Kontrastmittelsonographie am Point-of-Care

Die Kontrastmittelsonographie zeigt ihre diagnostische Leistungsfähigkeit und bietet neue Erkenntnisse.

Dr. Fabio Piscaglia
Dr. Fabio Piscaglia
Quelle: Dr. Fabio Piscaglia

Unter Radiologen und Radiologietechnikern hat sich der Einsatz der Kontrastmittelsonographie (KM-Sonographie) in den letzten Jahren stabilisiert: Sie wird heute  neben anderen, etablierteren Verfahren genutzt. Bei anderen Disziplinen, insbesondere solchen, die nah am Patienten arbeiten, erobert der Kontrastultraschall immer mehr Felder – von der inneren Medizin über die Gastroenterologie, Nephrologie, Chirurgie bis zur Endokrinologie und darüber hinaus.

In Italien ist der Ultraschall seit den 1970er Jahren eine sehr beliebte Modalität, auch die KM-Sonographie hat sich schnell verbreitet und wird heute am Point-of-Care häufiger eingesetzt als in vielen anderen Ländern, erläutert Dr. Fabio Piscaglia, Professor an der Universität Bologna und Leiter der Ultraschallabteilung in der Inneren Medizin des Universitätskrankenhauses Bologna.

So spricht Prof. Piscaglia, Board-Mitglied der International Contrast Ultrasound Society (ICUS) und Past President der European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB) beim Dreiländertreffen in Innsbruck  über die Einzigartigkeit der Erfahrungen mit der KM-Sonographie in Italien. Deutschland, so bestätigt der Experte, ist ein weiteres großes europäisches Land, in dem die KM-Sonographie wesentlich mehr von Klinikern als von Radiologen eingesetzt wird.

Kontrastultraschall am Point-of-Care
„Tendenziell greifen Radiologen ausschließlich bei spezifischen Indikationen auf die KM-Sonographie zurück, vor allem dann,  wenn alternative Modalitäten und Techniken den Patienten potenziell schädigen, beispielsweise in Fällen, wenn eine unangemessen hohe Strahlenexposition zur Visualisierung benigner Läsionen vermieden werden soll. Denn Radiologen können zwischen verschiedenen Bildgebungstechniken wählen. Allerdings legen sie dem Chirurgen im Allgemeinen lieber CT-Bilder vor, weil dieser mehr Routine mit der Befundung von CT-Bildern hat als mit der KM-Sonographie”, sagt Piscaglia. Außerdem muss die KM-Sonographie vom Arzt selbst durchgeführt werden und interpretiert werden, sie kann nicht vom Radiologietechniker übernommen werden. 

Im klinischen Umfeld dagegen gewinnt die KM-Sonographie an Beliebtheit, weil es keine andere Methode gibt, die die diagnostische Aussagekraft verbessert und  dem Kliniker dabei direkt zur Verfügung steht und einfach in der Anwendung ist.

„Jeder, der Ultraschall am Point-of-Care nutzt, kann auch Kontrastmittel verwenden – und er wird es auch tun, denn mit Hilfe des Kontrastes können konkrete klinische Fragen sofort beantwortet werden”, so Piscaglia.

Zudem sind die Verfügbarkeit von Geräten und der Zugang zu bildgebender Diagnostik zunehmend kritische Faktoren. Kleinere Krankenhäuser haben überhaupt keinen CT und in anderen Häusern kommt er während der Nachtschicht nicht im Einsatz.

„Eine KM-Sonographie kann man sofort durchführen, während man auf einen CT schon mal zwei Tage warten muss, auf eine MRT-Untersuchung  unter Umständen sogar zwei Monate. Vor Kurzem hatten wir einen Patienten, der unmittelbar nach einer Parazentese über Schmerzen klagte. Wir mussten ihn nicht in die Radiologie bringen, sondern haben eine KM-Sonographie direkt am Bett durchgeführt. Innerhalb von fünf Minuten nach Einsetzen der Schmerzen hatten wir dank dieses Verfahrens eine Blutung diagnostiziert und lokalisiert”, berichtet Prof. Piscaglia.

CEUS als Primäruntersuchung
In der Vergangenheit galt die KM-Sonographie als ein komplementäres diagnostisches Verfahren zur MRT- oder CT-Untersuchung, inzwischen entwickelt sie sich zunehmend zur Primäruntersuchung, für die es auch immer neue Anwendungen gibt.

„Ein Bereich, in dem wir die KM-Sonographie künftig einsetzen möchten, ist die Response Beurteilung  bei der Chemotherapie mit neuen antiangiogenetischen Medikamenten”, so Piscaglia.

„Hier besteht ein enormer klinischer Bedarf, da es viele Patienten gibt, die einer sehr teuren und schwierigen Therapie unterzogen werden, von der man erst nach zwei oder drei Monaten erkennt, ob sie anschlägt oder nicht. Sollte die KM-Sonographie eine frühere Aussage über den Therapieverlauf  zulassen, ist das von großem Nutzen für alle Patienten, die Medikamente einnehmen, die nicht helfen, sondern nur Nebenwirkungen hervorrufen. Und für das Gesundheitssystem ist das auch ein Vorteil, denn man würde Kosten für eine wirkungslose Therapie einsparen.”

Eine weitere Anwendung der KM-Sonographie, die Prof. Piscaglia verfolgt, ist die Diagnose der portalen Hypertension, einer Komplikation bei der Leberzirrhose: „Derzeit gibt es nur eine invasive Kathetermethode zur Messung des portalvenösen Drucks. Sie ist teuer und risikoreich für den Patienten. Gemeinsam mit der Universität Barcelona und mit finanzieller Unterstützung der EU untersuchen wir, ob eine Analyse der Mikrobläschenzirkulation in der Leber einen Hinweis auf die Höhe des Portaldrucks geben kann.”

„Das Wichtigste an der KM-Sonographie“, unterstreicht Professor Piscaglia, „ist die Tatsache, dass sie ein sehr sicheres Verfahren ist mit vielen Vorteilen für den Patienten. Sie kann nicht nur am Bett ausgeführt werden, sondern ist auch patientenfreundlich, da der Arzt während der Untersuchung in unmittelbarem Kontakt mit dem Patienten bleibt. Das ist natürlich insbesondere in der Pädiatrie wichtig, denn die Kinder müssen nicht sediert werden und die Eltern können bei ihnen bleiben, anders als bei der CT- oder MRT-Untersuchung.“

Im Profil:
Dr. Fabio Piscaglia, der im Oktober 1992 sein Studium an der medizinischen Fakultät der Universität Bologna abschloss, ist Leiter der Ultraschallabteilung in der Inneren Medizin des Universitätskrankenhauses Bologna. Der international renommierte Ultraschallexperte ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und Vorträge, insbesondere auf dem Gebiet der Kontrastmittelsonographie zur Erkennung und Beurteilung von Lebertumoren und anderen Pathologien. Fabio Piscaglia ist Peer Reviewer für mehr als 15 wissenschaftliche Fachzeitschriften und war von 2011 bis 2013 Präsident der European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology.

Veranstaltung:
Saal Brüssel
Fr., 31.10.2014, 16:20–16:30 Uhr
CEUS and Complications:
The Italian experience/ Kontrastmittelsonographie und Komplikationen: Erfahrungsbericht aus Italien
F. Piscaglia, Bologna (IT)

23.10.2014

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