HPV-assoziiertes Oropharynxkarzinom

Rachenkrebs: Ursachen für ungünstigen Verlauf aufgeklärt

In Zeiten der Coronavirus-Pandemie fokussiert sich der Blick auf die Infektion mit SARS-CoV-2 und die Lungenerkrankung COVID-19. Andere viral bedingte Erkrankungen, die eine seit mehreren Jahren weltweite Pandemie ausgelöst haben, sind aktuell weniger im Fokus.

Dazu zählt der von humanen Papillomviren (HPV) verursachte Rachenkrebs. In einer Studie der Leipziger Universitätsmedizin haben Forscher untersucht, welche Faktoren einen ungünstigen Verlauf bei Patienten mit sogenannten HPV-assoziierten Oropharynxkarzinomen prognostizieren. Die Ergebnisse sind aktuell im Fachjournal Cancer erschienen.

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Humanes Papillomavirus (HPV). Biopsie einer Warze unter dem Transmissions-Elektronenmikroskop, Ultradünnschnitt im Maßstab = 1µm

Bildquelle: Hans R. Gelderblom (1981)/RKI

Es handelt sich bei durch HPV verursachtem Rachenkrebs, sogenannte Oropharynxkarzinome, um eine von den Tonsillen (Mandeln) ausgehende Tumorerkrankung, die oftmals Jahrzehnte nach der Infektion mit HPV auftritt. Die ursächlichen Viren sind die gleichen HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome verursachen. Die von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts gleichermaßen für Mädchen und Jungen empfohlene HPV-Impfung sollte daher auch die Häufigkeit HPV-assoziierter Oropharynxkarzinome bei Männern und Frauen vermindern helfen. Allerdings ist gegenläufig zur abnehmenden Häufigkeit anderer Kopf-Hals-Karzinome weltweit ein Anstieg der Häufigkeit von Oropharynxkarzinomen zu verzeichnen. Als Ursache dieser Pandemie wird die sexuelle Übertragung von HPV angesehen. Die Häufigkeit HPV-assoziierter Karzinome steigt jährlich um 2,1 Prozent, während nicht-HPV-assoziierte, also durch Rauchen, Alkohol und berufliche Belastung verursachte Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region eine um 0,4 Prozent pro Jahr fallende Inzidenz zeigen.

Zu HPV-assoziierten Oropharynxkarzinomen forschen Ärzte und Naturwissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig schon seit mehreren Jahren. Innerhalb der Krebserkrankungen der Kopf-Hals-Region gelten die HPV-assoziierten Oropharynxkarzinome als eine Untergruppe, die gut auf moderne Therapien ansprechen. Sie haben auch eine bessere Prognose hinsichtlich des Überlebens der Tumorerkrankung. Handelt es sich um einen durch HPV verursachten Tumor, wird das Protein p16 vermehrt produziert. Das Vorhandensein von HPV wird in Gewebeschnitten des Tumors nur anhand dieses Markers bestimmt. „Unklar war bisher, warum eine allgemein bessere Prognose nicht für alle Patienten mit p16-positivem Oropharynxkarzinom gilt. Denn viele Patienten erleiden trotz vollständiger Entfernung des Tumors und betroffener Lymphknoten und nachfolgender Strahlentherapie einen Rückfall“, sagt Prof. Dr. Andreas Dietz, Professor für HNO-Heilkunde an der Universität Leipzig.

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An der HNO-Universitätsklinik Leipzig wird unter Leitung von Professor Dietz seit vielen Jahren zu den Kopf-Hals-Karzinomen und speziell zu HPV-assoziierten p16-positiven Oropharynxkarzinomen sowie möglichen Verbesserungen der Therapie und zum Erhalt der Lebensqualität der Tumorpatienten geforscht. In einer kürzlich erschienenen Kohortenstudie untersuchten die Wissenschaftler primär chirurgisch behandelte Patienten mit fortgeschrittenen p16-positiven Oropharynxkarzinomen mit Lymphknotenmetastasen. „Dabei haben wir die prognostischen Faktoren umfassend analysiert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige prognostische Faktoren einen schlechteren Verlauf hinsichtlich der Wiederkehr der Krebserkrankung bedingen. Eine schlechtere Prognose haben Patienten mit p16-positiven Oropharynxkarzinomen, deren Lymphknotenmetastasen eine durch das Tumorwachstum zerstörte Kapsel aufwiesen, und diejenigen, bei denen der Subtyp HPV16 nicht nachgewiesen wurde“, sagt Dr. Gunnar Wichmann, Laborleiter des HNO-Forschungslabors. Diese Arbeit zeige die Notwendigkeit auf, für eine korrekte Prognose sowohl die pathologische Untersuchung der Lymphknotenmetastasen auf Kapseldurchbruch wie auch den Nachweis von HPV16 einzubeziehen. Der Nachweis von p16-Positivität allein dürfe keinen Anlass zu einer veränderten Therapie geben. 


Quelle: Universitätsklinikum Leipzig

03.05.2020

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