Vist G7, G7+ System
Vist G7, G7+ System

Quelle: Mentice

Interventionelle Radiologie

Mit dem Angiosimulator komplexe Interventionen simulieren

Interventionelle Prozeduren werden zunehmend komplexer, die Ansprüche an die Interventionalisten steigen. Angiosimulatoren erlauben das praktische Trainieren solcher endovaskulären Eingriffe. Im Dezember 2020 hat das Universitätsklinikum Essen als erstes europäisches Institut das Modell VIST G7+ der Firma Mentice installiert. Prof. Dr. Jens Theysohn, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie, ist begeistert: „Die siebte Geräte-Generation verarbeitet die neueste Sensor- und Haptiktechnologie und bietet eine Software mit zahlreichen neu entwickelten Verfahrensmodulen.“

Interview: Sascha Keutel

EH: Welche Vorteile hat ein Angiosimulator?
Theysohn: Angiographie ist die Darstellung der Blutgefäße invasiv mit Kontrastmittel. Normalerweise wird dem Patienten unter örtlicher Betäubung eine spezielle Punktionsnadel in eine Schlagader oder Vene eingeführt. Abhängig von der Fragestellung und den anatomischen Gegebenheiten wird der Katheter in die Aorta, die Leber oder in den Kopf vorgeschoben.

Der Angiosimulator ist ein Ausbildungs- und Trainingstool, das es dem Anwender erlaubt, einfache und auch komplexe Interventionen zu trainieren, ohne einen realen Patienten und ohne Strahlung auszulösen.

Das neue Gerät können wir erstmals an die reale Angiographie-Anlage anschließen. In anderen Worten, wir können die Angiographie nicht nur mit der Fernsteuerung des Simulators trainieren, sondern auch mit der realen Anlage steuern. Damit reduzieren wir die Anzahl klinischer Trainings an realen Geräten und minimieren die Strahlenbelastung.

Darüber hinaus werden wir ebenfalls das SiM Core-System anschaffen, welches eine realistische Simulation mit visuellem Feedback ermöglicht. Ein durchsichtiges Gefäßmodel macht es möglich, Beweglichkeit der verschiedenen Katheter und Sondierung bzw. Ablösung von Stents oder Coils „in echt“ zu simulieren und ein Gefühl dafür zu bekommen.

Wie funktioniert der VIST G7+ Simulator?
Der Angiosimulator wird über eine Software gesteuert, die auf einem Laptop gespeichert ist. Mit Hilfe dieser Software kann präzise definiert werden, wie sich der Katheter verhalten soll. Ich sehe ebenfalls ein virtuelles Röntgenbild, wie ich es normalerweise auch ‚live‘ sehen würde

Die Software beinhaltet ebenfalls Module, mit denen verschiedene Behandlungen simuliert werden können. In diese Module ist eine Vielzahl von virtuellen Patienten eingespeichert, deren Fälle bearbeitet werden können. Dazu gehören beispielsweise die Embolisation eines Lebertumors, einer Prostatavergrößerung, die Thrombektomie beim Schlaganfall, die Aneurysma-Behandlung oder die Therapie akuter Blutungen im Bauch.

SiM Core
SiM Core

Quelle: Mentice

Was beinhaltet die Software noch?
Mit der Simulationssoftware verknüpft ist eine Lern-App für das Smartphone, mit sich der Anwender zu ausgewählten Themen fortbilden kann. Die App bereitet die Themen inhaltlich je nach Wissens- und Ausbildungsstand auf. Wenn ausreichend Basiswissen angeeignet wurde, verweist diese darauf, einen virtuellen Fall zu simulieren. Nach ersten praktischen Erfahrungen am Simulator, kann dann tiefer in die Materie eingestiegen werden.

Mentice bietet mit dem Vist G7 + auch eine Premium-Version ihrer Plattform an. Das heißt, es können zwei Kathetersysteme und Drähte gleichzeitig in der Simulation anwendet werden, z.B. beim Ballon-assistierten Coiling.

Diese Funktion ermöglicht es den Anwendern, komplexere Interventionen realistisch zu planen und zu simulieren. Das ist beispielsweise dann notwendig, wenn man im Gehirn ein Aneurysma coilt, also eine platinbeschichtete Spirale implantiert. Möchte man verhindern, dass dieser hinausrutscht, muss ein zweiter Katheter mit einem Ballon gelegt werden. Dies lässt sich nun einfacher trainieren.

Wann und wo setzen Sie den Angiosimulator ein?
Bislang kommen Assistenzärzte erst im dritten oder vierten Jahr ihrer Facharztausbildung mit der Angiographie in Berührung. Das ist meiner Meinung nach viel zu spät. Sie sollten schon viel früher die Möglichkeit erhalten, sich mit Interventionen auseinanderzusetzen.

Wir setzen den Angiosimulator ein, um unabhängig vom Patientenalltag eine größere Anzahl von Assistenzärzten die Möglichkeit zu geben, angiographische Erfahrungen zu sammeln. Also den Umgang mit oder das Steuerungsverhalten von Katheter zu erlernen, so dass sie bei der Behandlung ihres ersten Patienten bereits über Vorerfahrungen verfügen. Er ist aber auch für erfahrene Fachärzte gedacht, die sich in neue Verfahren oder Organe einarbeiten wollen.

Wir möchten bei uns an der Universität die vorklinische oder die studentische Ausbildung noch enger mit dem realen klinischen Alltag verzahnen. Daher planen Kollegen aus der Intervention und Anatomie in einem gemeinsamen Projekt mit der Firma Mentice ein Software-Modul zu erstellen, mit der Medizinstudenten die Gefäßanatomie erlernen können. Mit diesem Modul könnten sie relativ einfach in klinische Fälle einsteigen und dann mit Hilfe des Simulators erste praktische Erfahrungen sammeln.

16.02.2021

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