Chirurgie

Speiseröhrenkrebs: Premiere für „Da Vinci“-OP-Roboter

Erstmals in Ostdeutschland setzte die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden das „Da Vinci“-OP-System bei der Behandlung eines Patienten ein, der unter Speiseröhrenkrebs litt. Der zehnstündige Eingriff verlief optimal – der Patient hat sich inzwischen gut von der schweren OP erholt.

Prof. Jürgen Weitz (in der Mitte des Bildhintergrunds) sitzt während einer...
Prof. Jürgen Weitz (in der Mitte des Bildhintergrunds) sitzt während einer Operation an der Steuerkonsole des "Da Vinci".
Quelle: Uniklinikum / Holger Ostermeyer
Prof. Jürgen Weitz (rechts) erklärt seinem Patienten Günter D. am Computer...
Prof. Jürgen Weitz (rechts) erklärt seinem Patienten Günter D. am Computer den Verlauf der Operation.
Quelle: Uniklinikum / Holger Ostermeyer

Auch weil der Tumor in einem sehr frühen Stadium operiert werden konnte, gilt der 74-jährige Dresdner als geheilt und braucht sich keiner Folgebehandlung wie einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen. Dem erstmaligen Einsatz des Dresdner „Da Vinci“ bei einer Speiseröhrenkrebs-OP gingen mehrere herkömmliche Schlüsselloch-OPs mittels einer Spiegelung des Brustraumes – sogenannte Thorakoskopien – bei dieser Tumorform voraus, die den Patienten ebenfalls deutlich weniger belasten als eine offene Operation. Mit dem Start der hochmodernen OP-Methode stellt das Uniklinikum auch auf diesem Gebiet seine führende Rolle in der Krebsmedizin unter Beweis. Es vereint Maximalversorgung, Forschung sowie Lehre und fördert medizinische Innovationen.

„Wenn wir einen Tumor der Speiseröhre entfernen müssen, bedeutet das trotz unseres großen Erfahrungsschatzes eine enorme Belastung für den Patienten. Wir sind froh, dass die Operation mit dem ‚Da Vinci‘ unsere Erwartungen voll erfüllt haben“, sagt Prof. Jürgen Weitz. Der Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie hat den Großteil der zehnstündigen Operation selbst übernommen. Bei einer konventionellen Operation des Speiseröhrenkrebses hätten sich die Chirurgen auf der rechten Körperseite durch den Brustkorb einen Zugang zur Speiseröhre schaffen und den Lungenflügel nach oben drücken müssen.

Allein das Ausheilen der dadurch entstehenden Wunden bedeutet in der Regel einen langwierigen, den Patienten stark beeinträchtigenden Prozess. Mit der Thorakoskopie – der sogenannten Schlüsselloch-OP lassen sich diese Folgen bereits minimieren. Allerdings erfordert diese Technik eine enorme manuelle Geschicklichkeit. Vor allem die Naht an der Speiseröhre muss der Operateur in höchster Perfektion ausführen, damit sie schnell und vollständig ausheilt. In dieser ersten kritischen Woche darf die Speiseröhre weder undicht werden noch Ausgangspunkt andere Komplikationen sein. „An dieser Stelle können wir die Stärken des ‚Da Vinci‘ mit seiner hochpräzisen Führung der Instrumente optimal ausspielen“, erklärt Prof. Weitz.

Das OP-Robotersystem perfektioniert die Thorakoskopie, bei der die Instrumente des Operateurs über Hülsen in den Körper eingeführt werden: Statt mit einem großen Schnitt den Brustkorb zu öffnen und so an die Organe zu gelangen, reichen maximal fünf Einstiche. Der „Da Vinci“ assistiert dem Operateur bei derartigen minimalinvasiven Eingriffen, indem es ihm das direkte Halten und Bewegen der Instrumente abnimmt. Der Chirurg sitzt stattdessen an einer Konsole und steuert die Instrumente über zwei joystickartige Griffe. Dank des komplexen elektronischen Systems wird beispielsweise aus einer Fünf-Zentimeter-Bewegung der Hand ein zehn Millimeter langer, direkt ausgeführter Schnitt. Der Chirurg kann aufgrund dieser individuell einstellbaren Übersetzung, wesentlich beweglicherer Instrumente sowie einer hoch auflösenden, dreidimensionalen Optik das OP-Instrumentarium deutlich genauer bewegen und räumlich sehen. Damit lassen sich auch die Nähte präziser und belastbarer ausführen.

Die operative Entfernung von Tumoren der Speiseröhre gehört zu den aufwändigsten Eingriffen in der Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie: Das liegt auch daran, dass sich der Tumor in der Regel nur zusammen mit einem größeren Abschnitt der Speiseröhre entfernen lässt. Die Chirurgen ersetzen diesen dadurch, dass sie den oberen Magenabschnitt verengen und später mit dem gesunden Teil der Speiseröhre verbinden. Die gesamte Operation erfolgt in zwei Abschnitten: Der Magen wird über den Oberbauch erreicht, danach die Speiseröhre über den Brustkorb. Eine perfekte Verbindung des Magens mit dem noch gesunden Abschnitts der Speiseröhre ist entscheidend für den Behandlungserfolg: Wachsen beide Organe nicht schnell und komplett zusammen, können lebensgefährliche Komplikationen auftreten. Die Folge einer solchen Komplikation: die Patienten müssen in der Regel eine längere Zeit intensivmedizinisch versorgt werden und erhalten ihre Nahrung monatelang über eine Sonde.

Insgesamt führen die Experten der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Dresdner Uniklinikums jährlich über 60 große Speiseröhren-OP aus. Der dafür notwendige Aufwand ist enorm. So wurde der 74-Jährige Krebspatient innerhalb von zehn Stunden von einem 18-köpfigen Team um Prof. Jürgen Weitz operiert. Neben vier Chirurgen waren sechs OP-Pfleger, vier Anästhesisten, drei Anästhesie-Pfleger sowie ein Medizinstudent im Operationssaal. „Das größte Lob, das ich meinem Team aussprechen kann, ist die Nachricht, wie gut es dem Patienten heute wieder geht“, sagt Prof Weitz. Der Erfolg ist nun die Basis für weitere Operationen mit dem „Da Vinci“. Als einer der renommiertesten Standorte der deutschen Hochschulmedizin beteiligt sich das Dresdner Uniklinikum auch an Studien, die den Erfolg moderner Therapieverfahren überprüfen und Erkenntnisse für weitere Innovationen gewinnen. Diese Stärken in Krankenversorgung, Forschung und Lehre zeichnen das Dresdner Uniklinikum aus, das als Onkologisches Spitzenzentrum der Deutschen Krebshilfe und eines von zwei Standorten des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen zu den europaweit führenden Einrichtungen in der Krebsmedizin gehört.


Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

14.07.2015

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