Artikel • Mediastinale Raumforderungen

Mit Systematik eine einfache Diagnose

Die Thorax-CT-Diagnostik gehört zum täglichen Brot-und-Butter-Geschäft des Radiologen. Dabei geht es nie bloß um das reine Betrachten von Bildern, sondern vor allem darum, das Gesehene richtig zu interpretieren. Pathologische Veränderungen, die vom Mediastinum ausgehen, sind zwar selten, aber vielfältig.

Hier kommt eine ganze Reihe von Raumforderungen vor, die von bösartigen Neubildungen bis zu gutartigen, nicht weiter abklärungsbedürftigen Raumforderungen reichen. Die gute Nachricht: Durch eine systematische Herangehensweise lassen sich in den meisten Fällen dennoch sehr sichere Bilddiagnosen stellen. Worauf es bei der radiologischen Befundung von medias-tinalen Raumforderungen genau ankommt, berichtet Priv.-Doz. Dr. Thomas Henzler, Leiter des Geschäftsfelds „Kardiothorakale Bildgebung und Computertomographie“ am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Mannheim.

Mediastinale Raumforderungen betreffen meistens Patienten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Es gibt jedoch auch Erkrankungen, die insbesondere im Kindesalter auftreten, beispielsweise das bösartige Neuroblastom, das Hodgkin-Lymphom oder kindliche Keimzelltumoren. „Allein durch das Alter des Patienten und die exakte Lokalisation der Läsion können wir mithilfe bildgebender Verfahren bereits in 95 Prozent der Fälle sagen, um was für eine Veränderung es sich genau handelt“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Henzler, „das ist auch insofern wichtig, als dass das Mediastinum für Biopsien häufig nur schwer zugänglich ist. Da mediastinale Erkrankungen ihren Ausgangspunkt in der Regel an ganz typischen Stellen nehmen, ist die Computertomographie für diese Art von diagnostischer Fragestellung besonders gut geeignet, weil sie dabei hilft, sich in den anatomischen Strukturen räumlich hochauflösend zurechtzufinden.“

Die Abbildung zeigt drei Beispiele mediastinaler Raumforderungen. Abbildung A...
Die Abbildung zeigt drei Beispiele mediastinaler Raumforderungen. Abbildung A zeigt eine große Raumforderung des vorderen Mediastinums mit homogener Dichteverteilung (Lymphom). Der Schlüssel zur Diagnose der Raumforderung in Abbildung B liegt ebenfalls in der exakten anatomischen Zuordnung im mittleren Mediastinum angrenzend an das Herz und der homogenen flüssigkeitsäquivalenten Dichte (Perikardzyste). Dasselbe gilt für die in Abbildung C abgebildete Raumforderung eines Kindes: Im Gegensatz zu den Läsionen in A und B zeigt diese im hinteren Mediastinum gelegene Raumforderung kleine Verkalkungen sowie Nekrosen, wodurch die Diagnose eines Neuroblastoms aufgrund von Alter, Lage und Dichtewerten klar gestellt werden kann.

Damit die topograhische Zuordnung noch besser gelingt, wird das Mittelfell in drei Kompartimente eingeteilt: das vordere Mediastinum (Mediastinum anterius) vor dem Herzbeutel zwischen Perikard und Sternum, das mittlere Mediastinum (Mediastinum medium), vor allem vom Herzen und dem Herzbeutel ausgefüllt, sowie das hintere Mediastinum (Mediastinum posterius) dorsal des Herzbeutels, zwischen Perikardhinterwand und Wirbelsäule. Die häufigsten Läsionen des vorderen Mediastinums stellen Tumoren des Thymus, Lymphome (zum Beispiel Hodgkin-Lymphom) und Keimzelltumoren dar. Im mittleren Mediastinum sind Zysten, die vom Bronchialsystem oder Perikard ausgehen, am verbreitetsten. Raumforderungen, die ihren Ursprung im Nervengewebe nehmen, treten typischerweise im hinteren Mediastinum auf.

Gut- oder bösartig – das ist hier die Frage

Letztendlich geht es immer um die Frage: Muss operiert werden oder nicht?

PD Dr. Thomas Henzler

Woran erkennt man aber, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt? „An den Dichtewerten“, so Henzler, „bösartige Lymphome weisen beispielsweise eine sehr homogene Verteilung der Dichte auf, während sich harmlose Zysten durch einen hohen Flüssigkeitsanteil auszeichnen. Darüber hinaus spielt das Vorhandensein von Kalk, Fett und Einblutungen eine entscheidende Rolle bei der Differenzialdiagnose. Letztendlich geht es dabei immer um die Frage: Muss operiert werden oder nicht?“ Da maligne mediastinale Raumforderungen meist erst dann erkannt werden, wenn sie sich durch allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust oder eine Myasthenie bemerkbar machen, sind die umliegenden anatomischen Strukturen häufig mitbetroffen. Denn im Mediastinum liegen nicht nur Nerven, Gefäße und Lymphbahnen, sondern auch andere Organe wie Speiseröhre und Herz. Die Behandlungsstrategie hängt also ganz entscheidend vom Malignitätsgrad und der Ausdehnung des Tumors ab – und damit von einer zuverlässigen Diagnose.

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Priv.-Doz. Dr. Thomas Henzler, Leiter des Geschäftsfelds „Kardiothorakale Bildgebung und Computertomographie“ am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Mannheim.

Profil:
PD Dr. Thomas Henzler studierte Medizin in Ulm und Bern. Seine Facharztausbildung absolvierte er am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Mannheim. Zwei Forschungsaufenthalte führten ihn in dieser Zeit auch in die radiologische Abteilung der Medizinischen Universität in South Carolina. Seit April 2012 ist er Sektionschef der kardiothorakalen Bildgebung und Leiter der Computertomographie am Institut für Klinische Radiologie der Universitätsmedizin Mannheim der Universität Heidelberg. Seit 2013 leitet er außerdem die klinische Studienkoordination zur radiologischen und nuklearmedizinischen Bildgebung vor Ort. Ebenfalls im Jahr 2012 habilitierte Henzler im Fach Radiologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.


Veranstaltung
Freitag, 22.01.2016, 9:10 Uhr
Mediastinale Raumforderungen
Thomas Henzler, Mannheim
Session: Lunge 1

15.01.2016

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