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News • Rhythmuskontrolle und Begleiterkrankungen im Fokus
Vorhofflimmern: Umdenken in der Therapie
Ein internationales Expertengremium hat Empfehlungen zur Verbesserung der Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern veröffentlicht.
Die Publikation fasst die Ergebnisse der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz zusammen – einer zweitägigen Tagung von mehr als 80 namhaften Experten aus Wissenschaft und Industrie, die im Mai 2025 gemeinsam vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) veranstaltet wurde. Der Konsensbericht wurde in der Fachzeitschrift EP Europace publiziert.
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und geht mit Schlaganfall, Herzinsuffizienz und anderen schweren Komplikationen einher. Weltweit sind mehrere Millionen Menschen davon betroffen. Angesichts einer alternden Bevölkerung stellt Vorhofflimmern ein zunehmendes ungelöstes medizinisches Problem dar.
Sowohl die Rhythmuskontrolle als auch die Therapie von Begleiterkrankungen werden nach wie vor zu selten eingesetzt, so dass Patienten mit Vorhofflimmern weiterhin schlechte Behandlungsergebnisse und damit verbundene hohe Gesundheitskosten zu verzeichnen haben
Emma Svennberg
Während der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz haben die eingeladenen Wissenschaftler ihr interdisziplinäres Wissen über die Behandlung und Erforschung von Vorhofflimmern gebündelt und neue Perspektiven für eine bessere Versorgung diskutiert. Sie identifizierten Wissenslücken und wichtige Forschungsschwerpunkte. Die Kernaussagen ihrer Diskussionen sind in diesem Konsensbericht zusammengefasst.
Dr. Emma Svennberg, Kardiologin aus Stockholm, Schweden, und Erstautorin des Konsensuspapiers, erläutert: „Die Behandlung von Vorhofflimmern unterliegt derzeit einem erheblichen Wandel: Der Schwerpunkt liegt nicht mehr ausschließlich auf der Schlaganfallprävention, sondern zunehmend auch auf der Behandlung von Begleiterkrankungen und der Verringerung der Vorhofflimmerlast. Allerdings werden sowohl die Rhythmuskontrolle als auch die Therapie von Begleiterkrankungen nach wie vor zu selten eingesetzt, so dass Patienten mit Vorhofflimmern weiterhin schlechte Behandlungsergebnisse und damit verbundene hohe Gesundheitskosten zu verzeichnen haben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer optimierten Behandlung, die auf Risikofaktoren, Vorhofflimmerlast und Rhythmus abzielt.“
Prof. Paulus Kirchhof, Hamburg, Deutschland, AFNET Vorstandsvorsitzender und einer der vier Vorsitzenden der Konsensuskonferenz, erklärt: „Die zunehmende Bedeutung der Rhythmuskontrolle als Behandlung, die durch die Verringerung der Vorhofflimmerlast den Krankheitsverlauf beeinflussen und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren kann, erzeugt einen neuen Bedarf an einfachen, sicheren und wirksamen rhythmuserhaltenden Therapien. Auch wenn die Katheterablation breiter verfügbar wird, werden viele Patienten mit Vorhofflimmern weiterhin auf eine medikamentöse rhythmuserhaltende Therapie angewiesen sein, entweder als primäre oder als ergänzende Behandlung. Die Entwicklung neuer antiarrhythmischer Medikamente, die Optimierung des Einsatzes der vorhandenen Antiarrhythmika und neue Konzepte zur Verhinderung von Vorhofflimmern bleiben klinische Notwendigkeiten.“
Der Konsensusbericht beschreibt außerdem quantitative Merkmale, die eine Umstellung auf risikoorientierte Therapiestrategien ermöglichen könnten, die sicher, zugänglich und patient:innenorientiert sind. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz kann die Risikoabschätzung und die Auswahl personalisierter Therapien weiter verbessern.
Prof. Andreas Goette, Paderborn, Deutschland, AFNET Vorstandsmitglied und Co-Vorsitzender der Konsensuskonferenz, fasst zusammen: „All diese Bemühungen eröffnen Wege zu einem personalisierten, patientenzentrierten, multimodalen und zugänglichen Vorhofflimmern-Management, das Rhythmuskontrolle, Schlaganfallprävention und Therapie von Begleiterkrankungen integriert, um die praktischen Bedürfnisse von heute mit den therapeutischen Innovationen von morgen zu verbinden.“
Prof. Jose Luis Merino, Madrid, Spanien, ehemaliger Präsident der EHRA und Co-Vorsitzender der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz, sagt: „Seit vielen Jahren sind die AFNET/EHRA-Konsensuskonferenzen ein wichtiges Forum für die internationale Zusammenarbeit zwischen anerkannten Experten auf dem Gebiet des Vorhofflimmerns. Wir glauben, dass die Empfehlungen dieses Expertengremiums dazu beitragen werden, die Vorhofflimmertherapie zu optimieren und die Ergebnisse für viele Patienten mit Vorhofflimmern weltweit zu verbessern.“
Die Teilnehmer der 10. AFNET/EHRA-Konsensuskonferenz kamen aus Europa, den USA, Kanada und Australien. Den Vorsitz der Konferenz hatten die vier Kardiologen Prof. Andreas Goette, und Prof. Paulus Kirchhof, beide AFNET, sowie Dr. Emma Svennberg und Prof. Jose Luis Merino, beide EHRA. Die Konferenz wurde von AFNET und EHRA gemeinsam ausgerichtet und erhielt finanzielle Unterstützung von MAESTRIA, das im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020” der Europäischen Union (EU) gefördert wird (Fördernummer 965286). Teilnehmer aus der Industrie zahlten eine Teilnahmegebühr.
Quelle: Kompetenznetz Vorhofflimmern
08.01.2026









