Mikroskop, Röntgen, Nuklearmedizin

Internationaler Tag der Medizinischen Physik

Die Ulmer Medizinphysiker Dr. Peter Kletting und Prof. Dr. Gerhard Glatting von der Universitätsklinik für Nuklearmedizin erhalten den Preis für den besten wissenschaftlichen Beitrag der Zeitschrift für Medizinische Physik 2015. Sie entwickelten in ihrem Team einen Algorithmus, mit dem sich die Molekulare Radiotherapie bei verschiedenen Krebsarten individueller auf jeden einzelnen Patienten abstimmen lässt. Bei der Molekularen Radiotherapie docken mit Strahlung versehene Trägerstoffe an den Tumor an und zerstören die Krebszellen. Zum Internationalen Tag der Medizinischen Physik am 7. November weisen Fachgesellschaften auf die Bedeutung des Fachgebiets für medizinischen Fortschritt hin.

Dr. Peter Kletting
Dr. Peter Kletting
Quelle: Universitätsklinikum Ulm

Ohne Medizinische Physik ist die heutige medizinische Welt kaum vorstellbar: Dank der Verbindung beider Fächer gibt es heute z.B. Mikroskope, Röntgengeräte, Kernspintomographen und Laser, können Strahlentherapie und Nuklearmedizin Patienten helfen. Daran und an die aktuellen Fortschritte des Fachgebiets erinnert der Internationale Tag der Medizinischen Physik, der am 7. November, dem Geburtstag der Strahlenforscherin und Nobelpreisträgerin Marie Curie, begangen wird.

Die jetzt ausgezeichneten Medizinphysiker aus Ulm arbeiten in ihrem Team daran, die Molekulare Radiotherapie, beispielsweise bei Tumoren des Hormonsystems (endokrine Tumoren), bei Blutkrebs (Leukämien) oder bestimmten Hirnhauttumoren (Meningeome), ganz individuell auf jeden Patienten auszurichten. Die entscheidende Aufgabe dabei ist, so viele strahlende Teilchen wie nötig auf Trägerstoffen in das erkrankte Organ zu schicken, gleichzeitig aber so wenige wie möglich, um übrige Körperregionen zu schonen.

„Jeder Mensch verteilt die Trägerstoffe der krebsbekämpfenden strahlenden Teilchen unterschiedlich in seinem Körper, baut die Strahlung schneller oder langsamer ab. Dabei spielt neben Alter und Körpergewicht die Biokinetik eine wichtige Rolle, dazu gehören z.B. die Nierenfunktion oder die Nahrungsumsetzung im Körper. All diese Faktoren nehmen wir über individuelle Messungen zur Therapieplanung in unseren Algorithmus auf“, erläutert Dr. Kletting, Erstautor der ausgezeichneten Studie. „Mit unserem Vorwissen und den individuellen Messungen können wir dann die wirkungsvollste und schonendste Therapie für jeden einzelnen Patienten erarbeiten. Gleichzeitig ermöglicht das in der neuen Software NUKDOS gefasste System, die Vertrauenswürdigkeit der Therapievorschläge besser zu bewerten“, ergänzt Prof. Dr. Gerhard Glatting, Seniorautor der Arbeit.

Die Auszeichnung wird von der international anerkannten „Zeitschrift für Medizinische Physik“ für den besten wissenschaftlichen Betrag der Zeitschrift im Jahr 2015 vergeben. Die Ulmer Wissenschaftler arbeiteten dabei zusammen mit Kollegen der Universitäten Heidelberg, Marburg und Würzburg sowie des Bundesamtes für Strahlenschutz. „Die Medizinische Physik ist eine Säule in der fächerübergreifend orientierten Nuklearmedizin und ich freue mich sehr über diese Auszeichnung für Ulm“, sagt Prof. Dr. Ambros Beer, der Ärztliche Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Nuklearmedizin. „Interdisziplinarität auch über rein medizinische Fachgebiete hinaus ist ein Schlüssel für die Entwicklung neuer wirkungsvoller und verträglicher Therapien, an denen wir am Ulmer Universitätsklinikum arbeiten“, ergänzt Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm.


Quelle: Universitätsklinikums Ulm

07.11.2016

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