Prof. Waltraud Pfeilschifter

Neurologische Expertise für starke Schlaganfall-Versorgung

Mit dem Jahreswechsel übernimmt Professorin Waltraud Pfeilschifter, Chefärztin der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Klinikum Lüneburg, als erste Frau die Präsidentschaft der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft – und damit die Verantwortung für rund 1.100 Mitglieder aus Medizin, Pflege, Therapie und Wissenschaft.

Prof. Waltraud Pfeilschifter lehnt im weißen Arztkittel an einem Geländer und lächelt in die Kamera
Die neue 1. Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft Professorin Waltraud Pfeilschifter

Bildquelle: DSG; Foto: Andreas Tamme 

In einer Zeit wachsender ökonomischer und struktureller Herausforderungen setzt Pfeilschifter klare inhaltliche Schwerpunkte: den Erhalt einer hochspezialisierten Akutversorgung mit noch besserer Versorgungsgerechtigkeit, mehr Verantwortung für Nachsorge, die weitere Stärkung interprofessioneller Teams auf der Stroke Unit sowie speziell die Förderung von Frauen und Nachwuchs. 

„In der Schlaganfallbehandlung kann man in den entscheidenden Stunden der Akutbehandlung für Patientinnen und Patienten ein gutes Behandlungsergebnis erreichen – oder verspielen, wenn sie nicht in einer spezialisierten Einheit behandelt werden“, stellt Waltraud Pfeilschifter fest. Die vergangenen zwei Jahrzehnte hätten hierzulande gezeigt, wie hochwirksam moderne Schlaganfall-Medizin ist: Sterblichkeit und Folgeschäden sind deutlich gesunken. Diese Erfolge gelte es zu sichern, weiterzuentwickeln und flächendeckend zu halten. Dabei bezieht die 1. Vorsitzende klar Position für die neurologische Expertise: „Die Therapien von Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten sind von uns Neurologinnen und Neurologen etabliert, geprüft und gesichert – und gehören deshalb auch zukünftig immer in die Hand unseres Fachbereichs.“ 

Interdisziplinäre Strukturen seien wichtig, dürften aber nicht zulasten der notwendigen Spezialisierung gehen – insbesondere bei risikobehafteten Therapien, ist Pfeilschifter überzeugt. Deutschland nimmt hier international eine Vorreiterrolle ein, die nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfe. Damit einher geht auch das Thema Versorgungsgerechtigkeit: „Die hochwirksame Akuttherapien müssen für alle Patientinnen und Patienten in einem kurzen Zeitfenster erreichbar sein. Gleichzeitig muss dieses System finanzierbar bleiben. Netzwerke zwischen spezialisierten Stroke Units und kleineren Kliniken sind entscheidend, um die Versorgung auch im ländlichen Raum auf hohem Niveau zu sichern.“ 

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Gleichzeitig richtet Waltraud Pfeilschifter den Blick auf eine bislang oft vernachlässigte Phase: „Wenn Patientinnen und Patienten nach der Reha zu Hause ankommen, wird vielen erst richtig bewusst, was alles noch fehlt in der Nachsorge.“ Modelle wie Schlaganfall-Lotsinnen und -Lotsen, die Patientinnen, Patienten und Angehörige begleiten, vernetzen und unterstützen, seien hierfür ein wichtiger Ansatz. Diese Verantwortung in der Nachsorge wolle die Fachgesellschaft künftig stärker mitdenken. 

In den letzten 20 Jahren ist eine Generation hochqualifizierter Expertinnen herangewachsen, die entscheidende Impulse für die Schlaganfall-Medizin und Schlaganfall-Forschung setzen. Diese Frauen sollen sich bei uns willkommen fühlen und sichtbar vertreten sein

Waltraud Pfeilschifter

Besonders am Herzen liegt Waltraud Pfeilschifter zudem die interprofessionelle Teamarbeit auf der Stroke Unit – so leitete sie zum Beispiel mehrere Jahre die DSG-Kommission Fortbildung für Pflegekräfte auf der Stroke Unit. „Mit spezialisierter Pflege, passgenauer Therapie und sorgfältiger Begleitung kann man enorm viel für die Patientinnen und Patienten erreichen“, weiß die Chefärztin. Die Fachgesellschaft wolle diese Berufsgruppen weiter stärken durch Fortbildungsprogramme, Sichtbarkeit und aktive Beteiligung. Der wachsende Anteil von Pflegefachpersonen und Therapeutinnen und Therapeuten auf den Kongressen – auf dem 1. Deutschen Schlaganfallkongress im September 2025, dem DSG25, machten sie immerhin rund ein Viertel der Teilnehmenden aus – sei dafür ein ermutigendes Signal. So soll die Zahl dieser Teilnehmenden beim DSG26 weiter steigen, weshalb das Organisationsteam bereits interdisziplinär mit Neurologen und einer Fachpflegeperson besetzt wurde. 

Strukturell möchte Waltraud Pfeilschifter in den kommenden zwei Jahren Kraft ihres Amtes deshalb weitere Akzente setzen: Sie ist fest entschlossen mehr Frauen für die aktive Mitarbeit und für Führungsaufgaben in der Fachgesellschaft gewinnen. „In den letzten 20 Jahren ist eine Generation hochqualifizierter Expertinnen herangewachsen, die entscheidende Impulse für die Schlaganfall-Medizin und Schlaganfall-Forschung setzen. Diese Frauen sollen sich bei uns willkommen fühlen und sichtbar vertreten sein.“ Ihr persönliches Ziel: Am Ende ihrer Amtszeit solle der Frauenanteil in der Fachgesellschaft messbar gestiegen sein. 

In der Jungen DSG sieht die neue Präsidentin zudem eine wichtige Plattform für den Nachwuchs. Junge Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen ihre Forschung präsentieren, sich vernetzen und früh mitgestalten können. Geplant sind mehr Vortragsplätze auf den Kongressen, regelmäßige Webinare und ein intensiver persönlicher Austausch mit etablierten Expertinnen und Experten. 

„Schlaganfallmedizin lebt von Spezialisierung, Teamarbeit und Verantwortung über den Akutbereich hinaus. Wenn wir diese Stärken zusammenbringen, können wir die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch in Zukunft auf hohem Niveau sichern“, so die neue 1. Vorsitzende. 


Quelle: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft 

05.01.2026

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