Der Blick ins Herz I

Kardio-CT aus Sicht der MTRA

Mit modernsten CT-Scannern und optimierten Protokollen sind mittlerweile Untersuchungen des Herzens möglich, die mit einer Dosis von weniger als 1 Millisievert auskommen – im Vergleich zu 3 bis 5 Millisievert im Herzkatheterlabor“, erklärt PD Dr. Thomas Schlosser, Oberarzt am Institut für Radiologie des Universitätsklinikums Essen, einen der Gründe für die steigende Relevanz der Computertomographie (CT) in der kardiologischen Diagnostik.

PD Dr. Thomas Schlosser
PD Dr. Thomas Schlosser
PD Dr. Thomas Schlosser
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Ein weiterer Grund sind die exzellenten, durch Studien belegten prädiktiven Werte, die beispielsweise die CT-Koronarangiographie liefert: Stenosen können mit einer sehr hohen Genauigkeit mittels CT nachgewiesen beziehungsweise ausgeschlossen werden – und das nicht-invasiv.

Damit die Vorteile der CT für die kardiologische Beurteilung auch in der Praxis ankommen, ist die gewissenhafte Vorbereitung der – vergleichsweise komplexen – Untersuchung von immenser Bedeutung. „Entscheidend ist eine gute Patientenselektion. Menschen mit sehr ausgeprägten Verkalkungen oder mit einer akuten Symptomatik beispielsweise sind für eine CT-Koronarangiographie nicht geeignet. Auch bereits vorhandene Koronarstents sowie Herzrhythmusstörungen können den Einsatz der CT limitieren“, so Thomas Schlosser.

Vor Beginn der Untersuchung sollte neben einer entsprechenden Aufklärung des Patienten der Ablauf detailliert erklärt und simuliert werden, damit suboptimale Untersuchungsbedingungen in jedem Fall vermieden werden. Auch die richtige Anlage des EKGs und die Auswahl des richtigen Scanvolumens – es sollte nicht zu viel vom Thorax erfasst werden – sind von großer Bedeutung. Eine niedrige, stabile Herzfrequenz während der Untersuchung hat Auswirkungen auf die Patientendosis, weshalb auch hierauf besonderes Augenmerk gelegt werden sollte. Der Einsatz von Betablockern in Tablettenform vor der Untersuchung oder durch eine intravenöse Injektion dient der Herzfrequenzsenkung und somit der Steigerung der Bildqualität. Weiterhin wichtig ist die Gabe von Nitrospray kurz vor der Untersuchung, um die Herzkranzgefäße zu weiten und die Beurteilung zu verbessern.

Für die CT-Koronarangiographie ist ein hoher Kontrast notwendig, weshalb innerhalb eines kurzen Zeitfensters relativ viel Kontrastmittel appliziert werden muss. Um einen kompakten Bolus zu erreichen, sollte das Volumen in einer Injektionsgeschwindigkeit von 5 bis 6 Milliliter pro Sekunde injiziert werden. „Im Gegensatz zur normalen Thoraxuntersuchung ist die Herz-CT eine komplexe Untersuchung, bei der viele Rädchen ineinandergreifen müssen, um eine wirklich gute Bildqualität zu erhalten, die eine eindeutige Beurteilbarkeit der Koronarien zulässt“, weiß der Radiologe aus Erfahrung.

Richtig durchgeführt, bietet die Methode dann auch noch weitere diagnostische Möglichkeiten. Thomas Schlosser: „Mittels CT-Koronarangiographie können wir nicht nur hochgradige Stenosen nachweisen oder ausschließen, sondern auch sehr gering ausgeprägte Plaques, also den Beginn einer Arteriosklerose, darstellen. Darüber hinaus gilt die Methode mittlerweile als Goldstandard für den Nachweis oder Ausschluss von Koronaranomalien und sie erlaubt eine sehr genaue Darstellung der koronaren Bypässe und möglicher Stenosen.“

Zusammengefasst lassen sich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche CT-Koronarangiographie so darstellen: Notwendig sind ein optimaler Kontrast und eine stabile und niedrige Herzfrequenz, um Artefakte zu vermeiden, sowie ein Scanprotokoll, das mit einer möglichst geringen Dosis für den Patienten verbunden ist. Dann steht einer schonenden und exakten Diagnostik des Herzens nichts mehr im Weg.

Im Profil
Thomas Schlosser absolvierte sein Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und promovierte auch dort. Für seine radiologische Facharztausbildung wechselte er 2002 an das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen, seinerzeit unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg F. Debatin und Prof. Dr. Michael Forsting. Seither ist Thomas Schlosser der Radiologie der Uniklinik Essen treu geblieben und dort seit 2011 als Leitender Oberarzt tätig.

Veranstaltungshinweis:
Fr., 08.11.2013
11:00–11:30 Uhr
Cardio-CT
Session: MTRA-Fortbildung, Block II: Herz
Tagungsräume 1 + 2
 

11.11.2013

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