Radiologie ist Diagnose und Therapie

Ausblick auf den Deutschen Röntgenkongress 2014

Alle drei Jahre treffen sich Radiologen aus Deutschland und Österreich auf einem gemeinsamen Kongress.

Photo: Radiologie ist Diagnose und Therapie
Photo: Radiologie ist Diagnose und Therapie
Quelle: Prof. Dr. Stefan Diederich

Nächstes Jahr ist es wieder so weit: Prof. Dr. Stefan Diederich vom Marienhospital Düsseldorf und Prof. Dr. Johannes Lammer vom Allgemeinen Krankenhaus Wien haben die Leitung übernommen. „RöKo Heute“ hat mit beiden Kongresspräsidenten gesprochen und sie dazu befragt, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen. Vier Schwerpunkte werden den Kongress prägen: die Lungenbildgebung, die kardiovaskuläre Bildgebung, die onkologische Radiologie und das konventionelle Röntgenbild. Zentrales Anliegen der Kongresspräsidenten ist es, Diagnose und Therapie als gleichwertige Arbeitsgebiete der modernen Radiologie nicht nur dem Fachpublikum des Kongresses, sondern auch den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Beide Präsidenten stehen auch mit ihren Vitae dafür.

Prof. Stefan Diederich, Radiologe am Marienhospital Düsseldorf, präsidiert von deutscher Seite den Kongress, der ja zugleich auch der 95. Deutsche Röntgenkongress ist, und betont gleich den binationalen Charakter: „Wir haben zu praktisch jedem Thema Vorschläge, die zwischen den entsprechenden Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG) abgestimmt sind.“ Das Kongressmotto erklärt er mit Blick auf die Patienten: „Unsere Behandlungen erfolgen in der Regel minimalinvasiv unter Lokalanästhesie, mit wenigen Schmerzen und wenigen Komplikationen. Damit sind wir ein besonders attraktives Fach, denn die Patienten wollen möglichst nicht mehr den großen heroischen chirurgischen Schnitt mit anschließendem langwierigen Aufenthalt auf der Intensivstation.“

Diederich, auch Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Thoraxdiagnostik der DRG, erläutert die Schwerpunkte: „Der Lungenbildgebung wird ein ganzer Tag gewidmet.“ Die Sitzungen werden gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) sowie der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) organisiert. „Auch die traditionelle Röntgen- Lecture wird ein Thoraxradiologe halten, Prof. David Hansell vom National Heart and Lung Institute in London, einer der bekanntesten Experten auf diesem Gebiet in Europa, wenn nicht weltweit.“

Die Urform des Röntgens im Fokus eines großen Kongresses, das ist selten geworden – und doch eminent wichtig. Diederich: „Kurz das konventionelle Röntgen zu streifen, um dann zu zeigen, was die Schnittbilddiagnostik eventuell besser kann, das bekommt man vielerorts angeboten. Wir wollen dagegen vor allem darstellen, was eine technisch optimal durch- geführte Aufnahme an Informationen enthält. Dazu laden wir die wirklich qualifiziertesten Referenten aus Österreich und Deutschland ein.“

Hier setzt auch das MTRA-Programm an, ebenfalls binational eng abgestimmt mit der Vereinigung von medizinisch-technischen Berufen in der Deutschen Röntgengesellschaft (VMTB) und mit dem Verband der RadiologietechnologInnen Österreichs (RTaustria): „Beim konventionellen Röntgen des Thorax, des Skeletts und des Abdomens sowie in der Mammographie wird diskutiert, was eine optimal eingestellte Aufnahme ausmacht, welche Fehler man machen kann – und vor allem, wie man sie vermeidet.“

Auch der Schwerpunkt „kardiovaskuläre Bildgebung“ soll interdisziplinär bearbeitet werden, gemeinsam mit der Cardiovascular and Interventional Society of Europe (CIRSE). Hier werden die modernen bildgebenden Verfahren und die neuesten therapeutischen Möglichkeiten im Kontext diskutiert. Für den Schwerpunkt „onkologische Bildgebung“ hat die International Cancer Imaging Society (ICIS) ihre Mitwirkung zugesagt.

Natürlich bleibt auch die Wirtschaftlichkeit im Blick, diese wird Thema des Chefarztforums sein. Die Personalfindung und -bindung ist Diederich ein großes Anliegen: „Für besonders qualifizierte Studenten wird es wieder Stipendien geben. Aber natürlich sind alle Studierenden, die Interesse an der Radiologie haben, eingeladen“, sagt er und verweist auf ein explizites Studentenprogramm.

„Die DRG und die ÖRG arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und diese Kooperation hat sich sehr bewährt“, bekräftigt Univ.-Prof. Dr. Johannes Lammer, der von österreichischer Seite als Kongresspräsident fungieren wird. Die DRG ist etwa zehnmal so groß wie ihr österreichisches Pendant, daher freut sich Lammer besonders über die traditionell „sehr großzügige und faire Beteiligung“ seiner Landsleute an diesem Kongress. Auch das Interesse der österreichischen Kollegen, zum gemeinsamen Kongress nach Deutschland zu fahren, sei sehr groß, betont Lammer.

„Das Motto soll zum einen darauf hinweisen, dass in der Diagnostik von Erkrankungen die Bildgebung nicht wegzudenken ist, zum anderen soll es darauf aufmerksam machen, dass die Interventionelle Radiologie eine Reihe therapeutischer Verfahren anzubieten hat“, erklärt Lammer. So gut wie keine Diagnose erfolge heute ohne bildgebendes Verfahren, sagt der Wiener Radiologe: Sogar bei psychischen Erkrankungen kämen immer häufiger radiologische Untersuchungsmethoden wie die Positronen- Emissions-Tomographie (PET) zum Einsatz. Auch aus der Behandlung sei die Radiologie nicht mehr wegzudenken, betont Lammer: „Die minimalinvasive Therapie löst zunehmend die offene Chirurgie ab.“

Auch Lammer hält das klassische Röntgen schon aus didaktischen Gründen für einen sehr wichtigen Schwerpunkt: „Alle interessieren sich für die innovativen Verfahren wie CT oder MR – aber wir dürfen nicht das Augenmerk auf die konventionellen Röntgenbilder verlieren.“

Wenngleich es auf fachlicher und wissenschaftlicher Ebene keine Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich gibt, so gehen die Uhren in der Alpenrepublik politisch doch ein wenig anders. Ein heißes Thema beim südlichen Nachbarn ist die Computertomographie der Herzkranzgefäße, die ja von den internationalen Fachgesellschaften als Untersuchungsmethode der Wahl bei Patienten mit geringer bis mittlerer Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) empfohlen wird. In Österreich freilich bezahlen die Krankenkassen diese Untersuchung nicht, daher müssen sich die Patienten nach wie vor der belastenden Untersuchung mittels Herzkatheter unterziehen.

Andererseits bleibt den österreichischen Kollegen so manche Diskussion, die in Deutschland Wellen schlägt, erspart. „Wir können in Österreich glücklich sein, dass sowohl die Radiologie als auch die Interventionelle Radiologie sehr stark ist“, unterstreicht Lammer. Radiologische Leistungen dürfen in der Alpenrepublik per Gesetz nur von Radiologen erbracht werden. Auch der Kampf zwischen Gefäßchirurgie und Radiologie um die endovaskuläre Behandlung von Patienten mit atherosklerotischer Verschlusskrankheit oder Aneurysma ist in Österreich nur ein Randthema. „Die großen Turf Battles finden in Deutschland um einiges heftiger statt“, weiß Lammer. Sein diesbezügliches Credo: „Man darf bei solchen Konflikten den Fokus auf den Patienten nicht aus den Augen verlieren.“


IM PROFIL
Prof. Dr. Stefan Diederich ist seit 2002 Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Marienhospital Düsseldorf. Nach dem Studium in Münster und Heidelberg wirkte er am Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum, am Institut für Klinische Radiologie der Universität Münster und am Department of Radiology des Addenbrooke’s Hospital in Cambridge. 1998 habilitierte er sich in Münster und erhielt die Venia Legendi im Fach „Diagnostische Radiologie“, 2004 wurde ihm eine außerplanmäßige Professur verliehen. Diederich ist unter anderem Mitglied im Vorstand der Deutschen Röntgengesellschaft, der Rheinisch-Westfälischen Röntgengesellschaft und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Thorax der Deutschen Röntgengesellschaft.

IM PROFIL
Univ.-Prof. Dr. Johannes Lammer ist Leiter der Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie der Medizinischen Universität Wien am Allgemeinen Krankenhaus Wien. Nach dem Studium in Österreichs Hauptstadt absolvierte er seine Facharztausbildung an der Universitätsklinik für Radiologie in Graz, wo er zunächst Oberarzt und schließlich Leiter der Arbeitsgruppe für Interventionelle Radiologie wurde. 1992 wechselte er als Vorstand an die damalige Abteilung für Angiographie und Interventionelle Radiologie der Universität Wien. Sein Hauptinteresse in der wissenschaftlichen Arbeit gilt der diagnostischen Abdominalradiologie, der diagnostischen kardiovaskulären Radiologie sowie der vaskulären und nichtvaskulären Interventionellen Radiologie. Lammer ist Vizepräsident der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG).

31.05.2013

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