Prof. Raz Jelinek​ (links) und Dr. Ravit Malishev
Prof. Raz Jelinek​ (links) und Dr. Ravit Malishev

Bildquelle: Ben-Gurion University of the Negev

Molekulares Werkzeug gegen Superkeime

"Mini-Pinzetten" als Waffe gegen resistente Bakterien

Forscher der Ben-Gurion University (BGU) haben mit Kollegen aus den USA und Deutschland neue "molekulare Pinzetten" gegen antibiotikaresistente Bakterien entwickelt.

Diese molekularen Pinzetten könnten der Schlüssel zur Bekämpfung eines der größten Probleme der öffentlichen Gesundheit im 21. Jahrhundert sein, meinen die Wissenschaftler. Details wurden in "Cell Chemical Biology" veröffentlicht.

Laut Forschungsleiter Raz Jelinek verhindert diese Entdeckung eine Infektion, ohne eine Resistenz gegen Antibiotika aufzubauen. Sie könnte sogar vorzuziehen sein, um Behandlungen zu entwickeln, die auf molekularen Pinzetten statt auf Antibiotika beruhen. Jelinek und Kollegin Ravit Malishev haben die Pinzetten am Bakterienstamm Staphylococcus aureus getestet. In den USA verfügen die so verursachten Infektionen über eine geschätzte Sterblichkeit von mehr als 25 Prozent. Bei Stämmen, die gegen Medikamente resistent sind, liegt dieser Wert bei 40 Prozent.

Wir haben ermittelt, dass das Anbinden der Pinzette an den Biofilm seine schützenden Fähigkeiten durchbricht

Raz Jelinek

Die Pinzetten zielen auf den Biofilm ab, eine dünne Faserschicht, die das Bakterium schützt. Durch das Packen der Fasern und die Zerstörung der Schutzschicht beeinträchtigt die Pinzette das Bakterium, ohne es direkt anzugreifen. So wird das Auftreten einer Resistenz verhindert. Laut Jelinek ist diese Pinzette wie eine, die im Haushalt verwendet wird, nur eine Million Mal kleiner. Anstatt Haare zu entfernen, greift sie die Fasern des Biofilms der Bakterien an. Dadurch wird der Biofilm aufgebrochen und damit anfälliger für die Abwehrkräfte des Menschen und externe Substanzen, die wie Antibiotika gegen Bakterien zum Einsatz kommen. "Der Erfolg der Studie weist auf eine innovative Richtung für die Behandlung von pathogenen Bakterien mit Antibiotika hin. Wir haben ermittelt, dass das Anbinden der Pinzette an den Biofilm seine schützenden Fähigkeiten durchbricht", so Jelinek. In der Folge werden die Krankheitserreger im Körper weniger virulent und anfälliger für die Zerstörung durch das Immunsystem. "Dieser Durchbruch könnte neue Wege in der Bekämpfung antibiotikaresistenter Bakterien eröffnen." Er hofft, dass nach Tests eine Tablette, die Millionen verschluckbarer Pinzetten enthält, Biofilme im Körper identifizieren und sie zerreißen kann.

Quelle: Ben-Gurion University of the Negev/pressetext

12.05.2021

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