Ein roter Rettungshubschrauber in der Luft vor einem blauen Himmel mit leichter...

Bildquelle: Universitätsmedizin Göttingen; Foto: DRF Stiftung 

News • Notfallmedizin

Doppler-Ultraschall misst Hirndurchblutung im Rettungseinsatz

In einem internationalen Kooperationsprojekt unter Leitung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) werden verschiedene Blutdruckmessverfahren in der luftgebundenen Notfallversorgung miteinander verglichen, die zur Überprüfung der Durchblutung des Gehirns kritisch kranker Patienten eingesetzt werden.

Ziel ist es, Risikopatienten früher zu erkennen und die Behandlung am Einsatzort gezielter zu steuern. Die Studie wird von der DRF Stiftung gefördert. 

Eine genaue und kontinuierliche Beobachtung von Blutfluss und Herz-Kreislauf-Funktionen sind bei der Erstversorgung von Patienten in der Notfallmedizin essenziell für die Einleitung und Steuerung lebensrettender Maßnahmen. Insbesondere der Blutdruck stellt hierbei eine zentrale Zielgröße dar. Allerdings bilden herkömmliche Blutdruckmessverfahren die Hirndurchblutung nur indirekt ab, ob von außen mit einer sich aufpumpenden Oberarmmanschette oder von innen mit einem Katheter, einem dünnen Schlauch, der direkt in eine Schlagader geschoben wird. Gerade bei Patienten mit lebensbedrohlichem Zustand kann das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt sein und das Blut nicht mehr ausreichend durch den Körper pumpen. Dies hat zur Folge, dass der gemessene Blutdruck nicht zuverlässig anzeigt, ob das Gehirn ausreichend durchblutet wird. Oftmals kommt bei diesen Patienten der Rettungshubschrauber zum Einsatz, da er einen schnellen Transport ins Krankenhaus ermöglicht. 

Im Hubschrauber zählt jede Minute, und Entscheidungen müssen oft allein auf Basis des Blutdrucks getroffen werden

Claudius Balzer

In einem internationalen Kooperationsprojekt unter Leitung der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) untersuchen Wissenschaftler erstmals bei Notfalleinsätzen mit einem Rettungshubschrauber wie zuverlässig der gemessene Blutdruck die tatsächliche Durchblutung beziehungsweise die mögliche Sauerstoffversorgung des Gehirns kritisch kranker Patienten widerspiegelt. Neben herkömmlichen Blutdruckmessverfahren kommt eine spezielle Ultraschalluntersuchung, die Doppler-Sonografie, zum Einsatz. Das Besondere an dem hier eingesetzten Gerät: Es muss kein Schallkopf gehalten werden, sondern es wird ein Sensor direkt auf den Hals geklebt. Dieser ermöglicht erstmals eine kontinuierliche Messung des Blutflusses in der Halsschlagader der Patienten und somit eine zuverlässige Überwachung der Hirndurchblutung während des gesamten Rettungseinsatzes und des Transports im Hubschrauber. Ziel der Studie ist es, die verschiedenen Messverfahren miteinander zu vergleichen und systematisch Daten zur Beziehung zwischen der Durchblutung des Gehirns und dem Blutdruck zu erheben. Die „Doppler-Perfusions-Studie in der luftgebundenen Notfallmedizin“, kurz DOPE-HEMS, wird von der DRF Stiftung über einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert und ist am 1. Juli 2026 gestartet. 

„Im Hubschrauber zählt jede Minute, und Entscheidungen müssen oft allein auf Basis des Blutdrucks getroffen werden. Mit der Studie wollen wir herausfinden, ob uns die zusätzliche Doppler-Messung dabei hilft, Risikopatienten früher zu erkennen und die Behandlung am Einsatzort noch gezielter zu steuern“, sagt der Leiter der Studie Dr. Claudius Balzer, Facharzt für Anästhesiologie in der Klinik für Anästhesiologie der UMG und Notarzt bei der DRF Luftrettung. 

Dr. Claudius Balzer, Facharzt für Anästhesiologie in der Klinik für...
Dr. Claudius Balzer, Facharzt für Anästhesiologie in der Klinik für Anästhesiologie der UMG und Notarzt bei der DRF Luftrettung, bei der Anwendung der Karotis-Doppler-Messung an einem Dummy-Patienten im Rettungshubschrauber.

Bildquelle: Universitätsmedizin Göttingen; Foto: Samer Al Mhethawi 

In das Projekt sind bundesweit sechs Standorte der DRF Luftrettung eingebunden, an denen die Daten unter realen Einsatzbedingungen gesammelt und für die wissenschaftliche Auswertung an der UMG, an der auch das Studienzentrum beteiligt ist, und der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim, Norwegen, bereitgestellt werden. Die Daten werden von der Erstversorgung bis hin zur Einlieferung in die Notaufnahme durch das Team des Rettungshubschraubers erhoben. 

Einbezogen werden erwachsene Patienten, die aufgrund folgender kritischer Erkrankungen notfallversorgt werden müssen: Wiederbelebung nach Herz-Kreislauf-Stillstand, gleichzeitige und schwere Verletzung verschiedener Körperregionen oder Organe und Schockzustand, eine Verletzung des Schädelknochens und/oder des Gehirns, eine Hirnblutung oder ein lebensbedrohlicher Riss in der Hauptschlagader. 


Quelle: Universitätsmedizin Göttingen 

04.08.2026

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