Nils Metzler-Nolte kooperierte mit seinem Kollegen Seth Cohen aus den USA, der...
Nils Metzler-Nolte kooperierte mit seinem Kollegen Seth Cohen aus den USA, der als Gast der RUB Research School in Bochum war.

© RUB, Marquard 

Schlüssel zu neuen Wirkstoffen

Metallmoleküle als 'Herz' für neue Medikamente

Ein deutsch-amerikanisches Forschungsteam hat ein neues Konzept zur Herstellung von Wirkstoffen gegen Krebs, Bakterien oder Viren vorgestellt:

Dreidimensionale metallhaltige Moleküle, die in alle Richtungen Verbindungen mit anderen Molekülen, sogenannten Liganden, eingehen, funktionieren wie Bausteine. Indem man sie mit weiteren Funktionen ausstattet, kann man schneller zu neuen Medikamenten gelangen, hofft das Team um Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und Prof. Dr. Seth Cohen von der University of California in San Diego (UCSD). Das Team berichtet in der Zeitschrift Chemical Science. Ihre Arbeit ist im Journal als „Pick of the week“ hervorgehoben.

Wir hoffen, dass einige dieser Bausteine in acht bis zehn Jahren Bestandteil neuer, vielleicht lebensrettender Medikamente sein werden

Seth Cohen

Das Besondere an den molekularen Bausteinen ist ihre dreidimensionale Gestalt. Organische Verbindungen, auf denen Wirkstoffe heute meistens beruhen, sind eher länglich oder flach. „Man kann sich diese Verbindungen wie einen Schlüsselrohling vorstellen“, erläutert Seth Cohen. „Herkömmliche, flache Schlüssel passen in konventionelle Schlösser, aber für andere Schlösser brauchen wir anders geformte Schlüssel.“

Die einzigartige dreidimensionale Gestalt der neuen Bausteine beruht darauf, dass sich in der Mitte ein Metallzentrum befindet, das in alle drei Raumrichtungen Bindungen mit anderen Molekülen eingehen möchte und kann. Das erlaubt es den Bausteinen, an wichtige Biomoleküle zu binden, mit denen man Krankheiten behandeln kann.

Bei der Auswahl der Metallverbindungen kam es den Forschern vor allem darauf an, dass sie nicht zu groß sind, dass sie mit anderen Molekülen wechselwirken können und dass sie die Möglichkeit zur weiteren Funktionalisierung haben. „Denn die Verbindungen selbst sind keine Wirkstoffe gegen Erkrankungen“, unterstreicht Nils Metzler-Nolte. „Wir stellen hier ein Konzept vor, mit dem man schneller und effizienter zu Grundbausteinen für mögliche neue Medikamente kommen kann.“ Wie der Schlüsselrohling braucht es eine Anpassung, um ins Schloss zu passen oder eben ein Wirkstoff zu werden. „Wir hoffen, dass einige dieser Bausteine in acht bis zehn Jahren Bestandteil neuer, vielleicht lebensrettender Medikamente sein werden“, so Seth Cohen.


Quelle: Ruhr-Universität Bochum (RUB)

15.01.2020

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