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News • Prozessoptimierung
OP-Workflows: Struktur schlägt Tempo
In deutschen OP-Bereichen entscheidet heute nicht mehr allein die individuelle Leistungsfähigkeit über den Erfolg, sondern vor allem die Qualität der zugrunde liegenden Prozesse. Steigende Fallzahlen, knappe Personalressourcen und häufige kurzfristige Änderungen im OP-Plan machen deutlich: Der OP muss als Gesamtsystem funktionieren – nicht als Aneinanderreihung einzelner Höchstleistungen.
Gastbeitrag von Rebecca Traineau, Operational Excellence Associate bei Bergman Clinics Deutschland
Moderne OP-Optimierung im Sinne von Operational Excellence bedeutet daher nicht, schneller zu arbeiten, sondern stabiler, planbarer und vorausschauender. Ziel ist es, Fehler zu vermeiden, Abläufe kontinuierlich zu verbessern und Entscheidungen auf Basis belastbarer Daten zu treffen – ohne die Teams zusätzlich zu belasten.
Erfahrungen aus OP-Optimierungsprojekten bei Bergman Clinics Deutschland zeigen, dass durch strukturierte Prozessarbeit OP-Wechselzeiten um mehr als 60% reduziert werden können. Gleichzeitig steigt die tatsächlich nutzbare OP-Kapazität zweistellig. Dieser Effekt entsteht nicht durch mehr Tempo, sondern durch bessere Abstimmung, klare Zuständigkeiten und verlässliche Abläufe. Rebecca Traineau, Operational Excellence Associate im Klinikverbund, erklärt, wie das gelingen kann.
Fehler entstehen an Schnittstellen – nicht am OP-Tisch
Im OP-Alltag sind Verzögerungen oder Fehler selten auf einzelne Personen zurückzuführen. In der Praxis entstehen sie meist dort, wo Prozesse aufeinandertreffen:
- bei Übergaben zwischen OP, Anästhesie, Pflege und Station,
- bei unklaren Verantwortlichkeiten oder
- bei fehlenden bzw. verspäteten Informationen.
Diese Schnittstellenprobleme führen zu Unterbrechungen, Rückfragen und kurzfristigen Planänderungen. Das kostet Zeit, erhöht den Stress im Team und kann sowohl Effizienz als auch Patientensicherheit beeinträchtigen.
Prozesslandkarten helfen, genau diese kritischen Punkte sichtbar zu machen. Sie zeigen, wo Entscheidungen getroffen werden, wo Informationen fehlen oder zu spät ankommen und wo Abläufe unnötig nacheinander statt parallel organisiert sind. So wird Fehlervermeidung nicht zur individuellen Aufgabe einzelner Mitarbeitender, sondern zu einer Eigenschaft des Systems.
Standardisierung als Basis für Lernen und Verbesserung
Standardisierte Abläufe sind kein Selbstzweck und kein starres Korsett. Sie schaffen vielmehr die Voraussetzung dafür, Abweichungen überhaupt erkennen und sinnvoll bewerten zu können. Nur wenn klar ist, wie ein Prozess im Soll ablaufen soll, lassen sich Unterschiede zum Ist-Zustand gezielt analysieren.
In OP-Bereichen mit stabilen Standards verändert sich die Art der Diskussion spürbar. Der Fokus liegt nicht mehr auf einzelnen „Problemfällen“, sondern auf systematischen Fragen wie:
- Wo treten Abweichungen regelmäßig auf?
- Welche Schnittstellen sind besonders störanfällig?
- Welche Variationen sind medizinisch notwendig und welche sind historisch gewachsen?
So entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der auf strukturiertem Lernen basiert statt auf Aktionismus.
KPIs als Steuerungsinstrument – nicht zur Kontrolle
Ein zentraler Baustein nachhaltiger OP-Optimierung ist das gezielte Monitoring weniger, aber relevanter Kennzahlen. Es geht nicht darum, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern diejenigen KPIs zu nutzen, die den OP-Betrieb tatsächlich steuerbar machen.
Bewährt haben sich unter anderem:
- relative Wechselzeiten
- Abweichungen zwischen geplanter und tatsächlicher OP-Dauer
- Startzeit-Stabilität
- Auslastungsgrad je OP-Saal
- kurzfristige Planänderungen und deren Ursachen
Entscheidend ist dabei der Umgang mit diesen Zahlen. KPIs dienen nicht der Bewertung individueller Leistung, sondern als Frühwarnsystem für Prozess-Instabilitäten und strukturelle Engpässe. Regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche schaffen Transparenz darüber, wo Kapazität verloren geht und wo gezielt nachgesteuert werden sollte.

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Von der Rückschau zur Vorausschau: OP-Steuerung neu denken
Der eigentliche Mehrwert datenbasierter Prozessarbeit liegt in der vorausschauenden Planung. Wenn KPI-Trends konsequent ausgewertet werden, lassen sich Auslastungsspitzen, Personalbedarfe und potenzielle Engpässe frühzeitig erkennen.
OP-Planung entwickelt sich damit von einer reaktiven Aufgabe zu einem steuerbaren System: Personalbedarfe lassen sich aus realen Prozesszeiten ableiten. Engpässe werden sichtbar, bevor sie den OP-Tag destabilisieren. Anpassungen erfolgen geplant statt kurzfristig und hektisch. Das erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die Planungssicherheit für die Mitarbeitenden. Ein wesentlicher Faktor für Arbeitszufriedenheit und langfristige Bindung.
Struktur entlastet – nicht Geschwindigkeit
Ein zentrales Ergebnis strukturierter OP-Optimierung ist die Erkenntnis, dass Leistungssteigerung nicht durch Beschleunigung entsteht. Kürzere Wechselzeiten und weniger Fehler sind das Resultat klarer Rollen, stabiler Übergaben und sinnvoller Parallelisierung. In OP-Bereichen, die auf dieser Basis arbeiten, treten Unterbrechungen seltener auf und auch der Abstimmungsaufwand sinkt. Abläufe werden berechenbarer, auch bei wechselnder Besetzung. Die zusätzliche Kapazität ist damit kein kurzfristiger Effekt, sondern Ausdruck eines robusten Systems.
Fazit: OP-Exzellenz ist eine Systemfrage
Nachhaltige OP-Optimierung im Sinne von Operational Excellence bedeutet, Prozesse so zu gestalten, dass sie effizient, fehlerarm und lernfähig sind. Prozesslandkarten, standardisierte Abläufe und ein konsequentes KPI-Monitoring bilden gemeinsam die Grundlage für eine OP-Steuerung, die Kapazitäten erhöht, ohne zusätzliche Ressourcen zu verbrauchen.
Kliniken, die OP-Prozesse nicht nur dokumentieren, sondern aktiv steuern und kontinuierlich weiterentwickeln, schaffen die Voraussetzungen für planbare Leistung, stabile Teams und eine dauerhaft hohe Versorgungsqualität.
Quelle: Bergman Clinics
12.03.2026



