Spielsteine auf einem Brett (Symbolbild): Die Übersicht über Patientenbewegungen in Echtzeit ist ein wichtiger Schlüssel im Kampf gegen das Coronavirus, betonten Experten auf dem BVMed-Hygieneforum

Bildquelle: Alexas_Fotos auf Pixabay

BVMed-Hygieneforum zu Covid-19

Echtzeit-Analyse von Patientenbewegungen zur Bewältigung der Pandemie

Im Rahmen des digitalen Hygieneforums des BVMed richtete Prof. Dr. Wulf Schneider deutliche Worte an die Politik und die Zuhörer:

Bericht: Sonja Buske

„Wir brauchen für das klinische Hygienemanagement sämtliche Patientenbewegungen in einer Echtzeit-Analyse, um die Covid-19-Pandemie zu überstehen. Aktuell scheitert das nicht nur an den technischen Möglichkeiten, sondern auch an dem politischen Willen, viel Geld in den Bereich zu investieren“, brachte es der Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie des Universitätsklinikums Regensburg auf den Punkt.

portrait of wulf schneider
Professor Dr. Wulf Schneider

Bildquelle: Universitätsklinikum Regensburg

Schneider verdeutlichte die Situation an einem Beispiel: Liegen zwei Patienten zum Beispiel mit multiresistenten Keimen auf einer Station, gehen Ärzte alle erforderlichen Daten für die Infektionskontrolle im Krankenhausinformationssystem (KISS) durch, um Anwesenheits-, Verlegungs- und Bewegungsdaten zu analysieren. Da diese Daten jedoch aus unterschiedlichen Programmen stammen, die nicht aufeinander abgestimmt sind und nicht nach wichtigen Kriterien gefiltert werden können, muss sein Team digitale Informationen in eine analoge Exceltabelle umwandeln. „Dieser manuelle Prozess kostet einen Arzt bei einem größeren Ausbruch mehrere Tage. In der Zeit steht er für andere Dinge nicht zur Verfügung. Wir müssen weg von Zirkel und Lineal und brauchen innovative Konzepte, die für die Echtzeit-Analyse geeignet sind.“

Besonders tragisch findet er, dass Krankenhaushygieniker mittels Genomsequenzierung zwar in der Lage seien, das komplette Erbgut eines Organismus zu entschlüsseln und somit nicht nur Unterschiede zwischen verschiedenen Erregern, sondern auch innerhalb einer Erregerart ausmachen können, dieser Vorteil jedoch verspielt werde, wenn die Analyse der Bewegungsdaten aufgrund fehlender technischer Mittel zu lange dauert.

Data Mining und Big Data

Wir brauchen neue IT-Systeme, um Daten nicht nur zu erheben, sondern auch damit forschen und wissenschaftliche Gewissheit erzeugen zu können

Wulf Schneider

„Vor dem Hintergrund der Coronakrise stoßen wir momentan an die Grenze des Möglichen, da die digitalen Zugriffsmöglichkeiten nicht gegeben sind“, so Schneider. Er appellierte mit Nachdruck an innovative Start-Ups, eine Lösung zu finden, um Data Mining und Big Data für die sinnvolle Echtzeit-Analyse von Daten verfügbar zu machen. „Das wäre genau das, was die Krankenhaushygiene jetzt benötigt, um die Covid-19-Krise zu überstehen.“

Zwar gäbe es eine Software, die Kontakte im Krankenhaus nachvollziehen kann, allerdings ohne Verknüpfung mit genetischen Daten. Die Software könne zeigen, wann Patient A neben Patient B lag, sie könne aber keine Aussage darüber treffen, wo sich die beiden vorher und nachher aufgehalten haben, welche Instrumente bei ihnen zum Einsatz kamen, oder mit welchen Ärzten beide in Kontakt gekommen sind. Diese Schritte müssten dann wieder händisch durchgeführt werden. „Wenn wir Bewegungsmuster in Echtzeit analysieren, können wir ganz anders Evidenz erzeugen“, erläutert Schneider. „Wir brauchen neue IT-Systeme, um Daten nicht nur zu erheben, sondern auch damit forschen und wissenschaftliche Gewissheit erzeugen zu können.“ 

22.12.2020

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