Hybridbildgebung

PET/MRT: Der große Durchbruch bleibt bislang aus

Die Hybridbildgebung ist nach wie vor einer der heißesten Themen auf dem Gebiet der Radiologie. Auf dem 29. European Congress of Radiology (ECR 2017) in Wien standen nicht weniger als 14 Sessions im Zeichen der Kombination radiologischer und nuklearmedizinischer bildgebender Verfahren, die die gemeinsame Abbildung von Morphologie und Funktion, von Struktur und Stoffwechsel eines Körperteils oder Organs möglich macht.

Bericht: Michael Krassnitzer

Die Bedeutung von Hybridbildgebung wie PET/MRT in der Onkologie wächst stetig...
Die Bedeutung von Hybridbildgebung wie PET/MRT in der Onkologie wächst stetig an. Der erwartete Durchbruch der Technologien ist jedoch bisher nicht erfolgt.
Quelle: Peggy Rudolph, Medienzentrum, Universitätsklinikum Heidelberg

Im Fokus steht aktuell die Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie und Magnetresonanztomographie (PET/MRT), in die viele Radiologen große Hoffnungen setzen. „PET/MRT steht eine große Zukunft bevor“, ist zum Beispiel Prof. Dr. Katrine Åhlström Riklund, stellvertretende Leiterin der Abteilung für Strahlenforschung, Chefärztin der Nuklearmedizinischen Abteilung und Direktorin der Medizinischen Schule an der Umeå-Universität in Schweden, überzeugt. Sie verweist auf eine aktuelle Studie an 2.300 Patienten, die gezeigt hat, dass PET/MRT und PET/CT in der onkologischen Bildgebung zu gleich guten Ergebnissen führen (Spick C et al., J Nucl Med. 2016). 18F-FDG PET/CT ist mittlerweile auf diesem Gebiet der Goldstandard, an dem alle anderen bildgebenden Verfahren gemessen werden.

„Hybrid Imaging in Oncology“ lautete der Titel einer Session, auf der eine Reihe von kleineren Studien zu diesem Thema präsentiert wurden. Gemeinsam ist allen, dass sie PET/MRT zwar Gleichwertigkeit oder leichte Vorteile gegenüber anderen Verfahren attestieren – aber nicht den großen Durchbruch bedeuten, der PET/MRT seit einigen Jahren prophezeit wird. Gleich die erste vorgestellte Studie zeitigt ein enttäuschendes Ergebnis: Für das präoperative Staging bei der chirurgischen Therapie des Cervixkarzinoms bringt die Hybridbildgebung nichts. „Bei der Feststellung des Peritoneal Cancer Index (PCI) bietet PET/MRT keine Vorteile gegenüber alleiniger MRT“, resümiert Dr. Montserrat Alemany Ripoll, Chefärztin an der Abteilung für Radiologie der Universitätsklinik Uppsala (Schweden). Eine deutsche Studie hingegen sieht in Bezug auf das präoperative Staging beim Cervixkarzinom Vorteile von PET/MRT gegenüber reiner MRT. "Die Ergebnisse zeigen den Nutzen der 18F-FDG PET-Daten als wertvolle Ergänzung zur reinen MRT für eine genauere Beurteilung der Knoten- oder Metastasenstreuung bei Patienten mit primärem Gebärmutterhalskrebs, fasst Dr. Johannes Grüneisen, Assistenzarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Essen, zusammen.

Am selben Institut wurde die diagnostische Performance von PET/MRT und reiner MRT beim Wiederauftreten von Weichteilsarkomen miteinander verglichen. Auch hier schnitt das Hybridverfahren gut ab: „18F-FDG PET/MRI bietet verglichen mit Routine-MRT-Folgeuntersuchungen eine höhere Detektionsgenauigkeit”, stellt der Essener Assistenzarzt Dr. Youssef Erfanian klar. Eine türkische Studie hat PET/MR und (nicht kontrastverstärkte) alleinige PET bei der Beurteilung von gastrointestinalen Tumoren verglichen und kam zu dem Schluss, dass PET/MR bei der Entdeckung von Läsionen und Metastasen effektiver ist. „Wir konnten signifikant mehr Läsionen mit dem Hybridverfahren aufspüren“, betont Dr. Filiz Çelebi von der Abteilung für Radiologie der Bilim-Universität in Istanbul.

Selbst wenn eine Studie keinen Vorteil von PET/MR zeigt, lässt sich das noch immer positiv formulieren. In einer weiteren deutschen Studie etwa wurde PET/MRT mit PET/CT beim Staging von neuroendokrinen Tumoren verglichen. „68Ga-DOTATOC PET/MRI eignet sich in der Diagnostik ebenso gut beim Ganzkörper-Staging für Patienten mit neuroendokrinen Tumoren wie PET/CT”, sagt Dr. Lino Sawicki, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf.

26.05.2017

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