„Eine gemeinsame Sprache finden“

Vor einem Jahr feierte die Arbeitsgemeinschaft (AG) Onkologische Bildgebung in der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) auf dem Deutschen Röntgenkongress ihren Einstand. An diesem Kongressmittwoch findet die erste Mitgliederversammlung statt.

Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter Schlemmer
Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter Schlemmer

Vorsitzender der AG ist Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Gleichzeitig leitet er seit Februar 2014 die AG Bildgebung in der Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft und ist Präsident der International Cancer Imaging Society (ICIS), deren internationales Meeting er im Oktober in Heidelberg ausrichtet.

RöKo Heute: Prof. Schlemmer, wozu braucht es eine AG Onkologische Bildgebung, wenn doch bereits eine Vielzahl von Fachgesellschaften sich an onkologischen Themen abarbeitet?
Schlemmer: Es stimmt, dass es heute fast für jede Krebserkrankung auch eine entsprechende organbezogene wissenschaftlich-medizinische Vereinigung gibt. Mit dem Interesse an onkologischer Bildgebung nimmt aber auch der Bedarf rasant zu, diesen Bereich besser zu strukturieren und zu koordinieren, etwa für das Therapiemonitoring oder die strukturierte Befundung. Wir sehen uns also nicht in Konkurrenz zu anderen Fachgesellschaften, sondern wir möchten eine Ebene schaffen, die sich koordinierend mit übergeordneten Themen beschäftigt.

Was für übergeordnete Themen sind das?
Im Wesentlichen die Weiterentwicklung von Methoden der onkologischen Bildgebung, die Erarbeitung und Etablierung von Standards sowie die Befundkommunikation. Wir möchten insbesondere auch eine gemeinsame Sprache finden, die sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Fachdisziplin verstanden wird. Historisch hat sich die Radiologie in eine Organspezialisierung hineinentwickelt. Das kann für den Aufbau von Empfehlungen und Richtlinien innerhalb der Subgesellschaften sinnvoll sein, ist jedoch bei systemischen Krebserkrankungen limitiert. Zudem müssen Radiologen radiologische Fragestellungen zu unterschiedlichen Tumorentitäten abdecken, wofür abgestimmte Ansätze zum Beispiel zum Therapiemonitoring im Kopf-Hals-Bereich und in der Uroradiologie nützlich sind. Da wollen wir einen gemeinsamen Nenner finden.

Worin liegen dabei die Herausforderungen?
Nun, erstens handelt es sich um eine inhaltlich hoch komplexe Angelegenheit, die sehr viel fortgeschrittenes Fachwissen erfordert. Zweitens ist das Thema „Onkologische Bildgebung“ auch berufspolitisch, weil es sowohl die Subspezialitäten der Radiologie als auch die Nuklearmedizin sowie unterschiedliche zuweisende klinische Fachdisziplinen betrifft. Die größte Herausforderung ist das kooperative Management der Komplexität.

Wie geht es also weiter?
Inhaltlich haben wir bereits verschiedene Arbeitsbereiche aufgestellt. Dr. Jan Menke aus Göttingen führt zum Beispiel den Bereich „Leitlinien“ an, dessen Ziel die Harmonisierung bestehender Methoden sowie die Evaluierung neuer Methoden ist. Dabei sollen systemische Erkrankungen wie das maligne Melanom, die Non-Hodgin-Lymphome (NHL) oder Hodgkin-Lymphome im Vordergrund stehen, weil systemische Erkrankungen beziehungsweise Erkrankungen, die über eine Organbeteiligung hinausgehen, häufig von den Subgesellschaften nicht abgebildet werden. Dr. Thorsten Persigehl aus Köln, der den Bereich „Strukturierte Onkologische Befundung“ leitet, arbeitet unter anderem an einem Tumormonitoring gemäß etablierter Response-Klassifikationen wie RECIST, mRECIST, Cheson usw. Zudem möchten wir die Zusammenarbeit in klinischen Multicenterstudien voranbringen – diesem Aufgabenbereich widmet sich Prof. Dr. Ulrike Attenberger. Derzeit bearbeiten wir acht verschiedene Arbeitsgebiete, die auf der Website der DRG aufgelistet sind. Was wir brauchen, sind Mitstreiter, vor allem Kollegen aus der DRG, die sich für den einen oder anderen Arbeitsbereich in unserer AG interessieren und Interesse haben mitzumachen.

Sie selbst engagieren sich gleich in mehreren leitenden Positionen in der onkologischen Bildgebung – wie finden Sie da Ihre Work-Life-Balance?
Die Musik ist mein Ausgleich, schon seit meiner Kindheit. Ich spiele klassische Gitarre und bin Schlagzeuger in einer Band. Wir covern Songs, die in die Richtung Jazz und Rock gehen. Damit treten wir dann mal in Kneipen, auf Straßenfesten oder vor Freunden auf, alles just for fun. Größter Rückhalt ist aber meine großartige sechsköpfige Familie.

Die acht Arbeitsbereiche der AG Onkologische Bildgebung:
Therapiemonitoring (Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter Schlemmer)
Molekulare Bildgebung (Prof. Dr. Gerald Antoch)
Klinische Studien (Prof. apl. Dr. Ulrike I. Attenberger)
Interventionelle Radiologie (Prof. Dr. Markus Düx)
Interventionelle Radiologie (Prof. Dr. Peter Huppert)
Curriculum, Weiterbildung (Prof. Dr. Günter Layer)
Leitlinien (PD Dr. Jan Menke)
Radioonkologie (Dr. Maya Müller-Wolf)
Strukturierte onkologische Befundung (Dr. Thorsten Persigehl)
Mehr Infos unter www.onkologische-bildgebung.drg.de


 

29.05.2014

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