Nebenniere

Vernachlässigt und doch so wichtig

In Redaktionen sitzen selten Radiologen, daher die wichtige Erkenntnis für uns zuerst: Nieren und Nebennieren haben überhaupt nichts miteinander gemein, außer dem Wort Niere. Dass die beiden Organe dennoch immer in einem Vortrag behandelt würden, stimme ihn traurig, sagt Prof. Dr. Michael Uder, Leiter des Radiologischen Institut des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, im Gespräch über seinen Vortrag „Nieren, Nebennieren, ableitende Harnwege“.

Prof. Dr. Michael Uder
Prof. Dr. Michael Uder

Die Niere

Bei der Diagnostik der Niere geht es vor allem darum, einen operationswürdigen von einem nicht-operationswürdigen Befund zu unterscheiden und dafür gibt es laut Uder eine einfache Strategie: Um herauszufinden, um welche Art von Tumor es sich handelt, muss vor allem genau geprüft werden, ob der Tumor fetthaltig ist. „Bei einem hohen Fettgehalt handelt es sich um ein gutartiges Angiomyolipom, ansonsten mit ziemlicher Sicherheit um ein Nierenzell-Karzinom. Die MRT ist dafür ein ausgezeichnetes diagnostisches Tool“, berichtet der Radiologe.

Folgt man dieser Strategie bleiben ein paar Prozent an Tumoren übrig, die nicht genauer klassifiziert werden können. Allerdings gibt es neue Ansätze, um auch diese zuzuordnen. Da sind vorderhand T2-gewichtete und Diffusionsgewichtete Sequenzen zu nennen sowie die sogenannte „chemical-shift-Bildgebung“. Mit letzterer kann Fett auf mikroskopischer Ebene angezeigt werden: Wasserstoffgebundene Protonen werden daraufhin interpretiert, ob die wasser- und fettgebundenen Wasserstoffkerne in dieselbe Richtung Signale abgeben oder sich gegenseitig neutralisieren.


Die Nebenniere

Laut Prof. Uder hat die Nebenniere eigentlich einen eigenen Vortrag verdient, denn „sie ist zwar ein verhältnismäßig kleines Organ, das jedoch eine zentrale Rolle – vor allem im Hormonhaushalt – des Körpers spielt. Zudem ist sie ein bevorzugter Ort für die Bildung von Metastasen.“ In seinem Vortrag stellt er zwei Szenarien vor:

Im ersten Fall wird gezielt nach einem Nebennierentumor, beispielsweise einem primären Nebennierenkarzinom, gesucht. Der kommt zwar sehr selten vor, ist dafür aber schwerstgradig malign. „Die jährliche Inzidenz liegt bei ungefähr 1 auf 1 Million Personen, in Bayern sind das entsprechend 12 Personen. „In einem solchen Fall ist der einzige kurative Ansatz die radikale chirurgische Entfernung des Tumorgewebes“, stellt Uder fest. Bei dem zweiten Szenario gilt es zu klären, ob es sich bei einer vorgefundenen Raumforderung um eine Metastase oder ein Adenom handelt. Letztere sind bei etwa 3 Prozent der Bevölkerung anzutreffen, bei Patienten über 60 Jahren 5 Prozent und bei Subgruppen, wie Diabetikern oder Menschen mit einer sekundären Hypertonie, ist es sogar jeder fünfte Patient.

Adenome sind gut zu differenzieren. „Befindet sich Fett im Gewebe der Nebennieren, können wir relativ sicher sein, dass es sich um ein gutartiges Nebennieren-Adenom handelt. Wenn wir kein Fett finden, klassifizieren wir dies als Non-Adenom“, erklärt der Fachmann. Zur Unterscheidung beider Fälle ist die MRT ein sehr gutes diagnostisches Verfahren, denn – wie bereits erwähnt – lässt sich durch sie mikroskopisches Fett gut nachweisen.


PROFIL
Prof. Dr. Michael Uder studierte Humanmedizin an der Universität des Saarlandes, Homburg, wo er auch seinen Facharzt für Radiologie ablegte. Nach seiner Habilitation im Jahr 2002 über die Nebenwirkungen von Röntgenkontrastmitteln an der Niere war er von 2003 bis 2009 als Professor für Radiologie am Radiologischen Institut der Universitätsklinik Erlangen tätig. Seit 2009 steht er dem Institut als Direktor vor. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf den Nebenwirkungen von Kontrastmitteln, der Diagnostik des Urogenitalsystems, der Interventionellen Radiologie sowie auf Strahlendosis und Dosisreduktion.


Veranstaltung:
Grundkurs MRT
Mi., 28.01. 14:00 - 14:30 Uhr
Niere, Nebennieren,
ableitende Harnwege
M. Uder / Erlangen
Session: Abdome

27.01.2015

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