Intensivmediziner zu den Weihnachtstagen

„Das werden besonders harte Tage für uns“

So blickt Professor Dr. Gernot Marx, Sprecher des „Arbeitskreises Intensivmedizin“ der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI) auf die bevorstehende Weihnachtswoche.

Die Organisation vertritt mehr als 15.000 Anästhesisten, darunter tausende Intensivmediziner. „In vielen Krankenhäusern durch Covid-19 überfüllte Intensivstationen, weiterhin steigende Infizierten- und Patientenzahlen und dazu die Festtage selbst: Für die Schwestern, Pfleger, Ärztinnen und Ärzte auf den Stationen werden die kommenden beiden Wochen eine noch nie dagewesene Herausforderung und Belastung darstellen!“, zeichnet der erfahrende Intensivmediziner ein bedrückendes Bild.

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Weihnachtlicher Dekoration zum Trotz: Ein Frohes Fest wird es für viele Intensivmediziner wohl nicht werden, befürchtet DGAI-Vorsitzender Prof. Dr. Gernot Marx

Quelle: Twitter/@JohnDonoghue64

Noch nie lagen so viele Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland wie zurzeit: Der Tagesreport der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zählte am vergangenen Wochenende mehr als 5000 Patienten. Weit über die Hälfte von ihnen mussten mit Beatmungsschlauch, Beatmungsgerät und Narkose beatmet werden. Vor allem in den ostdeutschen Ländern wie Sachsen und Brandenburg ist die Lage bedrohlich.

„Eine Entspannung ist noch nicht in Sicht“, beurteilt Professor Marx die Situation: „Die Menschen werden sich an den Festtagen weniger als sonst treffen, aber mehr als gut ist.“ Der Experte der DGAI geht davon aus, dass die Zahl der schwer kranken Covid-19-Patienten noch bis mindestens Mitte Januar ansteigen wird: „Wo wir dann landen, kann man nicht sicher sagen.“ Welche Auswirkungen die Mutation des Corona-Virus aus Großbritannien und Südafrika zusätzlich habe, könne man auch noch nicht absehen.

Im Moment werde das Personal auch dadurch hoch belastet, dass der Wechsel der Patienten auf den Stationen oft schnell gehe: Während die einen verlegt werden können oder auch versterben, müssen die nächsten schon wieder aufgenommen und komplett versorgt werden, mit Überwachung, Medikamenten, Lagerung, Beatmung, Untersuchungen und Behandlungen: „Das sind derzeit insgesamt pro Tag hunderte.“

Marx begrüßt, dass die Mitarbeiter auf den Intensivstationen und der Anästhesie-Abteilungen in den Krankenhäusern in die erste Gruppe der Impfkandidaten aufgenommen wurden: „Damit entsteht für uns zumindest eine hoffnungsvolle Perspektive. Ein Ende der extremen Belastungsphase wird wahrscheinlicher.“ 


Quelle:  Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)

23.12.2020

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