
Bildquelle: Siemens Healthineers; Bild mit freundlicher Genehmigung von Stanford Hospital and Clinics, USA
News • Siemens Healthineers auf dem ECR 2026
KI im Angiographiesaal – neue Lösungen für die interventionelle Radiologie
Auf dem Europäischen Radiologiekongress (ECR) 2026 in Wien präsentierte Siemens Healthineers unter anderem sein erweitertes Portfolio an Angiographiesystemen für die interventionelle Radiologie. Im Mittelpunkt standen KI-gestützte Funktionen, die komplexe Eingriffe wie die Tumorembolisation präziser und effizienter machen sollen.
Die neuen Angiographie-Plattformen Artis genio, Artis icono.explore und Artis icono.vision sind auf die Anforderungen der interventionellen Radiologie, der Kardiologie und der Chirurgie ausgelegt, erklärte Peter Hildebrandt, Marketing Manager Interventional Radiology bei Siemens Healthineers, in einem Gespräch am Messestand. Für die Neuroradiologie stellt Siemens Healthineers zudem den Artis pheno.vision vor – ein robotisches Bildgebungssystem, das für den Einsatz in verschiedenen interventionellen und chirurgischen Disziplinen ausgelegt ist.
KI gegen Bewegungsartefakte
Ein zentrales Problem bei der 3D-Bildgebung im Thorax- und Abdominalbereich sind Bewegungsartefakte – verursacht durch Herzschlag, pulsierende Gefäße oder Atmung. Die neue Software Syngo DynaCT MORE begegnet diesem Problem mit iterativer Bildrekonstruktion: Sie passt die Darstellung relevanter Strukturen wie Gefäße und Katheter an, ohne anatomische Informationen zu verlieren. Datensätze, die bisher wegen Bewegungsartefakten nicht verwertbar waren, können damit wiederhergestellt werden – was Wiederholungsaufnahmen und damit zusätzliche Strahlenbelastung reduziert.
Ein wichtiger Baustein ist laut Hildebrandt dabei die neue KI-Lösung Optiq AI. „Im Gegensatz zu vielen anderen KI-Tools kommt dabei keine automatische Erkennung von Strukturen zum Einsatz“, betont der Experte. Stattdessen erkennt der Algorithmus gezielt das Bildrauschen – etwa durch Röntgenstreuung oder elektronisches Rauschen – und rechnet es in Echtzeit heraus. Dieser Ansatz ermögliche es, die Bildqualität zu steigern, ohne die Strahlendosis zu erhöhen.
Planungshelfer bei Embolisation
Auch für die Embolisation – einem minimalinvasiven Verfahren, bei dem die Blutversorgung eines Tumors blockiert oder Medikamente gezielt an tumorversorgende Gefäße abgegeben werden – hat Siemens Healthineers eine spezielle KI-Lösung entwickelt. Der organspezifisch trainierte Algorithmus unterstützt interventionelle Radiologen bei Planung und Navigation. Verfügbar sind Workflows für Leber, Prostata und ein allgemeiner Modus.

Bildquelle. Siemens Healthineers; Bild mit freundlicher Genehmigung der Medizinischen Hochschule Hannover
Der Leber-Workflow bietet eine dreidimensionale Tumorkonturierung mit klar definierten Behandlungszonen. Die integrierte Gefäßkarte unterscheidet automatisch zwischen tumorversorgenden und anderen Gefäßen – eine Funktion, die laut Prof. Dr. Frank K. Wacker, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (DeGIR), nicht nur die Präzision erhöht, sondern auch die Ausbildung junger Assistenzärzte verbessert: „Jede Orientierungshilfe im Arbeitsablauf verbessert das Lernerlebnis erheblich."
Mit den auf dem ECR vorgestellten Neuheiten adressiert Siemens Healthineers einen bekannten Engpass im klinischen Alltag: immer mehr Patienten, die von immer weniger klinischem Personal versorgt werden müssen. Der Einsatz von KI soll dabei explizit nicht als Ersatz für menschliches Urteilsvermögen dienen, sondern als Unterstützung bei Routineaufgaben und Planung, erklärte abschließend Carsten Bertram, Leiter Advanced Therapies bei Siemens Healthineers: „Mit künstlicher Intelligenz als Schlüsselfaktor wollen wir medizinisches Personal befähigen, mehr Patienten effektiver zu behandeln.“ (WB)
19.03.2026



