Kontrastmittel

Gadolinium: Kein klinisches Korrelat der Ablagerungen nachgewiesen

Für die bildgebende Diagnostik ist der Einsatz Gadolinium-haltiger Kontrastmittel noch immer unerlässlich, trotz anhaltender Diskussionen und Sicherheitsbedenken über die im Körper verbleibenden Gadoliniumreste. Professor Dr. Tobias Bäuerle vom Radiologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen hat untersucht, ob nach Applikation makrozyklischer Kontrastmittel Hinweise für die Gadoliniumretention im Gehirn zu finden sind und welche Bedeutung diese Ergebnisse haben. Im Gespräch berichtet er über die Gefahren Gadolinium-haltiger Kontrastmittel und die Alternativen.Universitätsklinikum Erlangen hat untersucht, ob nach Applikation makrozyklischer Kontrastmittel Hinweise für die Gadoliniumretention im Gehirn zu finden sind und welche Bedeutung diese Ergebnisse haben. Im Gespräch berichtet er über die Gefahren Gadolinium-haltiger Kontrastmittel und die Alternativen.

MRT vom Gehirn
Auf der Abbildung ist ein MRT eines Gehirns nach mehreren Gaben von makrozyklischen Kontrastmitteln zu sehen. Eine visuell erfassbare Signalsteigerung ist nicht abgrenzbar.

Kontrastmittelunverträglichkeit ist jüngst vor allem durch Gadoliniumretention im Gehirn ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt. Was ist der aktuelle Stand der Forschung zu diesem Thema?

Grundsätzlich muss zwischen Kontrastmittelunverträglichkeit und -retention unterschieden werden. Die Verträglichkeit von MRT-Kontrastmitteln ist prinzipiell sehr gut: unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie allergische und nicht-allergische Unverträglichkeitsreaktionen bei Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln sind insgesamt selten. Bei der Gadoliniumretention jedoch werden Reste des zuvor verabreichten Kontrastmittels in verschiedenen Organen, wie Knochen oder Gehirn, retiniert und teilweise abgelagert.

Wir haben gelernt, dass lineare Gadolinium-haltige Kontrastmittel zu Retentionen bzw. Ablagerungen im Körper führen, die am besten mittels MRT des Kopfes zu erfassen sind. Aufgrund dieser Daten reagierte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) im November 2017 mit einem Zulassungsverbot für die intravenöse Gabe linearer Gadolinium-haltiger Kontrastmittel mit wenigen Einschränkungen. Daraus resultierte eine primäre Verwendung von makrozyklischen Kontrastmitteln in der Kernspintomographie, deren chemische Struktur eine höhere Bindung des Gadolinium-Ions aufweist. Makrozyklische Kontrastmittel werden seit ungefähr 15 Jahren verwendet und bislang konnten keine in der MRT visualisierbaren Ablagerungen im Körper detektiert werden.

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Nach hitzigen Diskussionen in den vergangenen Jahren scheint sich die Debatte aktuell gelegt zu haben. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Stimmt, das Thema der Gadoliniumretention wird aktuell aufgrund der verfügbaren Datenlage weniger kontrovers diskutiert. Jedoch wird weiter intensiv daran geforscht. Meiner Ansicht nach liegt das insbesondere daran, dass kein eindeutiges klinisches Korrelat der organbezogenen Ablagerungen nachgewiesen werden konnte, wie es beispielsweise bei der nephrogenen systemischen Fibrose (NSF) der Fall war. Die NSF wurde im Jahr 2006 mit der Verabreichung linearer gadoliniumhaltiger Kontrastmittel in Zusammenhang gebracht, wobei es bei Patienten mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion zu systemischer Fibrosierung von Haut und weiteren Organen kam, die in Einzelfällen sogar letal verlaufen konnte. Dank der Verwendung primär makrozyklischer Präparate bei Patienten mit weitgehend regelrechter Nierenfunktion ist seit 2009 kein NSF-Fall mehr berichtet worden.

Sind Ablagerungen automatisch gefährlich für den Patienten?

Nein. Bislang konnte kein konkretes Korrelat im Sinne einer klinischen Symptomatik für die Retentionen durch Gadolinium-haltige Agenzien bei Nierengesunden nachgewiesen werden, nachdem wir diese über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren verabreichen. Bislang existieren lediglich Fallberichte von diffusen neurologischen Einschränkungen nach Verabreichung von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln, die in kontrollierten Studien nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten.

Trotzdem sollten wir vorsichtig mit der Verabreichung von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln sein. Neben der primären Verwendung makrozyklischer Präparate sollte die Indikationsstellung einer kontrastmittelgestützten MRT genau geprüft werden und gegebenenfalls auf die Gabe des Kontrastmittels verzichtet werden.

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Können Sie Ablagerungen auch anders nachweisen als durch weitere MRT-Scans?

Ablagerungen von Gadolinium lassen sich mittels MRT des Kopfes nur indirekt nachweisen, indem eine verlängerte T1-Relaxationszeit des in Geweben retinierten Gadoliniums zu einer Kontrastanhebung insbesondere in den Stammganglien führt. Eine genaue Quantifizierung des abgelagerten Gadoliniums ist jedoch nur durch histopathologische Analysen bzw. massenspektroskopische Verfahren möglich. Dabei sind die Form, in der Gadolinium im Gewebe vorliegt, und die Bindungspartner der Gadolinium-Ionen aktuell nicht abschließend geklärt.

Portrait von Dr. Thomas Bäuerle
Prof. Dr. Thomas Bäuerle vom Radiologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen

Gibt es außer immer höher aufgelösten bildgebenden Verfahren Alternativen zu Kontrastmitteln?

Ja, alternativ können wir kontrastmittelfreie, native Techniken der MRT anwenden. Beispielsweise ermöglicht die diffusionsgewichtete Bildgebung eine sensitive Erfassung von Strukturen, die bislang vorwiegend durch die Kontrastmittelgabe dargestellt wurden, wie Metastasen in der Leber. Die Kontraste basieren hierbei auf der Erfassung der Brown’schen Molekularbewegung von Wasser, also einem Konzept, das von der intravenösen Verabreichung von Gadolinium-haltigen Substanzen unabhängig ist.

Zudem bietet die Verwendung von höher aufgelösten Verfahren durch die Ultrahochfeld-MRT mit Feldstärken jenseits von 3 Tesla weitere Möglichkeiten, neue Kontraste zu generieren und Strukturen zu erfassen, die bislang nur mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln darstellbar waren.

Profil:
Prof. Dr. Tobias Bäuerle hat Medizin an der Universität Heidelberg, am Baylor College of Medicine Houston, Texas, und an der University of Louisville, Kentucky, studiert. Er promovierte 2007 an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, wo er 2011 in Experimenteller Radiologie habilitierte. Seit 2013 ist er Oberarzt am Radiologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen und seit 2016 Professor am Radiologischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Veranstaltungshinweis:
Samstag, 28. September 2019, 10:30-10:50 Uhr
Raum: Rosenheim
Session: Symposium 13:
FFF Kontrastmittel
MRT-KM und Ablagerungen
Prof. Dr. Tobias Bäuerle (Erlangen)

28.09.2019

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