Der goldene Mittelweg

Kombinierte Anwendung von chirurgischer Resektion und Radiofrequenzablation bei Lebertumoren

Verstärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Chirurgie und Radiologie, um das Maximum bei der Behandlung von primären und sekundären Lebertumoren herauszuholen, so lautet die Botschaft von Privatdozent Dr. Leo Pallwein-Prettner, Oberarzt am AKH Linz, auf dem diesjährigen Österreichisch-Bayerischen Röntgenkongress. Denn die Grenzen zwischen der klassisch-chirurgischen und der minimalinvasiven radiologischen Behandlung bei Lebertumoren sind schon lange fließend und es wäre ein Entwicklungsfortschritt, die interdisziplinäre Zusammenarbeit dabei noch weiter zu verstärken.

Photo: Der goldene Mittelweg

Mittels radiologisch interventioneller Verfahren wie der Radiofrequenzablation ist es heute möglich, viele Eingriffe beim hepatozellulären Karzinom (HCC) und bei Lebermetastasen, die bisher klassischerweise auf dem Operationstisch durchgeführt wurden, minimalinvasiv zu behandeln. „Die Thermoablation wird momentan jedoch hauptsächlich dann verwendet, wenn chirurgische Maßnahmen nicht möglich sind. Das heißt, wenn die Leberläsionen entweder nicht zugänglich sind oder eine Operation aus internistischen Gründen ausgeschlossen werden muss“, so Dr. Pallwein-Prettner. „Bei dieser Entweder-Oder- Politik wird kaum in Betracht gezogen, dass ein kombinierter Zugang aus Ablation und Chirurgie bei solitären und vor allem multiplen Leberläsionen
aller Art erhebliche Vorteile für den Erfolg der Therapie mit sich bringen könnte.“

Denn ein großes Problem in der Chirurgie und gleichermaßen auch bei der Ablationstechnik stellt das Rezidivrisiko dar. Die Randzone zwischen Tumor und gesundem Lebergewebe ist besonders schwierig zu definieren und lässt sich auch durch bildgebende Verfahren wie MRT und CT nicht eindeutig sichtbar machen. Deshalb bleiben häufig im umliegenden Geweberand eingewachsene Karzinomzellen zurück. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Ablationsnadeln dreidimensional so zu verteilen, dass es zu einer optimalen Überlappung der einzelnen Ablationszonen bis hin zur Tumorrandzone kommt.

Ein dreidimensionales Needle Tracking im Echtzeitmodus könnte helfen, die perkutane und vor allem auch die intraoperative Ablation von schwierig zu erreichenden Leberläsionen zu optimieren – eine Methode, die von Prof. Dr. Reto Bale in Innsbruck entwickelt und bereits erfolgreich angewendet wurde (siehe Abbildungen). Dabei stehen Chirurg und Radiologe gemeinsam im OP. Der Chirurg legt den Zugang zu den Leberläsionen zunächst frei und behandelt die resezierbaren Läsionen. Danach geht der Radiologe jeweils unter Echtzeit-Bildkontrolle mit der Ablationsnadel – falls notwendig – an die kritischen Stellen in der Tumorrandzone und verkocht sie, um Rezidive zu verhindern. Im Anschluss ablatiert er gegebenenfalls noch die Leberkarzinome und -metastasen an den für den Operateur schwer zugänglichen Stellen.

Zusätzlich können durch ein sogenanntes chirurgisches Liver Packing, also das Einbringen von Tüchern zwischen Leber und umliegenden kritischen Strukturen, zum Beispiel der Herzbeutel und der Magen- Darm-Bereich geschützt werden, was wiederum die Einsatzmöglichkeiten der Thermoablation erweitert. Langfristige Erfahrungen über den Erfolg dieser Methode gibt es noch nicht, eine erste Grundlage für deren Evidenz liefert jedoch eine im Juni 2010 publizierte Studie im „World Journal of Gastroenterology“ (Chung-Bao Hsieh et. al), die zeigt, dass die kombinierte Anwendung von Ablation und Chirurgie weniger große Leberresektionen und einen geringeren Blutverlust beim Patienten erzeugt sowie verkürzte OP-Zeiten und Krankenhausaufenthalte herbeiführt, berichtet Dr. Pallwein-Prettner.

Durch die Weiterentwicklung der Ablations- und Embolisationsverfahren zur Tumorbehandlung ergeben sich also für radiologische und chirurgische Fächer zusätzliche Möglichkeiten und Schnittstellen, die in Zukunft miteinander auf Augenhöhe gebracht werden müssen. Denn nur so kann ein optimales Ergebnis erzielt werden.

 

Im Profil

PD Dr. Leo Pallwein-Prettner wurde am 23.11.1967 in Linz geboren. Medizinstudium und Ausbildung zum Facharzt für Radiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Habilitation 2008 mit dem Thema Prostatakrebsdiagnostik. Danach Mitarbeiter von Prof. Bale im Interdisziplinären Stereotaktischen Interventions- und Planungs Labor (SIP-Labor) an der Abteilung für Radiodiagnostik I der Universitätsklinik Innsbruck. Seit 2010 Oberarzt am AKH Linz.

Veranstaltungshinweis

Freitag, 8. Oktober

11:00 Uhr – 12:00 Uhr: Leber

Vorsitz: R. Adamus, Nürnberg und F. Karnel, Wien

11:30 Uhr Intervention II – Thermoablation
L. Pallwein-Prettner, Linz

06.10.2010

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