Viele von Epilepsie Betroffene beschreiben die Anfälle wie "Gewitter im Gehirn", wie in dieser Illustration verdeutlicht.
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Gewitter im Gehirn: Chirurgie bietet Chance auf Heilung

Epilepsie ist eine der vier häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Therapie der Epilepsien hat in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Ein chirurgischer Eingriff kann sogar zur Heilung führen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die am Kepler Uniklinikum mögliche SPECT-Untersuchung.

Weltweit leiden fast 50 Millionen Menschen an Epilepsie. „Die chronische neurologische Erkrankung ist durch Anfälle, infolge gestörter intrazerebraler Entladung von Neuronengruppen im Gehirn gekennzeichnet“, erklärt Primarius Priv.-Doz. Dr. Tim J. von Oertzen, Vorstand der Klinik für Neurologie 1 am Kepler Uniklinikum. In den Industrieländern hat die Epilepsie zwei Erkrankungsgipfel, bei unter 20-Jährigen und bei über 60-Jährigen. In Schwellenländern hingegen, ist aufgrund von infektiösen und parasitären Ursachen die Häufigkeit erhöht und betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. Epileptikerinnen und Epileptiker leiden nicht nur an den unterschiedlich häufig auftretenden Anfällen, die sich mit heftigen Gewittern im Gehirn vergleichen lassen, sondern können auch von Begleiterscheinungen wie Nebenwirkungen der Medikamente, Depression oder durch eine Intelligenzminderung in ihrer Lebensqualität eingeschränkt werden. Es kann auch zu Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Sprachstörungen kommen. Ausgelöst von außergewöhnlichen Bedingungen wie hohem Fieber bei kleinen Kindern (Fieberkrampf) oder im Rahmen einer schweren Entgleisung des Wasser-Elektrolythaushaltes können epileptische Anfälle auch bei gesunden Menschen auftreten. Etwa jeder 10. Mensch erleidet einmal in seinem Leben einen solchen Gelegenheitsanfall. Von einer Epilepsie spricht man, wenn wiederholt Anfälle unprovoziert auftreten.

Neue medikamentöse Behandlungsformen

Neben den „alten“ Medikamenten wie Phenytoin, Carbamazepin und Valproat gibt es seit 1990 die „neue Generation“ der Antiepileptika, wobei es sich bei einigen um sogenannte Breitbandpräparate handelt. Sie können sowohl bei fokalen als auch generalisierten Epilepsie-Formen eingesetzt werden, haben deutlich weniger Nebenwirkungen und weisen zum Teil eine bessere Wirkung auf. Die antiepileptische Therapie führt bei sieben von zehn Patientinnen und Patienten zur Anfallsfreiheit. „Diese Medikamente sind ein massiver Fortschritt, allerdings führen sie zu keiner Heilung. Eine Heilung kann bisher nur mit Epilepsiechirurgie erreicht werden“, erklärt Prim. Priv. Doz. Dr. Tim J. von Oertzen.

Heilung durch chirurgischen Eingriff

Reicht eine medikamentöse Therapie allein nicht aus oder beeinträchtigen die eingenommenen Arzneimittel stark die Lebensqualität der Patientin bzw. des Patienten, ist in einigen Fällen eine Operation (Epilepsiechirurgie) sinnvoll. Eine ausführliche Abklärung der Möglichkeiten und intensive Beratung erfolgt in der Klinik für Neurologie 1 des Kepler Universitätsklinikums am Standort Neuromed Campus. Dabei werden neben der genauen Erhebung der Krankengeschichte auf der Epilepsie-Monitoring-Unit Anfälle aufgezeichnet, spezielle MRT-Untersuchungen und eine neuropsychologische Testung als Basisuntersuchungen durchgeführt.

Bedingungen für die Epilepsie-Chirurgie

Eine Epilepsie-Chirurgie ist nur bei einem kleinen Teil der Patientinnen und Patienten möglich, bei denen eine Pharmakoresistenz vorliegt

Andreas Gruber

Grundsätzlich sollte eine epilepsiechirurgische Therapie erwogen werden, wenn bei einer Patientin bzw. einem Patienten eine sogenannte Pharmakoresistenz vorliegt. Dies ist der Fall, wenn sich die epileptischen Anfälle nicht durch mindestens zwei geeignete, ausreichend hoch und lange dosierte Arzneimittel nacheinander oder in Kombinationstherapie kontrollieren lassen. „Eine Epilepsie-Chirurgie ist nur bei einem kleinen Teil der Patientinnen und Patienten möglich, bei denen eine Pharmakoresistenz vorliegt. Die Anfälle müssen hierfür von einem möglichst kleinen Bereich des Gehirns ausgehen, der genau definiert und entfernt werden kann, ohne dabei wichtige Funktionen zu beeinträchtigen“, meint Univ.-Prof. Dr. Andreas Gruber von der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Kepler Uniklinikum. Bei multifokalen Epilepsien, die von mehreren Orten im Gehirn ausgehen und bei generalisierten Anfällen ohne nachweisbaren herdförmigen und somit eingrenzbaren Beginn ist eine solche Resektion in den meisten Fällen nicht möglich. Wird durch eine Operation die Epilepsie geheilt, kann eine frühe Entscheidung für eine Operation den Verlauf des Lebens einer Epilepsie-Patientin bzw. eines Epilepsie-Patienten fundamental verbessern. Insbesondere Kinder können sich nach einer erfolgreichen Operation deutlich besser entwickeln.

Single-Photon-Emissions-Computertomographie (SPECT)

Mit der Single-Photon-Emissions-Computertomographie (SPECT) können regionale Veränderungen der Durchblutung des Gehirns zwischen (interiktal) zwei und während (iktal) eines epileptischen Anfalls dargestellt werden. Diese Durchblutungs-SPECT-Untersuchung wird am Kepler Uniklinikum vorwiegend zur Epilepsie-Diagnostik bei Patientinnen und Patienten vor einer Operation durchgeführt. Dazu Primarius Priv.-Doz. DDr. Robert Pichler von der Nuklearmedizin am Standort Neuromed Campus: „Bei Patientinnen und Patienten mit fehlendem Nachweis einer Veränderung der Hirnstruktur im MRT oder fehlenden Anfallsmustern im EEG kann eine SPECT Untersuchung wertvolle Hinweise auf die epilepsieauslösende Hirnregion liefern.“

Ablauf der SPECT-Untersuchung

illustration of lightning inside the head to show the concept of an epileptic event
Quelle: Pixabay/geralt

Die SPECT-Untersuchung arbeitet wie auch die PET mit radioaktivem Material und stellt somit eine geringe Strahlenbelastung für den Körper dar. „Die Strahlenbelastung einer SPECT-Untersuchung ist in etwa so hoch, wie die einer Computertomographie“, meint der Experte Primarius Priv.-Doz. DDr. Pichler. Bei der interiktalen SPECT ruht die Patientin bzw. der Patient zunächst etwa 15 Minuten entspannt in einem leicht abgedunkelten Raum. Dann werden wenige Milliliter der markierten Substanz in eine Armvene injiziert. Danach ruht die Patientin bzw. der Patient weitere 10 Minuten. Etwa 20 Minuten nach der Injektion wird die Verteilung der Substanz im Gehirn mit Hilfe einer Kamera aufgenommen. Die Aufnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa 45 Minuten. Dabei drehen sich die Köpfe der Kamera langsam um den Kopf der Patientin bzw. des Patienten. Bei der iktalen Perfusions-Szintigraphie muss die Injektion innerhalb der ersten Sekunden des Anfalls erfolgen. Diese Untersuchung kann daher nur bei stationärer Überwachung der Patientin bzw. des Patienten in speziellen Einrichtungen mit Video-EEG-Monitoring erfolgen.


Quelle: Kepler Universitätsklinikum

15.08.2017

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