Grippe-Impfung verursacht keine Tumoren

Stellungnahme des CRM Centrum für Reisemedizin zur Diskussion um den Grippe-Impfstoff Optaflu

In zahlreichen Bundesländern ist derzeit nicht ausreichend Grippe-Impfstoff für Kassenpatienten verfügbar, da es zu Lieferengpässen beim Impfstoff Begripal kommt.

Photo: Grippe-Impfung verursacht keine Tumoren

Der Impfstoff stammt vom Pharmakonzern Novartis, der von den Gesetzlichen Krankenkassen den Zuschlag für die Belieferung der betroffenen Gebiete erhalten hat. Die aktuelle Lieferverzögerung soll nun durch Verwendung anderer zugelassener Grippe-Impfstoffe derselben Firma abgefangen werden, Fluad und Optaflu.

Verschiedentlich wird in aktuellen Medienberichten der Verdacht geäußert, der Impfstoff Optaflu könne Tumoren beim Menschen auslösen. Aus gegebenem Anlass weist das CRM Centrum für Reisemedizin darauf hin, dass es diese Bedenken nicht teilt. Die Behauptung, einzelne Grippe-Impfstoffe könnten beim Menschen Tumoren auslösen, ist wissenschaftlich haltlos.

Die Bedenken beziehen sich auf den Umstand, dass beim Impfstoff Optaflu die für die Antigen-Produktion benötigten Impfviren nicht in Hühnereiern, sondern in Zellkulturen, in sogenannten MDCK-Zellen, hergestellt werden. Bei Tierversuche wurde festgestellt, dass die Injektion lebender MDCK-Zellen bei abwehrgeschwächten Mäusen Tumoren verursachen. Der in den Zellen produzierte GrippeImpfstoff enthält jedoch keine Zellen oder Zell-DNA, sondern ausschließlich die in den Zellen produzierten Influenza-Antigene. Optaflu wurde im Rahmen des Zulassungsverfahrens an immunsupprimierten Mäusen getestet. Dabei fand sich keine Auslösung von Tumoren. Ein ebenfalls in MDCK-Zellen produzierter Impfstoff, Celtura, ist bereits während der Schweinegrippe-Pandemie in den Jahren 2009 und 2010 bei mehreren hunderttausend Menschen angewendet worden. Auch hier gibt es keinerlei Hinweise auf eine Tumorgenese. In den entsprechenden Stellungnahmen der Zulassungsbehörden wird ausführlich und wissenschaftlich fundiert auf diese Fragestellung eingegangen.

Nach der derzeitigen Ausschreibungspolitik zur Grippe-Impfung legen sich die Gesetzlichen Krankenkassen vertraglich auf nur einen einzigen Grippe-Impfstoff fest. Dies verhindert jedoch, dass Ärzte den optimalen Impfstoff für ihre Patienten wählen können. Der derzeitige Lieferengpass zeigt zudem, dass dieses Vorgehen die rechtzeitige Versorgung der Bevölkerung mit Grippe-Impfstoff gefährdet. Bei aller berechtigten Verärgerung über diese Ausschreibungspolitik ist es jedoch wissenschaftlich unseriös, die Auslösung von Tumoren durch Grippeimpfstoffe zu postulieren. Einer solchen Aussage fehlt jegliches Fundament. Zudem wird dadurch die impfbereite Bevölkerung unnötig verunsichert.

PD Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin
 

22.10.2012

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