Eine Hand hält ein Blutzucker-Messgerät und einen Insulin-Pen in die Kamera....

© vchalup – stock.adobe.com

News • Wirtschaftliche Auswirkungen

Studie: Diabetes kostet weltweit Billionen

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung und eine der weltweit am häufigsten vorkommenden nicht übertragbaren Krankheiten. Im Durchschnitt ist jeder zehnte Erwachsene davon betroffen. Die Zahl der Menschen, die mit Diabetes leben, steigt weiter an und stellt eine zunehmende Herausforderung für die Gesundheitssysteme und die Wirtschaft dar.

Eine neue Studie, veröffentlicht im Fachjournal Nature Medicine, zeigt die globalen und nationalen wirtschaftlichen Kosten von Diabetes auf und bietet Strategien zu deren Senkung. 

Menschen, die pflegen, fallen oftmals zumindest teilweise am Arbeitsmarkt aus, das verursacht zusätzlich Kosten

Klaus Prettner

Ein Forschungsteam mit Experten der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) hat die ökonomischen Auswirkungen von Diabetes für 204 Länder von 2020 bis 2050 berechnet. Die Ergebnisse sind alarmierend: Ohne Berücksichtigung informeller Pflege durch Angehörige belaufen sich die weltweiten Kosten auf rund 10 Billionen US-Dollar. Das entspricht 0,2% des jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wird die informelle Pflege einbezogen, steigen die Kosten auf bis zu 152 Billionen Dollar oder 1,7% des globalen jährlichen BIP. Gerade bei Krankheiten wie Diabetes ist jedoch die informelle Pflege besonders relevant. „Menschen, die pflegen, fallen oftmals zumindest teilweise am Arbeitsmarkt aus, das verursacht zusätzlich Kosten“, erklärt WU-Ökonom Klaus Prettner. 

Obwohl Menschen in ärmeren Ländern häufiger betroffen sind, haben die Vereinigten Staaten von Amerika die höchsten absoluten Kosten, gefolgt von China und Indien. Für Österreich ergeben die Berechnungen Kosten von rund 19 Milliarden US-Dollar über den gesamten Zeitraum von 30 Jahren. Mit informeller Pflege steigt dieser Wert auf 206 Milliarden US-Dollar oder 1,5% des jährlichen BIP. 

Eine Weltkarte mit Ländern in unterschiedlichen Blau- und Röttönen
Anteil des Kosten für Diabetes am gesamten BIP in den Jahren 2020–2050

Bildquelle: Chen S, Cao Z, Chen W et al., Nature Medicine 2025 (CC BY 4.0

„Bisherige Kostenschätzungen für Diabetes basierten oft auf stark vereinfachten Annahmen und ignorierten dabei wirtschaftliche Dynamiken“, so Prettner. Der innovative Ansatz dieser Studie berücksichtigt hingegen Arbeitsmarktdynamiken, etwa wenn Menschen ausfallen, weil sie Angehörige pflegen. Zudem wird einbezogen, dass Gesundheitsausgaben volkswirtschaftlich nicht zwingend eine Reduktion der Wirtschaftsleistung bedeuten, sondern häufig eine Verschiebung von Konsumausgaben in den Gesundheitsbereich darstellen. 

Vergleicht man die Kosten für Diabetes mit anderen Krankheiten im selben Zeitraum, beispielsweise Alzheimer und Demenz oder Krebs, zeigt sich die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Diabetes. Um die Erkrankung zu vermeiden und Kosten zu senken, sehen die Studienautoren mehrere Ansatzpunkte: Der wichtigste Hebel sind Lebensstiländerungen wie mehr Bewegung und gesunde Ernährung. Aber auch Früherkennung durch großflächige Diabetes-Screenings in der Gesamtbevölkerung sowie schnelle Diagnose und Behandlung bei Menschen mit Symptomen und Risikofaktoren sind zentral. 


Quelle: Wirtschaftsuniversität Wien 

12.01.2026

Verwandte Artikel

Photo

News • Zucker in der Wirtschaft

Typ-2-Diabetes: Das kosten die Folgeerkrankungen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben die Krankenkassen-Daten von über 300.000 Menschen mit Diabetes untersucht. Im Fachjournal ‚Diabetes Care‘…

Photo

News • Transformation der Gesundheitsversorgung

Robotik in der Medizin: Anwendungen, Trends und Potenziale

Von Chirurgie bis Bildgebung, von Labor bis Logistik: Robotik hält Einzug in der Medizin – eine neue Studie zeigt, wie die Technologie die Versorgungsqualität verbessert und Personal entlastet.

Photo

News • Globale Krankheitslast im Wandel

Analyse zeigt: Medizinforschung vernachlässigt wichtige Erkrankungen

Geht die medizinische Forschung am tatsächlichen Bedarf vorbei? Eine neue Studie sieht wichtige Bereiche wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Suchterkrankungen oder Diabetes unterrepräsentiert.

Verwandte Produkte

Newsletter abonnieren