illustration of eraser erasing pencil drawing of human brain

Bildquelle: Shutterstock/Andrea Danti

Morbus Pick

Demenz effektiv mit Antibiotika behandeln

Aminoglykoside, eine Gruppe von Antibiotika, sind vielverprechende Kandidaten im Kampf gegen die Picksche Krankheit.

Diese Art der Demenz befällt Menschen meist vor dem Erreichen des 60. Lebensjahrs, oft schon im Alter von 40 Jahren. In Deutschland leiden darunter etwa 40.000 Patienten. Haining Zhu vom Department of Molecular and Cellular Biochemistry an der University of Kentucky und sein Team haben mutierte Gehirnzellen im Labor mit Aminoglykosiden behandelt. 

Das neu angewandte Verfahren machte die Mutation rückgängig, sodass die Produktion von Progranulin wieder begann. "Wir fanden heraus, dass die Zugabe einer winzigen Menge Aminoglykoside die zellurare Mechanik austrickste", so Matthew Gentry, Co-Autor der Studie. Speziell gelang das mit den Aminoglykosiden Gentamicin und G418. Beide erwiesen sich als gleich wirksam. Die Progranulin-Produktion erreichte 50 bis 60 Prozent des Normalwertes.

Die Ergebnisse der proof-of-concept-Studie wurden jetzt im Journal Human Molecular Genetics veröffentlicht.

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Von links: Co-Autor Matthew Gentry, Forschungsgruppenleiter Haining Zhu und Erstautorin Lisha Kuang
Quelle: University of Kentucky

Morbus Pick, auch bekannt als frontotemporale Demenz, zerstört den Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns. Darunter leidet, anders als etwa bei Alzheimer, weniger das Gedächtnis. Es kommt stattdessen zur Veränderung der Persönlichkeit und der sozialen Verhaltensweisen. Begleiterscheinungen sind Sprach- und Schreibstörungen. Die Krankheit ist nach ihrem Entdecker benannt, dem Prager Neurologen Arnold Pick, der sie 1892 beschrieb.

Bei einem Teil der Kranken hat eine Mutation stattgefunden, die die Produktion des Proteins Progranulin verhindert. Auch wenn die Wirkungsweise noch weitgehend unerforscht ist, ist eines bekannt: Der Mangel wird mit der Pickschen Krankheit in Verbindung gebracht. Die beteiligten Forscher, darunter auch Vertreter der University of California San Francisco glauben, dass dieses Ergebnis den Weg zur Entwicklung von Medikamenten ebnet. Bisher gibt es keine Therapiemöglichkeit für diese tückische Krankheit.

Im nächsten Schritt soll die Behandlungsmethode an Mäusen erprobt werden. Parallel dazu sollen die Nebenfolgen der Präparate verringert werden. Gentamicin ist zwar von der Food and Drug Administration (FDA) als Medikament zugelassen, wegen der Nebenwirkungen allerdings nur in stark eingeschränktem Umfang.


Quelle: University of Kentucky/pressetext

14.01.2020

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