Bildquelle: GMDS/TMF

Jahrestagung von GMDS und TMF

Digitale Baustellen in der Medizin: ePA, KI, Datenzugang

670 Wissenschaftler diskutierten anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) und der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung im Gesundheitsbereich.

Auf der Tagung wurde deutlich, welche großen Pozenziale die Digitalisierung für Ärzte, Patienten sowie für Forschende in der Medizin birgt. 

„Digitalisierung muss primär der Verbesserung der Gesundheitsversorgung dienen“, merkte Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Uniklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, in seinem Grußwort an. „Domänen- und einrichtungsübergreifende Vernetzung, Big Data, KI und Robotics können aber auch die Forschung verbessern, so dass Forschung durch Nutzung der Chancen der Digitalisierung ebenfalls zum Patientenwohl beiträgt. Dafür müssen umgehend die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden.“

Forschungskompatible ePA startet 2023

Ab 2023 sollen Patienten die Möglichkeit haben, Teile ihrer in der elektronischen Patientenakte (ePA) gespeicherten Versorgungsdaten für medizinische Forschungszwecke freizugeben. Bis dahin müssen jedoch die erforderlichen Schnittstellen zwischen ePA und Leistungserbringern, Patienten und Forschenden geschaffen werden. „Die Forschungsnutzung der ePA ist ein wichtiger Impuls für den strategischen Ausbau der Datennutzung von Versorgungsdaten und damit für eine verbesserte Verzahnung von medizinischer Forschung und Versorgung“, betonte Sebastian C. Semler, TMF-Geschäftsführer und Leiter der Koordinationsstelle der Medizininformatikinitiative (MII).

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Künstliche Intelligenz (KI) wird viele Bereiche des Gesundheitswesens grundlegend verändern – darüber sind sich Experten weitgehend einig. „Während vielfach nur die technische Leistungsfähigkeit diskutiert wird, liegt die wahre Herausforderung jedoch in der Integration der KI in die klinische Arbeitswelt und in der Akzeptanz durch die Nutzer“, erläutert Prof. Dr. Björn Bergh, Tagungspräsident für die GMDS. Auch Prof. Dr. Enrico Coiera, Direktor des Center for Health Informatics am Australian Institute of Health Innovation, mahnte in seiner Keynote an, dass Nutzerbedürfnisse stärker in das Design von KI-Anwendungen einfließen müssten, um deren Akzeptanz und Erfolgschancen zu steigern. Er erhob zudem die Forderung nach einer stärkeren Fokussierung auf die Replizierbarkeit von Studien in der Medizininformatik.

Die Covid-19-Pandemie hat schmerzhaft deutlich gemacht, welche digitalen Defizite das deutsche Gesundheitswesen und die medizinische Forschung nach wie vor hat. Dies reiche sogar so weit, dass weitreichende politische Entscheidungen ohne hinreichende Datenbasis getroffen werden mussten, so Experten auf der Jahrestagung. Die schlechte Datenlage sei zwar durch mathematische Modelle in Teilen kompensiert worden, hierunter leide jedoch die Aussagekraft der gewonnenen Erkenntnisse. Als Hauptgrund der „Missing-Data-Krise“ während der Pandemie wurde indes die weitgehende Fragmentierung der existierenden Datenbestände ausgemacht, häufig in Zusammenhang mit Datenschutz-Vorgaben. Die Experten forderten während der Konferenz deshalb wiederholt Augenmaß beim Datenschutz, um die Chancen der Digitalisierung in der Medizin besser nutzen zu können.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie / Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung

01.10.2021

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