn Tumoren sehr heterogen sind. Dann kann es vorkommen, dass man eine Gewebeprobe entnimmt, die nicht repräsentativ ist, weil der aktivste Tumoranteil gar nicht erfasst wurde. Die neuartige Methode könnte also im Rahmen der Biopsieplanung helfen, die Probe aus dem aktivsten Herd zu entnehmen. Sie könnte aber auch zur frühen Beurteilung des Tumoransprechens auf die Therapie oder zur Therapieplanung eingesetzt werden.“

Entscheidender Faktor bei der Frage, ob sich die PET/MR-Hybridtechnologie auf breiter Basis durchsetzen kann oder nicht, sind jedoch die Kosten. Bislang stehen die neuartigen Kombinationstomographen fast ausschließlich in Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen zur Verfügung. Beer dazu: „Ich denke, der große Durchbruch wird kommen, wenn die Forschungsergebnisse den eindeutigen Beweis erbracht haben, dass die Technik einen wirklichen klinischen Mehrwert hat, und gleichzeitig die Gerätepreise sinken.“ Aktuell kommt jedoch Bewegung in den Markt, denn nachdem der Biograph mMR von Siemens lange Zeit der einzige PET/MR-Scanner am Platz gewesen ist, belebt die Einführung des SIGNA PET/MR von GE seit Anfang des Jahres das Geschäft um die Hightech-Geräte neu.


PROFIL:
Der vielfach ausgezeichnete Nuklearmediziner und Radiologe Prof. Dr. Ambros Beer ist seit Februar 2014 Ärztlicher Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Ulm, wo er sich intensiv mit der Forschung und Weiterentwicklung moderner molekularer Bildgebung und Therapieverfahren beschäftigt. Zuvor hat der 42-Jährige an der Technischen Universität München in der Klinik für Nuklearmedizin (Direktor Prof. Dr. Markus Schwaiger) mit dem ersten simultanen Ganzkörper-PET/MR-System gearbeitet, das 2010 installiert und im Rahmen einer Großgeräteinitiative der DFG finanziert wurde. Er habilitierte an der Medizinischen Fakultät der TU München für das Fach Nuklearmedizin mit dem Thema „Moderne Techniken der Bildgebung zur morphologischen und biologischen Charakterisierung von Malignomen“.

Veranstaltungshinweis:
Raum: Karajan-Saal
Freitag, 2. Oktober 2015, 11:30–11:50 Uhr
PET/MR
A. Beer, Ulm/Deutschland
FFF 2 – Innovative Techniken in der Onkologie

01.10.2015

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