EIn Mann hält mehrere Tabletten in seiner rechten Hand, in der Linken einen...
Ein Patient in Namibia erhält seine Tagesration an Tuberkulose-Medikamenten.

Bildquelle: DZIF; © Christoph Lange 

News • Antimicrobial Stewardship

Tuberkulose-Therapie: Antibiotikaresistenz durch AMS-Standards vermeiden

Neue klinische Standards stärken „Antimicrobial Stewardship“ in der Tuberkuloseversorgung

Weltweit nehmen die Resistenzen gegen Antibiotika zu. Das gilt auch für Wirkstoffe, die für die Behandlung von Tuberkulose zentral sind, wie Bedaquilin. Ein internationales Expertengremium aus 32 Ländern hat deshalb erstmals spezifische „Antimicrobial Stewardship“-Standards für die Tuberkuloseversorgung vorgelegt. Die im International Journal of Tuberculosis and Lung Disease erschienenen Empfehlungen zielen darauf ab, Tuberkulose stärker in „Antimicrobial Stewardship“-Strukturen zu verankern, das Resistenzmonitoring und die Diagnostik zu optimieren und die Qualität der Therapie nachhaltig zu verbessern. 

Antimikrobielle Resistenzen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Tuberkulosebehandlung dar

Thomas Theo Brehm

„Antimicrobial Stewardship“ (AMS) bezeichnet koordinierte Strategien zur gezielten, evidenzbasierten und sicheren Anwendung von Antiinfektiva. Das Ziel besteht darin, Behandlungsergebnisse zu verbessern, Nebenwirkungen zu minimieren und die Entstehung sowie Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen zu verhindern. Während AMS in vielen Bereichen der Infektionsmedizin fest etabliert ist, fehlte bislang ein spezifisches, klinisch anwendbares Konzept für die Tuberkuloseversorgung. 

Tuberkulose (TB) trägt in erheblichem Maße zur globalen Last antimikrobieller Resistenzen bei. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Mycobacterium tuberculosis mit Resistenz gegen das Antibiotikum Rifampicin in der Liste der vorrangigen bakteriellen Krankheitserreger (Bacterial Priority Pathogens List) 2024 als Pathogen mit hoher Priorität ein. Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Resistenz gegenüber neueren Schlüsselmedikamenten wie Bedaquilin, da dadurch die in den vergangenen Jahren erzielten Fortschritte in der Behandlung der medikamentenresistenten TB gefährdet werden. 

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Artikel • AMR-Themenkanal

Antibiotikaresistenz: eine globale Bedrohung

Antibiotikaresistenz (AMR) stellt eine zunehmende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit auf der ganzen Welt dar. Bakterien, die gegen verfügbare Antibiotika resistent werden, machen alltägliche medizinische Verfahren aufgrund des hohen Infektionsrisikos unmöglich. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr über die AMR-Forschung, die Entwicklung neuer Antibiotika und Antibiotika-Alternativen.

Vor diesem Hintergrund wurden nun erstmals klinische Standards für „Antimicrobial Stewardship“ in der TB-Versorgung veröffentlicht. Die Standards wurden von einem internationalen Expertengremium mit 62 Fachleuten aus 32 Ländern und allen sechs WHO-Regionen im Rahmen eines strukturierten Delphi-Verfahrens entwickelt. Ziel der Standards ist es, TB systematisch in bestehende AMS-Strukturen zu integrieren, die Überwachung und das Resistenzmonitoring zu stärken, den Zugang zu zeitnaher und umfassender Resistenztestung zu verbessern und die Qualität der TB-Therapie konsequent an Wirksamkeit, Sicherheit und Resistenzvermeidung auszurichten. Dazu gehören unter anderem strukturierte Konsiliardienste, eine gezielte Testung und präventive Behandlung von Risikogruppen sowie eine engmaschige klinische und mikrobiologische Therapiekontrolle. 

„Antimikrobielle Resistenzen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Tuberkulosebehandlung dar“, sagt Dr. Thomas Theo Brehm, Erstautor der Studie. „Mit diesen klinischen Standards wollen wir dazu beitragen, dass Tuberkulose auch in Zukunft wirksam, sicher und verantwortungsvoll behandelt werden kann.“ 


Quelle: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung 

07.01.2026

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