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Digitale Lösungen für Rheumapatienten

Interesse groß, Möglichkeiten ausbaufähig

Die Covid-19-Pandemie erwies sich als Katalysator für Gesundheits-Apps, Wearables und Videosprechstunden. Patienten mieden den Besuch beim Arzt aus Angst, sich mit dem Virus anstecken zu können, und nutzten vermehrt digitale Lösungen. Über die Vor- und Nachteile dieser technischen Errungenschaften für Menschen mit Rheuma diskutierten Experten im Rahmen des Deutschen Rheumatologiekongresses 2021 im September.

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Dr. Martin Krusche

Insbesondere die Videosprechstunde (VSS) stieß bei Rheumapatienten auf großes Interesse. Jedoch halten die behandelnden Ärzte diese Form der Betreuung nicht bei allen Rheumapatienten für sinnvoll, wie eine aktuelle Studie zeigt. „Nicht alle Menschen mit Rheuma können per Videosprechstunde adäquat begleitet werden“, erklärt Dr. Martin Krusche, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Junge Rheumatologie (AGJR) – rheumadocs und Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Es wurden vermehrt Patienten mit besonders schlechtem Gesundheitszustand durch die Ärzte ausgeschlossen. Und nicht alle sind technisch in der Lage dazu, eine VSS durchzuführen. Wenn aber die Rahmenbedingungen stimmen, kann das eine große Entlastung für den Patienten bedeuten.“

Noch keine Rheuma-App auf dem Markt

Groß ist unter Rheumapatienten auch der Wunsch nach digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und elektronischen Monitoring-Technologien (Wearables), und zwar sowohl für das Krankheitsmonitoring als auch für die Therapie. Zwar gibt es inzwischen bereits rund 20 zugelassene DiGAs, jedoch ist noch keine erstattungsfähige rheumaspezifische App auf dem Markt. Dafür gibt es aber Anwendungen, die typische Begleiterkrankungen von Rheuma wie Depressionen oder Diabetes mellitus adressieren. Krusche: „Da das Management dieser Komorbiditäten im Rahmen von rheumatologischen Erkrankungen ebenfalls von besonderer Bedeutung ist, sind diese DiGAs auch für die Rheumatologie von Interesse.“

portrait of georg schett
Professor Dr. Georg Schett

Wearables werden künftig für die Überwachung des individuellen Krankheitsverlaufs eine größere Rolle spielen. Studiendaten belegen, dass bei Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Spondyloarthritis, die mittels Smartwatch ihre Symptome überwachen und an den behandelnden Arzt weitergeben, mit sehr hoher Genauigkeit das Vorliegen eines Krankheitsschubes erkennbar ist. „Digitale Anwendungen können und werden die Behandlung von Menschen mit Rheuma in Zukunft zunehmend sinnvoll ergänzen“, ist sich Professor Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3, Rheumatologie und Immunologie, am Universitätsklinikum Erlangen sicher. „Dennoch sind Ärzte und Patienten auf einen intensiven und auch persönlichen Austausch angewiesen, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.“ 

Krusche ist davon überzeugt, dass digitale Konzepte das Potenzial haben, die rheumatologische Versorgung komplementär zu unterstützen. Aber: „Bisher fehlen noch Studiendaten, um die entsprechenden Versorgungseffekte in der Rheumatologie genauer zu bestimmen.“ (SB)

10.09.2021

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