Langzeitstudie zeigt

Chemotherapie bei frühem Brustkrebs oft vermeidbar

Langzeit-Follow-up-Daten der MINDACT-Studie belegen den klinischen Nutzen des MammaPrint Risiko-Scorings bei der Einschätzung, ob eine Brustkrebspatientin einer Chemotherapie unterzogen werden muss.

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Bildquelle: Scientific Animations, Inc. (CC BY-SA 4.0)

Damit bestätigen die in The Lancet Oncology veröffentlichten Daten die MINDACT Studie als positive Deeskalationsstudie. Sie belegen, dass nahezu die Hälfte der Frauen, die ansonsten eine Chemotherapie erhalten würden, eine solche Therapie bei gleichen hervorragenden Behandlungsergebnissen vermeiden können. MammaPrint ist ein prognostischer und prädiktiver diagnostischer Test für Brustkrebspatientinnen im Frühstadium, der Teil des von Agendia vermarkteten personalisierten Medizinportfolios ist.

Die Langzeit-Follow-up-Daten wurden zuvor im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.

Weitere wesentliche Erkenntnisse der Studie:

  • Den 5-Jahres-Daten zufolge, die von 92 Prozent der aufgenommenen Patientinnen verfügbar waren, wurde der primäre Endpunkt der Studie weiterhin erfüllt. Das fernmetastasenfreie Überleben (distant metastasis free survival, DMFS) nach 5 Jahren lag bei Brustkrebspatientinnen mit klinisch hohem, aber genomisch niedrigem Risiko, die nicht mit Chemotherapie behandelt wurden, bei 95,1 Prozent. Damit wurde gezeigt, dass Patientinnen mit niedrigem Risiko gemäß der Einstufung durch MammaPrint ohne adjuvante Chemotherapie hervorragende Therapieergebnisse erreichten.
  • Der Unterschied im 5-Jahres-DMFS zwischen Patientinnen in dieser Kohorte, die mit und ohne Chemotherapie behandelt wurden, liegt nun bei nicht signifikanten 0,9 Prozent, eine bemerkenswerte Verringerung gegenüber den 1,5 Prozent, die zuvor im Jahr 2016 im New England Journal of Medicine berichtet worden waren.
  • Bei der Stratifizierung von Patientinnen mit klinisch hohem und gemäß MammaPrint niedrigem Risiko nach Alter stellten die Prüfer fest, dass bei Frauen über 50 Jahren kein Unterschied im DMFS vorlag zwischen denjenigen, die eine adjuvante Chemotherapie erhielten, und denen, die sie nicht erhielten. Dies weist darauf hin, dass bei solchen Patientinnen bei gleichem Ergebnis eine Chemotherapie sicher vermieden werden kann.
  • Für die Forschungsgemeinschaft sehr interessant sind die Beobachtungen bei Frauen bis zu 50 Jahren, bei denen ein 5%iger Nutzen durch die Chemotherapie nach 8,7 Jahren festgestellt wurde. Sie sollten Anlass sein, bei dieser spezifischen jungen Patientinnenpopulation mit klinisch hohem und genomisch niedrigem Risiko die jeweiligen Vorteile einer Chemotherapie bzw. Unterdrückung der Eierstockfunktion mit GnRH-Analogon (ovarian function suppression, OFS) zu untersuchen. 
  • Wie schon die Daten im Jahr 2016 zeigten, waren auch die Langzeitergebnisse aus MINDACT für Patientinnen mit negativem Lymphknotenstatus und Patientinnen mit positivem Status in 1 bis 3 Lymphknoten konsistent. Dies belegt, dass eine Niedrigrisiko-Klassifizierung gemäß MammaPrint unabhängig von anderen klinischen Faktoren tatsächlich als Niedrigrisiko angesehen werden sollte und dass bei Patientinnen in dieser Population auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann.

Diese Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass alle Brustkrebspatientinnen im Frühstadium Zugang zu Untersuchungen des Rezidivrisikos haben sollten. Dies sollte für alle Frauen zur Standardversorgung in der Diagnosephase gehören

Martine Piccart

„Die Veröffentlichung dieser Ergebnisse [...] bestätigen [...], dass ein niedriges genomisches Risiko auch ein insgesamt niedriges Risiko bedeutet und dass wir Patientinnen, besonders die über 50-Jährigen, die bisher aggressiv behandelt wurden – auch solche mit Lymphknoten-positivem Status – sicher deeskalieren können”, erklärt Dr. Martine Piccart, Ehrenprofessorin für Onkologie an der Université Libre de Bruxelles und Hauptprüferin der MINDACT-Studie. „Diese Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass alle Brustkrebspatientinnen im Frühstadium Zugang zu Untersuchungen des Rezidivrisikos haben sollten. Dies sollte für alle Frauen zur Standardversorgung in der Diagnosephase gehören.”

Die Ergebnisse nach 8,7 Jahren bestätigen die 5-Jahres-Ergebnisse: Eine Klassifizierung als Niedrigrisiko gemäß MammaPrint® identifiziert eine Untergruppe von Brustkrebspatientinnen mit bis zu drei positiven Lymphknoten, bei denen unabhängig von ihrem klinischen Risiko erfolgreich auf eine adjuvante Chemotherapie verzichtet werden kann. Somit ist ein „Alterseffekt” entstanden, den es zu berücksichtigen gilt. Diese Daten unterstreichen den dringenden Bedarf an Untersuchungen der Biologie eines Tumors, bevor gemeinsam über einen Behandlungsweg entschieden wird. Denn diese zusätzliche Erkenntnis kann zur Optimierung der Behandlungsstrategie für Patientinnen jeder Altersgruppe herangezogen werden.

„In der gesamten Brustkrebs-Forschungsgemeinschaft wächst das Interesse an weiteren Untersuchungen über den Nutzen einer Chemotherapie bei Frauen vor der Menopause”, berichtet Dr. Laura van‘t Veer, Mitgründerin und Chief Research Officer von Agendia. „Es wird besonders wertvoll sein, diesen Trend und seinen Zusammenhang mit der Unterdrückung der Eierstockfunktion zu untersuchen und Frauen jeder Altersgruppe Zugang zu Genomuntersuchungen zu ermöglichen. Letztlich erhalten Ärzte und ihre Patientinnen so die Möglichkeit, auf Grundlage des geprüften Genomprofils alle sinnvollen Optionen zu durchdenken und einen auf individuellen Erkenntnissen gegründeten Behandlungsplan zu entwickeln.”


Quelle: Agendia

13.03.2021

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