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News • Versorgung über Ländergrenzen hinaus
Innere Medizin aus der Europa-Perspektive neu denken
Internistenkongress in Wiesbaden setzt internationale Akzente
Das deutsche Gesundheitssystem sieht sich mit grundlegenden strukturellen Herausforderungen konfrontiert: Fachkräftemangel, demografischer Wandel, zunehmende Multimorbidität und kostenintensive Innovationen verändern die Anforderungen an die internistische Versorgung grundlegend. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) rückt deshalb die europäische Zusammenarbeit stärker in den Fokus. Denn der notwendige Wandel betrifft nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa. Der 132. Internistenkongress, der vom 18. bis 21. April in Wiesbaden stattfindet, greift diese Entwicklungen auf. Unter dem Motto „Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin – die Zukunft gestalten” diskutieren Expertinnen und Experten darüber, wie Weiterbildung und Versorgungsstrukturen im europäischen Kontext weiterentwickelt werden können. Die Eröffnungs-Pressekonferenz steht unter dem Titel „Die Zukunft der Medizin ist grenzenlos“.
Der Blick über die eigenen Grenzen zeigt, wie zukunftsorientierte Weiterbildung zu erreichen ist
Irmengard Meyer
Ein Blick in die Statistik der Bundesärztekammer zeigt, wie international die Ärzteschaft in Deutschland schon heute aufgestellt ist: Mehr als 15% der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit, die meisten von ihnen kommen aus anderen europäischen Ländern, Syrien und der Türkei. Gleichzeitig wird in den kommenden Jahren ein erheblicher Teil der heutigen Ärzteschaft altersbedingt ausscheiden. „Um die medizinische Versorgung zu sichern, sind wir nicht nur in der Pflege, sondern auch in der Ärzteschaft zunehmend auf internationale Mobilität angewiesen, wobei eine hochwertige und vergleichbare Weiterbildung sichergestellt werden muss“, sagt Dr. Irmengard Meyer, Sprecherin der „Jungen DGIM“.
Viele junge Ärztinnen und Ärzte sammeln als Teil ihrer Weiterbildung praktische Erfahrungen in anderen Ländern und treffen dabei auf Strukturen, die sich von denen des deutschen Gesundheitswesens unterscheiden. „Der Blick über die eigenen Grenzen zeigt, wie zukunftsorientierte Weiterbildung zu erreichen ist“, sagt Meyer. In Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden sind strukturierte Rotationen zwischen Krankenhäusern unterschiedlicher Versorgungsstufen – etwa zwischen Häusern der Grundversorgung und Maximalversorgern – verbindlich geregelt und national einheitlich organisiert. Während sich Weiterbildungsinhalte in Deutschland bedingt durch den Föderalismus von Landesärztekammer zu Landesärztekammer unterscheiden können, gebe es in jenen Ländern national vergleichbare Vorgaben, berichtet Meyer aus dem Austausch mit Partnerorganisationen in diesen Ländern. Hier könne sich Deutschland einiges abschauen.
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Hormone, Stoffwechsel, Herz: Männer und Frauen sind biologisch verschieden. Doch in Diagnostik und Therapie spielt das kaum eine Rolle – noch nicht. Auf der Jahrespressekonferenz der DGIM machten Experten deutlich, was sich ändern muss.
Gleichzeitig plädiert Irmengard Meyer dafür, die Inhalte und Abläufe der ärztlichen Weiterbildung in Europa weit stärker aufeinander abzustimmen. „Wenn Ärztinnen und Ärzte von Land zu Land wechseln, brauchen wir Weiterbildungsstrukturen, die vergleichbar sind“, sagt die „Junge DGIM“-Sprecherin.
Die Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin, die wir derzeit durch neue Therapien, digitale Werkzeuge und veränderte Versorgungsbedarfe erleben, sollten wir nicht im nationalen Alleingang durchdenken, sondern auch offen für erfolgreiche Konzepte anderer Länder sein
Dagmar Führer-Sakel
Wie sich die Versorgung der Patientinnen und Patienten durch internationale Kooperationen verbessern lässt, zeigen europäische Leitlinienprojekte und länderübergreifende Netzwerke, etwa im Bereich seltener Erkrankungen. Auch in der Weiterbildung seien solche Austausche gewinnbringend, so Meyer. „Ärztinnen und Ärzte mit internationalen Erfahrungen bringen übergreifende Kompetenz, neue Perspektiven und ergänzende Behandlungsansätze mit.“ Eine Vernetzung vom Studienbeginn bis zur Facharztausbildung könne langfristig zu mehr beruflicher Zufriedenheit und zu einer besseren Versorgung führen. Um diesen Austausch anzuregen, setzt die „Junge DGIM“ verstärkt auf Vernetzung – zum einen durch eine enge Zusammenarbeit mit den Young Internists der European Federation of Internal Medicine (EFIM), zum anderen auch mit der Förderung internationaler Austauschprogramme.
„Die Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin, die wir derzeit durch neue Therapien, digitale Werkzeuge und veränderte Versorgungsbedarfe erleben, sollten wir nicht im nationalen Alleingang durchdenken, sondern auch offen für erfolgreiche Konzepte anderer Länder sein“, sagt auch Professorin Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende der DGIM 2025/2026 und Präsidentin des 132. Internistenkongresses.
Daher stärkt der Kongress durch Beteiligung der EFIM, der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaften für Innere Medizin sowie erstmals des Royal College of Physicians aus Großbritannien in diesem Jahr bewusst den europäischen Dialog: „Indem wir unseren Blickwinkel erweitern und auch über die uns bekannten nationalen Strukturen hinausdenken, erhalten wir wichtige neue Impulse für eine nachhaltige Neuausrichtung unseres Gesundheitswesens“, so Führer-Sakel. Unter anderem gelte es, die Prävention als zentralen Bestandteil eines modernen Gesundheitssystems zu verankern und den Erhalt von Gesundheit grundsätzlich stärker in den Fokus zu nehmen. „Hier sind uns manche europäische Länder voraus.“
Als weitere Beispiele nennt die Kongresspräsidentin Datasharing, Interprofessionalität, klinische Studien und die Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen. „Die neuen Paradigmen und Chancen, die sich durch Digitalisierung, innovative Diagnostik- und Therapieverfahren sowie durch strukturelle Weiterentwicklungen ergeben, müssen wir immer verantwortungsvoll in Ausrichtung und Ressourcen zum Nutzen der Bevölkerung einsetzen. Dabei können uns europäische Modelle und auch eine Stärkung der Zusammenarbeit helfen“, so Führer-Sakel.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin
05.03.2026



