Illustration der menschlichen Nieren. Im Hintergrund ist unscharf das Herz zu...

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News • Nephrologie

CKD-Diagnostik: Niere und Herz immer gemeinsam denken

Nephrologen: Chronische Nieren­krankheit (CKD) bleibt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig unentdeckt

Niere und Herz müssen in der medizinischen Versorgung gemeinsam betrachtet werden: Eine eingeschränkte Nierenfunktion zählt zu den wichtigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwere kardiovaskuläre Ereignisse. Etwa die Hälfte der Menschen mit Herzschwäche hat eine chronische Nierenkrankheit (CKD) – häufig, ohne davon zu wissen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) fordert deshalb im Vorfeld ihrer 18. Jahrestagung vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig, die Nierenfunktion insbesondere bei Menschen mit Bluthochdruck, Herzschwäche oder anderen kardiovaskulären Risiken konsequent mitzuuntersuchen. Sie betont: Der Kreatininwert allein reicht dafür nicht aus. Zusätzlich sollte die geschätzte Filterleistung der Niere (eGFR) betrachtet und mit dem Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (UACR) geprüft werden, ob die Niere bereits das Eiweiß Albumin verliert.

Der [Kreatininwert] wird häufig erst auffällig, wenn die Nierenfunktion bereits erheblich eingeschränkt ist

Sibylle von Vietinghoff

CKD und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig. Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann die feinen Gefäße und Filterstrukturen der Niere schädigen und ihre Filterleistung vermindern. Ebenso geht eine eingeschränkte Nierenfunktion mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einher – bereits lange bevor ein Nierenversagen eintritt oder eine Dialyse notwendig wird. Dieses erhöhte Risiko lässt sich nicht allein durch gemeinsame Risikofaktoren erklären. „Die entscheidende Folge einer CKD ist nicht erst die Dialyse. Viele Betroffene entwickeln bereits vorher Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Sibylle von Vietinghoff, Tagungspräsidentin der DGfN 2026 und Leiterin der Nephrologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Bonn. Gerade eine gering bis mittelgradig eingeschränkte Nierenfunktion dürfe deshalb nicht unterschätzt werden. 

Die Früherkennung ist anspruchsvoll, weil eine CKD lange keine spezifischen Beschwerden verursacht. Zwar wird der Kreatininwert im Blut bei vielen Verlaufskontrollen mitbestimmt. Seine Aussagekraft für frühe Stadien ist jedoch begrenzt. „Der Wert wird häufig erst auffällig, wenn die Nierenfunktion bereits erheblich eingeschränkt ist“, erläutert von Vietinghoff. Eine gering bis mittelgradig reduzierte Nierenleistung könne deshalb unentdeckt bleiben. 

Entscheidend sei, Blut- und Urindiagnostik zusammenzuführen. „Die Urindiagnostik ist genauso wichtig wie die Blutdiagnostik. Neben der eGFR sollte deshalb auch die Albuminausscheidung über den UACR-Wert bestimmt werden“, so die Nephrologin. Die gemeinsame Betrachtung ermöglicht eine präzisere Einschätzung des individuellen Risikos und kann helfen, Therapieintensität und Medikamentendosierung anzupassen. Dies steht auch im Einklang mit dem am 16. Dezember 2025 von der Europäischen Kommission vorgestellten „Safe Hearts Plan“. „Er stuft CKD als zentralen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein und berücksichtigt sie in einem Ansatz zur Früherkennung, der Herz, Nieren und Stoffwechsel gemeinsam in den Blick nimmt.“ 

Für Patientinnen und Patienten mit Nieren- und Herzschwäche haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Damit gewinnt die frühzeitige Diagnose zusätzlich an Bedeutung. Auf ihrer Jahrestagung diskutiert die DGfN deshalb auch, wie neue Therapien bei Menschen mit gleichzeitig bestehenden Nieren- und Herzkrankheiten gezielt eingesetzt und besonders gefährdete Patientinnen und Patienten im Versorgungsalltag besser erkannt werden können. 

„Gerade weil heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, müssen wir die Zusammenhänge zwischen Niere und Herz früh erkennen und bei Therapieentscheidungen gemeinsam berücksichtigen“, betont von Vietinghoff. „Das ist auch deshalb wichtig, weil bereits eingetretene Nierenschäden häufig nicht mehr rückgängig zu machen sind.“ 

Fortschritte in Technik und Datenverarbeitung haben neue Möglichkeiten eröffnet, ein so komplexes Organ wie die Niere besser zu verstehen. In ihr arbeiten zahlreiche Zelltypen präzise zusammen: Giftstoffe werden ausgeschieden, während Wasser und wichtige Mineralien im Körper zurückgehalten werden. Mit neuen Mikroskopieverfahren und Einzelzellanalysen lässt sich dieses Zusammenspiel heute mit einer Genauigkeit untersuchen, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar war. Die Nierenforschung nutzt diese Methoden, um sowohl Nierenkrankheiten als auch deren Auswirkungen auf den Gesamtorganismus besser zu verstehen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Veränderungen des Gefäßsystems und das Zusammenspiel von Niere und Herz. Diese Forschungsfelder können neue Ansätze aufzeigen, um Patientinnen und Patienten mit Nieren- und Herzerkrankungen künftig noch gezielter zu behandeln. 

„Je früher wir ein erhöhtes Risiko erkennen, desto gezielter können wir behandeln und Folgeschäden vermeiden“, sagt von Vietinghoff. Auch Patientinnen und Patienten sollten ihre Nierenwerte wie eGFR und UACR kennen. 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie 

04.09.2026

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