Quelle: Universität Zürich/Johanna Wagner

Neue Therapiemöglichkeiten

Brustkrebs genauer entschlüsseln

Forschende der Universität Zürich und von IBM Research haben die unterschiedliche Zusammensetzung aus Krebs- und Immunzellen von über hundert Brusttumoren erforscht. Ihre Erkenntnis: Aggressive Tumore werden häufig von einer einzigen Tumorzellart dominiert.

Sind dazu noch bestimmte Immunzellen vorhanden, könnte bei einer spezifischen Gruppe von Brustkrebspatientinnen eine Immuntherapie erfolgreich sein.

Jedes Jahr wird weltweit bei mehr als 1,7 Millionen Frauen Brustkrebs diagnostiziert und für etwa eine halbe Million Patientinnen verläuft die Krankheit tödlich. Im Kampf gegen Brustkrebs werden neuartige Therapieansätze erforscht, die Krebszellen gezielter treffen und zusätzlich das Tumor-assoziierte Immunsystem aktivieren sollen. Bislang noch wenig bekannt ist jedoch, welche verschiedenen Krebs- und Immunzellen innerhalb eines Tumors vorhanden sind und wie sich dies von Patientin zu Patientin unterscheidet.

Massenzytometrie entschlüsselt die Diversität der Zellen

Photo
Brusttumore sind komplexe Ökosysteme. Das Bild stellt einen invasiven Brustkrebs dar, welcher aus vielen verschiedenen Tumorzellarten besteht (unregelmässig geformte Mosaik-Steinchen) und von vielartigen Immunzellen (bunte Kreise) umgeben und infiltriert wird.
Quelle: Universität Zürich/Johanna Wagner

Johanna Wagner von der Universität Zürich untersuchte zusammen mit Marianna Rapsomaniki vom IBM Forschungszentrum Rüschlikon und der Patients’ Tumor Bank of Hope mittels Massenzytometrie mehrere Millionen Krebs- und Immunzellen von 140 Patientinnen und erstellte daraus einen entsprechenden Tumor- und Immunzell-Atlas. "Wir konnten mit dieser Technologie die Diversität von Krebszellen sehr genau untersuchen und beschreiben, wie viele verschiedene Arten von Krebszellen in einem Tumor zu finden sind", erklärt die Doktorandin von Bernd Bodenmiller, Professor am neuen Institut für Quantitative Biomedizin, dessen Gruppe auf präzisionsmedizinische Analysen von Geweben spezialisiert ist.

Parallel dazu wurden auch die Tumor-assoziierten Makrophagen und T-Zellen des Immunsystems analysiert. Diese können den Tumor bekämpfen – aber auch unterstützen. Bei einem erfolgreichen Angriff durch das aktivierte Immunsystem werden die Brustkrebszellen vernichtet. Wenn die naheliegenden Immunzellen jedoch inaktiviert sind, entkommen die Brustkrebszellen der Immunattacke.

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren

Jeder Tumor ist einzigartig

Die Forscherinnen entdeckten, dass die bisherige Annahme von erhöhter Diversität von Tumorzellen in aggressiveren Tumoren nicht zutrifft. Aggressivere Tumore werden meist von einer einzigen Tumorzellart dominiert, die oftmals eine hohe Abnormalität aufweist. "Jeder untersuchte Tumor war einzigartig in seiner zellulären Zusammensetzung und unterschied sich von Patientin zu Patientin. Dies könnte ein Grund für unsere Schwierigkeiten sein, Brustkrebs zu behandeln", so Wagner.

Zugleich entdeckten die Forschenden Ähnlichkeiten im Tumor-assoziierten Immunsystem zwischen den aggressiven Tumoren. Bei einer Gruppe von Brustkrebspatientinnen fand sich eine Anreicherung von inaktiven Immunzellen, die bei Lungen- und Hautkrebs durch Immuntherapie erfolgreich aktiviert werden, um den Krebs zu bekämpfen. Darunter waren auch Patientinnen, von denen man bislang nicht dachte, dass sie für Immuntherapie gegen Brustkrebs geeignet wären.

Die umfassende Analyse aller Krebs- und Immunzellen eines Tumors könnte somit eine gute Grundlage für präzisionsmedizinische Therapieansätze darstellen. "Unsere Erkenntnisse deuten auf einen möglichen Erfolg von Immuntherapie bei Brustkrebs hin. Wir werden dazu weiterführende Studien machen und bei Erfolg zu einer klinischen Studie ausweiten", erklärt Professor Bodenmiller.


Quelle: Universität Zürich

16.04.2019

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

Forschung zu Immunzellen im Blut

Individuelles Brustkrebsrisiko früher vorhersagen

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen – und stellt Experten vor immer neue Rätsel. Ungeklärt ist beispielsweise immer noch, wie diese Tumorart genau entsteht. Forscher aus Heidelberg…

Photo

Genetische Reprogrammierung

Immunzellen enthemmen, um Tumorzellen zu täuschen

Das Team um die Ärzte Privat-Dozent Dr. Sebastian Kobold und Professor Dr. Stefan Endres am Klinikum der Universität München arbeitet an der Entwicklung von Immuntherapien zur Behandlung von…

Photo

Zell-Zell-Bindung

Wie Zellen fest zusammenhalten

Studien aus dem Biozentrum werfen ein neues Licht auf Zell-Zell-Kontakte: Bei deren Entstehung und Stabilität spielen physikalische Effekte eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie „Nature…

Verwandte Produkte

Beckman Coulter – Access 25(OH) Vitamin D Total

Immunoassays

Beckman Coulter – Access 25(OH) Vitamin D Total

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Access Active B12

Immunoassays

Beckman Coulter – Access Active B12

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Access Procalcitonin (PCT)

Immunoassays

Beckman Coulter – Access Procalcitonin (PCT)

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Anti-Mullerian Hormone (AMH)

Immunochemistry

Beckman Coulter – Anti-Mullerian Hormone (AMH)

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – phi (Prostate Health Index)

Immunochemistry

Beckman Coulter – phi (Prostate Health Index)

Beckman Coulter, Inc.