72-jähriger Patient mit einer negativen ultraschallgestützten Biopsie in der...
72-jähriger Patient mit einer negativen ultraschallgestützten Biopsie in der Anamnese und einem weiterhin steigendem PSA-Wert; zum Zeitpunkt der MRT ist der PSA-Wert bei 13 ng/ml. Im linken T2-gewichteten MRT-Bild zeigt sich eine signalabgesenkte (hypointense) karzinomverdächtige Läsion in der Transitionalzone linksseitig, die mit einem Targetmarker (T1) markiert ist. Die gezielte MR-Ultraschall-Fusionsbiopsie ergab ein azinäres Adenokarzinom der Prostata.

Gemeinsam stark

Prostata: Fusion von Ultraschall und MRT

Die Kombination von Fusionsbiopsie mit der herkömmlichen Zwölffach-Stanzbiopsie ist der alleinig durchgeführten Zwölffach-Stanzbiopsie bei der Diagnose von Prostatakrebs überlegen. In den Leitlinien wird eine primäre Fusionsbiopsie allerdings noch nicht empfohlen.

Bericht: Michael Krassnitzer

Seit die MRT-Untersuchung in der entsprechenden S3-Leitlinie nach negativer Zwölffach-Stanzbiopsie und persistierendem Karzinomverdacht empfohlen wird, wollen immer mehr Patienten die Vorteile der MRT-Bildgebung auch darüber hinaus nutzen. „Patienten sind heute gut informiert und wissen, dass es auf Basis des vorliegenden MRT-Bildes möglich ist, einen möglichen suspekten Befund zu erfassen. Denn viele Läsionen sind nur im MRT und nicht im Ultraschall sichtbar“, erklärt Prof. Dr. Dirk-André Clevert von der Klinik und Poliklinik für Radiologie des Klinikums der Universität München, der das interdisziplinäre Ultraschallzentrum vor Ort leitet. Die Patienten suchen eine Option, die den hochauflösenden Ultraschall mit der MRT-Technik kombiniert, um anschließend dann eine punktgenaue Fusionsbiopsie durchzuführen.

Im Extremfall findet die Zwölffach-Biopsie kein Tumorgewebe, während mit der Fusionsbiopsie sehr wohl ein Karzinom detektiert wird

Dirk-André Clevert

Dabei werden einzelne Sequenzen der MRT-Bilder, in denen die suspekten Bereiche erkennbar sind, in ein High-End-Ultraschallsystem aufgespielt. Dann werden die Bilder in einer Echtzeit-Ultraschall-Untersuchung mit den Bildern des MRT überlagert und synchronisiert. „Sind die Aufnahmen beider Modalitäten einmal abgeglichen, kann man mit dem Ultraschallkopf durch die MRT-Bilder scrollen wie mit einer Computermaus durch eine Bildersequenz“, erzählt Clevert. In einem zweiten Schritt wird die im MRT-Bild sichtbare suspekte Läsion markiert und dieser Marker dann parallel dazu auf das Ultraschallbild übertragen. „Daher weiß ich, wo ich die Biopsienadel platzieren muss, um den suspekten Herd, der im Ultraschall-B-Bild allein nicht immer sichtbar ist, gezielt zu punktieren.“

„Immer mehr Studien belegen, dass die Fusionsbiopsie im Vergleich zur Zwölffach-Stanzbiopsie eine höhere Detektionsrate von Karzinomen aufweist“, weiß Clevert. Die gezielte Fusionsbiopsie ist der herkömmlichen Biopsie, bei der ungezielt mit zwölf in einem geometrischen Muster verteilten Biopsien aus der Prostata entnommen wird, überlegen. Dies entspricht auch den Erfahrungen am Ultraschallzentrum des Münchener Universitätsklinikums, wo bislang gemeinsam mit der urologischen Klinik rund 750 Patienten einer Fusionsbiopsie unterzogen wurden. „Im Extremfall findet die Zwölffach-Biopsie kein Tumorgewebe, während mit der Fusionsbiopsie sehr wohl ein Karzinom detektiert wird.“

Photo
Quelle: Prof. Dr. Dirk-André Clevert von der Klinik und Poliklinik für Radiologie des Klinikums der Universität München.

In den Guidelines freilich ist nach wie vor die Zwölffach-Stanzbiopsie als Goldstandard festgelegt. In multizentrischen Studien muss nun bewiesen werden, dass dieses Verfahren einen Vorteil gegenüber der Zwölffach-Stanzbiopsie hat, um es dann in die Routinediagnostik zu implementieren. Allerdings wird der Druck seitens der Patienten, die eine Fusionsbiopsie einfordern, immer größer. Viele Patienten sind auch bereit, die Untersuchung selbst zu organisieren. „Die Sicherheit, die sie dadurch gewinnen, ist ihnen das wert“, sagt Clevert: „Wenn es mich selbst betreffen würde, würde ich aufgrund unserer Erfahrungen auch zu einer Fusionsbiopsie tendieren.“

Der Münchner Radiologe ist überzeugt, dass sich dies in der nächsten Aktualisierung der Guidelines niederschlagen wird. Um den derzeitigen Leitlinien gerecht zu werden, wurde am Klinikum gemeinsam mit der Urologischen Klinik folgender Behandlungsablauf festgeschrieben: Bei der Diagnostik des Prostatakarzinoms wird zunächst eine Fusionsbiopsie mit zwei Biopsien pro Läsion durchgeführt, danach die geforderte Zwölffach-Stanzbiopsie.

Die Vorteile der MRT-Bildgebung können beim Prostatakarzinom nicht nur für die Diagnostik, sondern auch für die sich anschließende Therapie genutzt werden. Eine der möglichen Behandlungsoptionen des Prostatakarzinoms ist die HIFU-Methode (High-Intensity Focused Ultrasound). Dabei werden einzelne Areale in der Prostata mittels hochenergetischem Ultraschall verkocht, so dass es zu einer mikrothermischen Koagulation und in der Folge einer Nekrose des Tumorgewebes kommt. „Bei einer Kontrolluntersuchung mittels Fusionsbildgebung lässt sich der Behandlungserfolg gut kontrollieren“, so Clevert abschließend.

Profil:

Prof. Dr. Dirk-André Clevert ist a der Klinik und Poliklinik für Radiologie des Klinikums der Universität München-Großhadern tätig. Er begann seine berufliche Laufbahn am MRT-Diagnostik-Institut Westend in Berlin und in der Abteilung Innere Medizin am Waldkrankenhaus Gransee. Danach war er drei Jahre lang Assistenzarzt in der Radiologischen Abteilung des Klinikums Passau. 2003 siedelte der gebürtige Berliner nach München um. Von der ersten Stunde an betreute er das im August 2004 gegründete Interdisziplinäre Ultraschall-Zentrum am Klinikum der Universität München, an dem die meisten Ultraschallaktivitäten des Hauses zusammenlaufen.

Veranstaltungshinweis:
Freitag, 28. September 2018, 12:10–12:30
Raum: Röntgen-Saal
Session: Symposium 3 - Hot Topic Prostata – Bildgebung und Therapie
Gezielte Diagnosesicherung – MRT/TRUS Fusionsbiopsie und MRT-inbore-Biopsie
Prof. Dr. Dirk-Andre Clevert (München)

28.09.2018

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