Die glorreichen Sieben?

Die klinische Zukunft der 7-Tesla-Bildgebung

Der Trend zu höheren Feldstärken bestimmt nicht länger nur die Forschung, sondern ist auch in der klinischen Praxis längst angekommen. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: Eine bessere Bildqualität bzw. stark verkürzte Untersuchungszeiten. Sowohl unter medizinischen als auch wirtschaftlichen Aspekten erscheint die Anschaffung eines Hochfeld-MRs also sinnvoll.

Mehr Signal @ 7 T Temporallappen/ Hippocampus (T2)
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Nach 1,5 Tesla und 3 Tesla, drängt bereits eine neue Gerätegeneration ins Blickfeld: Die 7-Tesla-Technologie. Doch wo genau verlaufen hier die Grenzen des Nützlichen und Machbaren?

Noch handelt es sich bei den weltweit etwa 35 7-Tesla-MR-Installationen um reine Forschungsgeräte. Die meisten davon stehen für neurologische Fragestellungen zur Verfügung. Das erste 7-Tesla-Gerät in Deutschland wurde im Jahr 2005 am Erwin L. Hahn Institut auf dem Gelände Zeche Zollverein in Essen installiert, das sowohl in den Neurowissenschaften als auch in der Ganzkörperanwendung der 7-Tesla-Technologie forscht. Das hochschulübergreifende Projekt der Universitäten Duisburg-Essen und der Radboud Universität Nijmegen in den Niederlanden wird vor Ort von Prof Dr. Michael Forsting, Direktor des Instituts für Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen, und Mitbegründer des Erwin L. Hahn Institut, betreut. Im Rahmen des MR Symposiums Garmisch wird Prof. Forsting spannende Einblicke in seiner Forschungsarbeit gewähren. Im Interview ging Prof. Forsting sogar noch weiter und sprach über die Zukunft der 7-Tesla-Bildgebung in der klinischen Zukunft.

Prof. Dr. Forsting, inwiefern verbessern höhere Magnetfeldstärken die Diagnostik?

Zunächst einmal bedeuten höhere Feldstärken einen anatomischen Informationsgewinn, denn mit 7 Tesla werden Pathologien sichtbar, die mit 1,5 Tesla oder 3 Tesla noch verborgen bleiben. Inwiefern dieser Mehrwert an Informationen auch einen verbesserten Nutzen für die Diagnostik bringt, wird sich allerdings noch herausstellen. Im Moment beschränkt sich die Beweisgrundlage für eine verbesserte Diagnostik noch auf das Gehirn. Unsere Erkenntnisse bei Herz, Leber oder Prostata dagegen bewegen sich noch im sehr experimentellen Bereich. Die technische Herausforderung bei anderen Organen als dem Gehirn liegt einfach darin, dass sie sich mehr bewegen. Das 7-Tesla-Gerät läuft auch noch nicht so schnell wie 1,5 Tesla, was gerade am schlagenden Herzen ein Problem ist. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit bis diese technischen Hürden aus dem Weg geräumt sind. Ich bin überzeugt, dass sich dann die positiven Bildergebnisse aus der Hirnforschung mit 7 Tesla auch auf diese anderen Organe übertragen lassen werden.

Bei welchen klinischen Fragestellungen könnte 7 Tesla den niedrigen Feldstärken voraus sein?

Es gibt bestimmte Erkrankungen, wie z.B. Epilepsie, Schädelhirntrauma oder Multiple Sklerose, bei denen wir mit 1,5 bzw. 3 Tesla nichts sehen, obwohl wir wissen, dass etwas da ist. Ähnliches gilt in der Onkologie, insbesondere bei den kleinen Metastasen. Wir wissen bereits heute, dass Metastasen < 3 cm doppelt so häufig mit 7 Tesla detektiert werden können als mit weniger Tesla. Das bedeutet, Therapien werden sich dadurch in Zukunft noch sehr viel differenzierter einsetzen lassen.

Die personalisierte Medizin wird sich also durch die 7-Tesla-Bildgebung weiter verbessern?

Mit Sicherheit. Gerade in der Onkologie oder bei chronischen Krankheiten wie der Multiplen Sklerose wird versucht, Therapien weiter zu individualisieren, indem das Risikoprofil des Patienten analysiert und die Behandlung aktiv gesteuert wird. Moderne Individualtherapien sind aber sehr kostspielig. Deshalb wird es notwendig werden, mit möglichst hoher Genauigkeit herauszufinden, ob der Patient überhaupt krank ist und eine Therapie benötigt oder ob er auf die Therapie reagiert.

Braucht man dann die 1,5-Tesla-Geräte überhaupt noch?

Dazu lässt sich zunächst einmal sagen, dass höhere Magnetfeldstärken teurer sind als niedrige. Außerdem lassen sich viele Standarduntersuchungen wie die Schlaganfalldiagnostik hervorragend mit 1,5 Tesla durchführen. Dazu braucht man keine hohen Feldstärken. Ich denke aber, dass speziell die Universitätskliniken sich zunehmend mit dieser Technologie ausrüsten werden, um ganz spezielle Fragestellungen beantworten zu können.

Heißt das, in zehn Jahren wird jede große Klinik mit 7 Tesla arbeiten?

Sagen wir mal so: Als ich vor zwanzig Jahren anfing mit der Radiologie, war 1,5 Tesla noch eine Ausnahme, dann wurde 1,5 Tesla zur Routine und heute denkt man bei einer Neuanschaffung darüber nach, ob man wirklich ein 1,5-Tesla- oder nicht doch besser ein 3-Tesla-Gerät nimmt. Wenn wir diese Entwicklung auf die nächsten zehn Jahre projizieren, dann wird 7 Tesla vielleicht das sein, was heute die 3-Tesla-Geräte-Generation ist. Oder nehmen wir den PET-CT: Da hat vor ein paar Jahren auch keiner so richtig an den Nutzen geglaubt und heute hat jede Universitätsklinik ein PET-CT. Im Moment werden die ersten Institute mit PET-MR-Geräten ausgestattet und in fünf Jahren wird jedes größere Haus diese Technologie haben. Ein weiterer Indikator dafür, dass 7 Tesla in Zukunft keine Ausnahmesituation sein werden, ist die Tatsache, dass die neuen Geräte aktiv abgeschirmt sind. Das heißt, man braucht keine 400-Tonnen-Stahlkabine mehr. Ich denke, wir brauchen einfach mehr als nur ein Gerät mit nur einer Feldstärke.

Prof. Forsting, vielen Dank für das Gespräch.

 

Im Profil

Prof. Dr. Michael Forsting studierte Medizin in Aachen und Bern, arbeitete als Neuroradiologe an der Universität Aachen und war vier Jahre lang an der Universität Heidelberg Forschungsleiter der Neuroradiologie. Seit 1997 ist Forsting Leiter der Abteilung Neuroradiologie an der Universität Essen, seit 2003 Leiter der Abteilungen Radiologie und Neuroradiologie. Zu seinen Schwerpunkten gehören Schlaganfall, MR-Imaging von Gehirntumoren und endovaskuläre Therapien bei Gefäßmissbildungen des Gehirns. 2008 trat er seine Stelle als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen an. Prof. Forsting ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie sowie der Deutschen Röntgengesellschaft.

18.01.2010

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