Darmkrebs

Hirnmetastasen: Sterberate sinkt dank lokaler Therapien

Darmkrebspatienten mit einer Hirnmetastase hatten in der Vergangenheit oft nur noch wenige Wochen zu leben. Moderne lokale Therapien wie Operation und Radiochirurgie haben die Überlebensaussichten deutlich verbessert, sodass mittlerweile viele Patienten nicht mehr an der Hirnmetastase, sondern an dem Fortschreiten der Tumorabsiedlungen in Organen außerhalb des Gehirns versterben. „Deshalb sollten Patienten, falls ihr Allgemeinzustand dies zulässt und noch Therapiemöglichkeiten bestehen, unbedingt an ihrem Tumorleiden außerhalb des Gehirns nach einem Hirneingriff weiterbehandelt werden“, fordert Professor Dr. med. Gabriele Schackert, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Professor Dr. Gabriele Schackert, Präsidentin der DGCH.
Professor Dr. Gabriele Schackert, Präsidentin der DGCH.
Quelle: DGCH

Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Jährlich sterben etwa 30.000 Menschen an den Folgen dieser Erkrankung. Die Todesursache sind Metastasen, die meistens in der Leber und der Lunge auftreten. Hirnmetastasen sind eher selten. „Ihre Häufigkeit hat jedoch in den vergangenen Jahren aufgrund der verbesserten Therapie zugenommen“, berichtet DGCH-Präsidentin Professor Dr. med. Gabriele Schackert, die am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden die Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie leitet.

Hirnmetastasen sind eine späte Darmkrebsfolge. „Im Durchschnitt treten sie zwei Jahre nach Diagnose und Darmoperation auf“, so Schackert. Ohne Behandlung beträgt die Überlebenszeit im Mittel nur zwei Monate. Eine Ganzhirnbestrahlung, eventuell mit einer Chemotherapie kombiniert, kann die Überlebenszeit auf vier bis zwölf Monate steigern. Die Bestrahlung des gesamten Gehirns bleibt jedoch nicht ohne Folgen. „Die Gefahr einer Demenz ist hoch, und unserer Ansicht nach sollte eine Ganzhirnbestrahlung nur bei Vorliegen mehrerer Hirnmetastasen durchgeführt werden“, erläutert Schackert.

Einzelne Absiedlungen können jedoch häufig durch eine Hirnoperation entfernt werden oder, wenn sie nicht zu groß sind, mit einer gezielten lokalen Bestrahlung – diese nennt man Radiochirurgie – abgetötet werden. Dabei haben sich die chirurgischen Möglichkeiten deutlich verbessert. „Oft ist die komplette Entfernung der Metastase mit einer Sicherheitszone möglich“, sagt die Neurochirurgin. Die meisten Metastasen würden dabei „en bloc“ – sprich: in einem Stück – beseitigt. Auf eine unterstützende Strahlentherapie kann dann bei kompletter Entfernung zunächst verzichtet werden.

Aufgrund der lokalen Behandlungsstrategien liegen die medianen Überlebenszeiten inzwischen bei fünfzehn bis 21 Monaten. „Etliche Studien zeigen, dass immer weniger Darmkrebspatienten an einer Hirnmetastase versterben, statt dessen zunehmend an Absiedlungen außerhalb des Gehirns“, so Schackert. Dieser Umstand müsse zu einem Umdenken bei der Therapie insgesamt führen. „Wichtig ist, dass Darmkrebspatienten auch nach der Entfernung einer Hirnabsiedlung an ihrem Ursprungstumor und den Metastasen in anderen Organen behandelt werden, um die Überlebenszeiten zukünftig noch weiter zu verlängern“, erklärt die Neurochirurgin. Voraussetzung sei, dass der Allgemeinzustand dies zulasse. „Lebensqualität und Patientenwille müssen im Vordergrund stehen“, betont Schackert.

Die Hirnoperation ist anspruchsvoll, und nicht allen Patienten sind die Strapazen zuzumuten. Eine bessere Prognose haben jüngere Menschen im Alter von unter 65 Jahren, die sich noch in einem guten Allgemeinzustand befinden. „Es geht um eine Risiko-Nutzen-Abwägung. Nicht alles, was machbar ist, hilft den Patienten“, meint Schackert.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27.04.2016

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