Perkutane Verfahren – üben, üben, üben
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Firma SkillsMed

Nichts für Simulanten

Perkutane Verfahren – üben, üben, üben

Bereits 2016 fand ein erfolgreicher Hands on Workshop zum Thema „Perkutane Interventionen“ auf dem RadiologieKongressRuhr statt. Junge Ärzte konnten anhand von Fallbeispielen am Simulator lernen, welche Möglichkeiten einfache, aber auch komplexe Interventionen bieten.

Bericht: Marcel Rasch

2017 liegt der Schwerpunkt auf noch weiteren  perkutanen Verfahren der Radiologie, die in ihrer Bandbreite vielfältig sind. Einen Überblick über die Methoden und Möglichkeiten bietet Prof. Dr. Patrick Haage, Direktor des Zentrums für Radiologie am Universitätsklinikum Wuppertal, der den Workshop beim RKR gemeinsam mit Prof. Kickuth auch dieses Jahr wieder leiten wird.

Der Ultraschall ist weit vorne

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Prof. Dr. Patrick Haage ist Direktor des Zentrums für Radiologie am Universitätsklinikum Wuppertal.

Postoperative und andere krankhafte Entitäten wie Abszesse, Serome, infizierte Hämatome und falsche Aneurysmata, die minimal invasiv perkutan angegangen werden können, sind ein den Radiologen im klinischen Alltag häufig begegnendes Thema. „Grundsätzlich sind die Vorteile minimal-invasiver Eingriffe auch evidenzbasiert unbestritten“, betont Haage. In vielerlei Hinsicht wird bei den bildgesteuerten Verfahren der Ultraschall gerne eingesetzt, wenn möglich, und indiziert. „Während bei aufwändigen Eingriffen zumeist CT gestützt interveniert wird, behandeln wir inzwischen aufgrund der real time Eigenschaften und der hervorragenden Bildauflösung zunehmend mittels Ultraschall - ein Beispiel ist das Aneurysma spurium der Leiste“, freut sich Haage auf den kommenden Workshop.

Der große Vorteil des Ultraschalls liegt auf der Hand: keine Strahlenbelastung für den Patienten. „Es gibt ausreichend Patientenkollektive, bei denen man sich noch mehr als sonst Gedanken um die Strahlenbelastung machen muss, von Risikopatienten über Schwangere bis zu Kindern. Der Ultraschall bietet uns eine fantastische Möglichkeit, die Strahlenbelastung zu vermeiden und trotzdem interventionell sehr effektiv tätig zu werden.“

Interventionelle Onkologie findet zunehmend Beachtung

Was minimal-invasiv behandelt werden kann und die Auswirkungen für den Körper gering hält, sollte man versuchen anzubieten

Patrick Haage

Auch die interventionelle Onkologie ist derzeit ein spannendes Arbeitsfeld für perkutane Methoden. „In den Leitlinien findet die interventionelle Onkologie zunehmend Beachtung und die Möglichkeiten, die sich hier bieten, sind zahlreich“, verdeutlicht Haage. Von der Radiofrequenzablation (RFA), die Tumoren gezielt verkocht, über die Mikrowellenablation und die Kryoablation reicht die Palette an primär CT-gesteuert praktizierten Anwendungen, die allesamt eine gute Wahl sind. „Die größte Erfahrung liegt derzeit mit der RFA vor. Insbesondere im Bereich der Leber, bei Leberzellkarzinomen, seltener Lebermetastasen und des Weiteren bei Raumforderungen der Nieren und der Lunge ist die RFA eine mittlerweile etablierte und nachgewiesen effektive Methode“, erklärt der Radiologe.

Wichtig ist ihm zu betonen, dass Tumoren nicht nur über den vaskulären Zugang behandelt werden können, sondern auch direkt perkutan. „Mittlerweile sind viele dieser Methoden im Alltag von radiologischen Abteilungen der Krankenhäuser und Kliniken angekommen: Was minimal-invasiv behandelt werden kann und die Auswirkungen für den Körper gering hält, sollte man versuchen anzubieten“, so Haage.

Auch gutartige Veränderungen lassen sich perkutan wunderbar behandeln. „Das Osteoid-Osteom ist hier ein gutes Beispiel“, erläutert der Radiologe. „Dieser benigne Tumor wurde vormals vom Chirurgen offen operativ reseziert. Heute wird dieser Eingriff standardmäßig perkutan durchgeführt per CT-gesteuerter Radiofrequenztherapie.“

Üben, üben, üben

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Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Firma SkillsMed

Grundsätzlich bietet die interventionelle Radiologie eine Bandbreite für perkutane Interventionen, wie sie wohl kaum in einem anderen Bereich zu finden sein wird. „Der Radiologe hat den großen Vorteil, dass sein Facharztkatalog dezidiert definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren fordert und abdeckt und er als Facharzt qualifiziert das Spektrum der minimal-invasiven Interventionen ausfüllen darf“, klärt Haage auf. Während beispielsweise der Gefäßchirurg eine Zusatzausbildung machen muss, um endovaskulär akkreditiert zu sein, ist der Radiologe bevorrechtigt, von der vaskulären Intervention bis zur Tumorbehandlung alle Interventionen durchzuführen. Haage: „Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass es besonders der nächsten Generation von Radiologen gut ansteht, sich nicht nur auf die Diagnostik zu konzentrieren, sondern ebenso auf weitere Aufgaben vorzubereiten. Hier im Besonderen natürlich der interventionelle Bereich der Radiologie, der Bestandteil der Weiterbildungsordnung ist. Auch mit diesem Anteil der Ausbildung sollte man sich auseinandersetzen - hier sitzen Radiologen nicht nur vor dem Monitor, sondern legen physisch Hand an den Patienten. Für den künftig im Krankenhaus wie in der Niederlassung arbeitenden Radiologen ist das Einstudieren solcher Verfahren in Workshops wie auf dem RadiologieKongressRuhr ein wichtiger Baustein.“


Profil:

Prof. Patrick Haage ist Direktor des Zentrums für Radiologie am Universitätsklinikum Wuppertal und Medizinischer Beirat der HELIOS Kliniken. Der Experte mit zusätzlichem MBA darf sich nicht nur zertifizierter DGQ-Qualitätsmanager im Gesundheitswesen nennen, sondern hält zudem den Lehrstuhl für Klinische Radiologie an der privaten Universität Witten/Herdecke. Der Autor von über 200 Veröffentlichungen ist ehemaliger Präsident der Vascular Access Society (VAS) und im Vorstand der Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe (CIRSE).


Veranstaltungshinweis:

Do, 9.11.2017, 14:00 – 17:00

Hands-on Workshop periphere Interventionen

Vorsitz: Vorsitz: Prof. Dr. Ralph Kickuth, Würzburg / Prof. Dr. Patrick Haage, Wuppertal / Prof. Dr. Marcus Katoh, Krefeld

Künstlergarderobe 4

08.11.2017

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