Nachsorge-Konzept

„Stroke-Card“ soll erneute Schlaganfälle verhindern

Während es für die Nachbehandlung einer Krebserkrankung oder eines Herzinfarkts eine standardisierte Vorgangsweise gibt, fehlt nach einem Schlaganfall ein solches, einheitliches Konzept. Zukünftig könnte hier das österreichische „Stroke-Card“-Konzept Anwendung finden.

Die wissenschaftliche Evidenz liefert eine Studie, die von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie initiiert worden ist. In Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien konnten 2.149 Patienten in die Untersuchung eingeschlossen werden. Das EClinicalMedicine-Journal des Lancet-Verlags veröffentlichte die Ergebnisse.

portrait of Stefan Kiechl
Stefan Kiechl

© MedUniIBK/Vandory

Die Forschungsarbeit zeigt, wie die Nachsorge nach Entlassung aus dem Krankenhaus erheblich verbessert werden kann. Die Studie zeigt, dass Schlaganfall-Patienten, die nach dem „Stroke Card“-Konzept behandelt wurden, eine höhere Lebensqualität, weniger kardiovaskuläre Folgeerkrankungen und einen besseren Outcome haben. „In der wissenschaftlichen Arbeit präsentieren wir die Resultate einer der bisher weltweit größten, kontrollierten randomisierten Studie zur Schlaganfall-Nachsorge“, erklärt der Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie, Stefan Kiechl. Gemeinsam mit Johann Willeit hatte er die Forschungsarbeit initiiert und das Studiendesign entworfen.

2.149 PatientInnen sind von Jänner 2014 bis Dezember 2017 in die Untersuchung eingeschlossen worden. 1.438 wurden nach dem Behandlungskonzept „Stroke-Card“ behandelt und 711 erhielten die Standardbehandlung. Neben einer gesteigerten Lebensqualität zeigte sich, dass auch die Rate der kardiovaskulären Folgeerkrankungen zurückgegangen ist. Das Risiko konnte von 8,3 Prozent auf 5,4 Prozent, also um etwa ein Drittel, reduziert werden. „Der Behandlungsleitfaden ist sehr effizient. Wir müssen 35 Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall entsprechend des ‚Stroke-Card-Konzepts‘ behandeln, um einen weiteren Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern“, erklärt Kiechl.

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Johann Willeit

© MedUniIBK

Das „Stroke-Card“-Konzept sieht vor, dass das multidisziplinäre Stroke-Team des Akutkrankenhauses für die Patienten auch nach stationärer Entlassung für weitere drei Monate neben dem Hausarzt Ansprechpartner bleibt. Diese Teams bestehend aus Pflegern, Therapeuten und Ärzten haben sich in der Akutbehandlung, die in Österreich durchschnittlich neun Tage dauert, bereits bewährt. Nach der Entlassung können die Patienten mit einer personalisierten App ihre Risikofaktoren überwachen. Mittels Fragebogen werden Daten zur Lebensqualität und Folgeerkrankungen erhoben. Nach drei Monaten kommen die Patienten erneut für eine umfassende, ambulante Nachsorgeuntersuchung durch das Stroke-Team ins Krankenhaus. „Dieses Konzept ist verhältnismäßig einfach umzusetzen und durch die Betreuung durch ein Team, das die Patientinnen und Patienten bereits kennt, sehr effektiv und für die Patienten motivierend“, berichtet Kiechl.

Das „Stroke-Card“-Konzept schließt eine wichtige Lücke in der Therapie. „Bisher gab es keine einfachen, gut umsetzbaren Konzepte, um Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall standardisiert zu versorgen“, erklärt der Neurologe Johann Willeit. Ebenfalls von Vorteil ist die Erfassung von Spätkomplikationen nach dem Schlaganfall. Rund 20 bis 50 Prozent der Patienten leiden nach einem Schlaganfall an Angststörungen, Depressionen, Fatigue (leichte Ermüdbarkeit), Schmerzen, anhaltenden neurologischen Ausfällen oder Spastik. Im Rahmen des „Stroke-Card“-Konzepts werden diese systematisch erfasst und entsprechend behandelt. Basierend auf den guten Erfahrungen durch die Studie, wird in Innsbruck das neue Behandlungsmodell als Standard eingeführt.


Quelle: Medizinische Universität Innsbruck

28.07.2020

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