screenshot of liver structured reporting software
Die Templateserie „Primovist® Leber-MRT“ ermöglicht die strukturierte Befundung von MRT Untersuchungen der Leber mit Kontrast und wurde in Kooperation von Bayer und Smart Radiology zusammen mit verschiedenen deutschen und europäischen Universitätskliniken entwickelt.

Leber-MRT

Klarheit auf den ersten Blick dank strukturierter Befundung

"Der Tumor ist etwas größer geworden“ – macht der Radiologe in seinem Befund ein solche Angabe, ist das nicht für jeden Zuweiser verständlich. Die strukturierte Befundung setzt deshalb auf objektive Bezeichnungen statt unscharfer Formulierungen. PD Dr. Harald Kramer beschreibt die Vorteile der strukturierten Befundung in der MRT-Bildgebung der Leber.

Individualität kann in der radiologischen Befundung durchaus hinderlich sein: „Jeder Radiologe hat seinen eigenen Duktus“, sagt Kramer. „Arbeiten ein Zuweiser und ein Radiologe schon lange zusammen, ist das kein Problem – kommt aber ein neuer Zuweiser ins Spiel, deutet dieser die Informationen im Befund möglicherweise anders als vom Radiologen gemeint und möglicherweise sogar falsch. Auch die umgekehrte Konstellation birgt mögliche Fehlerquellen: liest ein Zuweiser die gleiche Formulierung von unterschiedlichen Radiologen, kann diese durchaus unterschiedliche Aussagen beinhalten. Insofern ist es wichtig, eine Struktur in die Befundung zu bringen, in der Sachverhalte klar definiert sind.“ Anstelle von subjektiv semantischen Angaben wie ‚ein bisschen größer‘ oder ‚mäßig größer‘ treten objektive, quantifizierbare Kriterien, Größenveränderungen werden beispielsweise prozentual angegeben.

(K)eine Frage des Stils

portrait of harald kramer
PD Dr. Harald Kramer ist niedergelassener Radiologe in der „Radiologie Oberbayern West“

Die strukturierte Befundung soll Klarheit schaffen in einem Bereich, in dem verschiedene Arten Befunde zu schreiben zu Missverständnissen führen. „Es gibt Radiologen, die in ihrem Befund nur das festhalten, was nicht in Ordnung ist“, erklärt Kramer und nennt ein Beispiel, warum das zum Problemen führen kann: „Liest der Orthopäde in einem Befund: ‚Innenmeniskus gerissen‘ und sonst nichts, dann weiß er nicht, ob sich der Radiologe die anderen Bilder überhaupt angesehen hat, ob alle anderen Strukturen in Ordnung sind oder ob der Radiologe andere vorhandene Veränderungen nicht für relevant hält.“ Da in einer strukturierten Aufzählung auch alle unauffälligen Befunde aufgeführt sind, werden solche Zweifel ausgeräumt. 

Das Einhalten strukturierte Abläufe bedeutet zwar am Anfang zusätzlichen Aufwand bei der Befunderstellung, hat aber auch Vorteile für den Radiologen. „Bei einer strukturierten, systematischen Bearbeitung ist die Gefahr geringer, über einen offensichtlichen Hauptbefund unauffälligere, aber ebenso relevante Nebenbefunde zu übersehen“, sagt der Experte. Darüber hinaus erleichtert der strukturierte Befund die Einleitung leitliniengerechter Therapien: „In den Leitlinien sind die Bedingungen – beispielsweise zur Tumorgröße – präzise beschrieben, die zur Einleitung einer bestimmten Therapie führen. In einem strukturierten Befund finden sich exakt diese Angaben wieder.“ Diese quantifizierten Aussagen helfen nicht nur bei Therapieentscheidungen, sondern auch bei der Auswertung von Studien oder Verlaufsbeurteilungen im Tumorboard, zählt Kramer auf.

Uneinigkeit über Einheit­lichkeit

In den USA wird bereits seit Längerem mit vorformulierten Textbausteinen gearbeitet, so dass die Befunde gleichförmiger und damit besser vergleichbar sind

Harald Kramer

Im Bereich der Mammadiagnostik ist mit BI-RADS (Breast Imaging Reporting and Data System) bereits vor Jahren ein standardisierter Kriterienkatalog im Einsatz, analog dazu gibt es Klassifizierungen für die Befundung der Prostata (PI-RADS) und der Leber (LI-RADS). Für andere Körperregionen stellen Firmen mittlerweile Systeme zur strukturierten Befundung bereit. „Einige dieser Portale funktionieren nach dem Baukastenprinzip, so dass sich Radiologen die Kriterien für ihre Befunde nach eigenen Anforderungen selbst zusammenstellen können“, sagt Kramer. Während die drei erstgenannten Systeme international etabliert sind, gibt es bei den anderen Katalogen noch Nachholbedarf: „Zwar gibt es zum Teil Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften, wie strukturierte Befunde aufgebaut sein sollten – nationale oder gar internationale Standards findet man hier jedoch kaum.“

Das liegt zum Teil daran, dass nicht jeder ein Befürworter des strukturierten Befunds ist: „Kritiker bringen häufig vor, dass eine reine ‚Abhak-Liste‘ für sie nicht in Frage kommt – sie wollen die Möglichkeit haben, einzelne Fälle durch persönliche Wertung zu nuancieren.“ Dieser Einwand hat durchaus seine Berechtigung, erklärt der Experte: „Es kann vorkommen, dass nach rein strukturellen Kriterien ein maligner Befund nicht ausgeschlossen werden kann, die Erfahrung dem Radiologen aber sagt, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen gutartigen Befund handelt.“ Das Ergebnis ist in vielen Fällen eine Kompromisslösung, in der zusätzlich zu den strukturierten Angaben auch ein Textfeld für persönliche Anmerkungen und Wertungen zur Verfügung steht. Dieser Ansatz stößt spätestens dann an seine Grenzen, wenn Befundungen für die Auswertung durch KI-Algorithmen vorbereitet werden, also maschinenlesbar sein sollen. 

Für manche Einsatzbereiche eignet sich die strukturierte Befundung besser als für andere: „Ein gutes Beispiel ist die Tumorbehandlung“, sagt Kramer. „Dort sehen Leitlinien etwa die Einleitung einer bestimmten Therapie vor, wenn der Tumor eine bestimmte Größe überschreitet – das ist ein konkreter, messbarer Wert, der sich gut strukturiert angeben lässt. In der muskuloskelettalen Radiologie gibt es natürlich auch Leitlinien, die sind aber anders aufgebaut.“ Die Verbreitung der strukturierten Befundung dürften diese Limitationen kaum aufhalten, so der Experte: „Der Trend geht allgemein in diese Richtung, nicht nur in Deutschland. In den USA wird bereits seit Längerem mit vorformulierten Textbausteinen gearbeitet, so dass die Befunde gleichförmiger und damit besser vergleichbar sind.“ Nicht zuletzt wird der zunehmende Stellenwert der KI den Siegeszug der strukturierten Befundung unterstützen, zeigt sich Kramer überzeugt.


Profil:

PD Dr. Harald Kramer ist niedergelassener Radiologe in der „Radiologie Oberbayern West“ und war von 2003 bis 2018 am Institut für klinische Radiologie am Universitätsklinikum München Großhadern tätig, seit 2014 als Leiter des Funktionsbereichs MRT. Bereits im Rahmen seiner Promotion setzte er sich intensiv mit unterschiedlichen Möglichkeiten der kontrastverstärkten MRT-Bildgebung auseinander. 2012/2013 verbrachte Kramer eine 18-monatige „Visiting Professorship“ an der University of Wisconsin-Madison. 2006 und 2017 zeichnete ihn der ECR als Gewinner des „Best Scientific Paper Award“ aus. 2007 erhielt er den „Editor‘s Recognition Award 2007“ des European Journal of Radiology and European Journal of Radiology Extra.


Veranstaltung:

Freitag, 18.01.2019, 10:50-11:35 Uhr

Strukturierte Befundung in der Leber-MRT

PD Dr. Harald Kramer (München)

Session: Abdomen & Becken

16.01.2019

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