Schluckstörungen sind sehr vielfältig – leider!

Wann ist die CT und wann die MRT das bessere diagnostische Tool

In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen an einer Schluckstörung, also mehr als jeder 20. Bei den stationären Patienten wird sogar bei jedem Zweiten eine Disyphagiesymptomatik beschrieben, allein ca. 70 Prozent aller neurologischen Patienten im Krankenhaus weisen dieses Krankheitsbild auf.

Photo: Schluckstörungen sind sehr vielfältig – leider!

„Mit Hilfe der Schichtbilddiagnostik von CT und MRT besteht die Möglichkeit, die Ursachen einer Dysphagie festzustellen, denn eine Videofluroskopie oder eine Cine-MRT können den Schluckakt selbst zeitlich hochaufgelöst abbilden und das Ausmaß der Einschränkung quantifizieren, nicht aber die Kausalität“, erklärt Dr. Wilhelm Flatz, Facharzt für Radiologie am Klinikum Großhadern in München.

CT bei Schlaganfall und Tumoren
Eine Dsyphagie kann sowohl sehr akut oder langsam progredient auftreten. In der Akutphase eines Schlaganfalls ist das Mittel der Wahl für eine schnelle und sichere Diagnostik eine Schädeluntersuchung im Computertomographen. Besonders mit der Perfusionsbildgebung ist der Nachweis des Infarkts in der Frühphase möglich, noch bevor sich ein ischämisches Areal im Gehirn demarkiert hat. Mit einer systemischen Lysetherapie bestehen gute Chancen, die Schädigung und damit auch die Schluckbeschwerden zu lindern oder sogar komplett zu behandeln. „Eine CT ist zweitens sinnvoll bei der Beurteilung von Tumoren im Bereich des Mediastinums und des Magens, die sekundär zu einer Dysphagie führen können. Mit der Videofluroskopie erkennen wir die Schluckstörung und mit Hilfe der Schichtbildgebung können wir diese identifizieren, in vielen Fällen auch bildmorphologisch charakterisieren und uns somit der Diagnose des Tumors nähern. Die CT spielt für die Tumordetektion und Klassifikation eine besonders wichtige Rolle, denn sie ermöglicht die Beurteilung des Tumorstadiums und Lymphknotenstadiums, so dass man ein umfassendes Bild über die Gesamterkrankung des Patienten bekommt, zu der eben auch die Dysphagie zählt“, erklärt der radiologische Leiter des wöchentlichen interdisziplinären Dysphagie-Boards in Großhadern.

Primäre Symptome
Insbesondere Veränderungen im Rachen und Ösophagusbereich können ursächlich verantwortlich für die Schluckstörung sein, wie zum Beispiel ein Ösophaguskarzinom, eine Lymphomerkrankung, ein Gastrointestinaler Stromatumor (GIST) oder ein Leiomyom. Auf der anderen Seite unterscheidet man die neurogenen Ursachen, wozu auch der Schlaganfall zählt neben vielen weiteren Erkrankungen. „Während der Apoplex klinisch zunächst meist anhand der neurologischen Ausfallerscheinungen erkannt wird, gibt es andere Erkrankungen, wie die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die sich primär in einer Schluckstörung äußern können. Gerade bei jüngeren Patienten mit einer stark progredienten Schluckstörung muss man an diese Erkrankung des Gehirns denken, deren Ursache noch nicht eindeutig geklärt ist, die aber zu Veränderungen im Hirnstamm bzw. der Pyramidenbahn führt und bei der es typischerweise bereits in der Frühphase zu Schluckstörungen kommen kann“, so Dr. Flatz. Auch Morbus Parkinson, die Multiple Sklerose oder Myasthenia gravis können für neurogene Schluckstörungen verantwortlich sein. Wie bei vielen Erkrankungen des Gehirns wählt man hier als Mittel der Wahl zur bildgebenden Diagnose aber vor allem die MRT.

Schluckstörung als Folge demenzieller Erkrankungen
„Wenn bei einem älteren dementiellen Patienten keine morphologisch fassbare Ursache für eine Schluckstörung gefunden wird, wenn also ein Tumor, eine neurologische Erkrankung und auch ein Trauma ausgeschlossen werden können, sollte man in Betracht ziehen, dass die Dysphagie auch durch den Alterungsprozess bzw. durch die Demenz eingetreten sein könnte“, erklärt der Facharzt. Allerdings spielt auch hier die CT keine wesentliche Rolle, sondern eher die MRT. Sie ist nicht strahlenbelastend, hat einen guten Weichteilkontrast und eignet sie sich somit besser zur Untersuchung des Gehirns im nicht akuten Stadium. Die CT kommt vor allem bei akuten Erkrankungen, wie beim Schlaganfall oder Trauma, zum Zug.

IM PROFIL
Dr. Wilhelm H. Flatz, der an der Ludwigs-Maximilian-Universität studierte und seine Ausbildung zum Facharzt für Radiologie absolvierte, hat am Klinikum Großhadern die radiologische Leitung des wöchentlichen interdisziplinären Dysphagie-Boards und er in dieser Funktion auch Mitorganisator des jährlichen “Interdisziplinären Dysphagie-Tags“. Auch seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Kopf-Hals-Bildgebung und der Neuro-Bildgebung. Dr. Flatz befasst sich in seiner Dissertation mit der „Quantitativen Analyse der Diffusions-Tensor-Bildqualität (DTI) unter Verwendung von paralleler Bildgebung in der Hochfeld-MRT bei 1,5 und 3 Tesla“; derzeit bereitet er sich auf die Prüfung zur Schwerpunkt-Bezeichnung „Neuroradiologie“ vor.

 

20.01.2014

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