"Kalte" Laserablation

Laser statt Knochensäge

Das Schweizer Medizintechnik-Unternehmen Advanced Osteotomy Tools – AOT AG – vermeldet den erstmaligen klinischen Einsatz (First-In-Man) des CARLO-Gerätes in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Basel.

Das System wurde während der Durchführung einer transoralen Mittelgesichtsosteotomie eingesetzt. Zum ersten Mal wurde der Schnitt des menschlichen Knochens mithilfe eines robotergestützten Laser-Osteotoms, anstelle eines herkömmlichen Instruments, wie beispielsweise einer Säge, eines Bohrers oder einer Fräse, durchgeführt. AOT ist das erste Unternehmen weltweit, das eine chirurgische Roboterplattform entwickelt hat, um Knochen mittels ‘kalter‘ Laserablation zu schneiden und Knochenstrukturen intakt und vital zu erhalten.

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Cyrill Bätscher, CEO von AOT, mit dem CARLO-System
Quelle: Uni Basel

CARLO (das Akronym steht für Cold Ablation Robot-guided Laser Osteotome) bietet einen Ansatz, um Osteotomien gemäß vorgeplanten Schnittlinien mittels eines komplett digitalen Workflows und kalter Laserablation automatisch und präzise durchzuführen. Die momentane klinische First-In-Man-Studie, welche als Basis für die Markteinführung dient, soll die Leistungsfähigkeit und Sicherheit des Geräts im klinischen Umfeld demonstrieren. Die drei an der Studie beteiligten Krankenhäuser sind das Universitätsspital Basel, das Kantonsspital Aarau, sowie das Allgemeine Krankenhaus Wien (AKH).

Cyrill Bätscher, CEO von AOT, kommentiert: „Es freut uns sehr, dass wir den klinischen First-In-Man-Einsatz von CARLO erreicht haben. Es wurde erstmalig eine kontaktlose robotische Chirurgie durchgeführt, welche durch unsere Lasertechnologie ermöglicht wurde.“ Basierend auf den Erfahrungen der ersten Welle der robotischen Chirurgie in den 1990er-Jahren, ist bekannt, dass die Haptik eine entscheidende Rolle für die Patientensicherheit spielt, erklärt Bätscher. „Obwohl der Laser selbst keine Haptik besitzt, kann CARLO mit Lichtgeschwindigkeit gestoppt und bei unvorhergesehenen Ereignissen leicht entfernt werden. Das ist mit den heutigen robotergestützten Geräten nicht möglich“, sagt Prof. Philipp Jürgens, CMF-Chirurg am Universitätsspital Basel und Mitbegründer von AOT.

Es kommen keine mechanischen Instrumente mehr zum Einsatz, die sich unter Last verformen

Erich Platzer

Das Gerät hat eine umfangreiche Phase der Entwicklung, des Designs und des Testens durchlaufen. Darüber hinaus wurden die Leistung und Sicherheit in mehreren präklinischen Studien zufriedenstellend geprüft. Es wurde nachgewiesen, dass der Knochenheilungsprozess schneller verläuft und die Fähigkeit, frei definierbare Schnittmuster durchzuführen, neue und schonendere Operationstechniken erlaubt. Darüber hinaus ist der Laser universell einsetzbar; im Prinzip kann man Knochen von Kopf bis Fuß schneiden. „Die Digitalisierung hält auch in die Operationssäle Einzug. Die kontaktlose Lasertechnologie CARLO ermöglicht es, den gesamten Prozess (‘Patient Journey‘) vollständig zu digitalisieren. Außerdem kommen keine mechanischen Instrumente mehr zum Einsatz, die sich unter Last verformen“, betont Dr. Erich Platzer, Vorsitzender des AOT-Verwaltungsrates.

„Wir gehen davon aus, dass das klinische Interesse an dieser innovativen Plattform nach der Freigabe für den kommerziellen Vertrieb in den kommenden Monaten groß sein wird“, führt Bätscher abschließend aus. Die Laser-Osteotomie ist ein aufstrebendes neues Feld in der Knochenchirurgie mit großem Potenzial. So arbeitet AOT derzeit auch an einer Echtzeit-Gewebeanalyse. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und dem Feedback des Lasers wird es möglich sein, krankes und gesundes Gewebe in Echtzeit während des Schneidens zu unterscheiden.


Quelle: Advanced Osteotomy Tools (AOT)

12.07.2019

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